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In mehrerlei Hinsicht extravagantes, opulentes, und dadurch schon wieder interessantes Katastrophendrama/-thriller aus Korea, dass der jüngeren Tradition im Subgenre wie Haeundae a.k.a. Tidal Wave (2009), Deranged (2012) und The Tower (2012) mit durchaus aufschlussreichen Ergebnissen folgt. Eine scheinbare Angliederung an die zumeist amerikanischen Zeugnisse ab den Siebziger Jahren, die abgewandelt mit jeweils aktueller Technik variiert und hier noch zusätzlich gerade in der Beteiligung von Ausdruck und Emotion und gerade Schwankungen der Stimmungslage modifiziert werden. Sicher in den Produktionsverhältnissen und dem öffentlichen Erscheinungsbild, aber dennoch mit genug Eigenarten, die man nicht immer alle gut finden muss, aber dessen landestypisches Naturell und der Beigeschmack der Extreme wenigstens genug Temperamente und auch (beachtenswerte) Störungen bereithält. Vom Kitsch in der Tragik, der auffallenden Zweckmäßigkeit und dem unfreiwilligen Humor:

Als ein Container mit toten illegalen Immigranten von den Menschenschmugglern Byung-Ki [ Lee Hee-joon ] and Byoung-Woo [ Lee Sang-yeob ] geöffnet wird, verbreitet sich in Bundang, einem Vorort von Seoul rasedn schnell eine Seuche, die innerhalb 36h ihre Todesopfer fordert. In der eilig abgeriegelten Siedlung befinden sich u.a. der Feuerwehrmann Kang Ji-goo [ Jang Hyeok ], sein Freund und Kollege Bae Kyeong-eop [ Yoo Hae-jin ] und die bedien von einem früheren Einsatz her kennende Ärztin Kim In-hae [ Soo-ae ], die mit mit der Virusbekämpfung beschäftigt ist, sich aber auch um ihre kleine und ebenfalls in Gefahr befindliche Tochter Kim Mir [ Park Min-ha ] kümmern muss. Zusätzlich zu der um sich greifenden Plage rüsten einige Militärs, angeführt von Jeon Gook-hwan [ Ma Dong-seok ] ihre eigenen Truppen in der Sicherheitszone auf.

Umflort von unzähligen, in die Tausende gehenden und zumeist gesichts- und namenlosen Toten, die erst den Straßenrand säumen und alsbald wie in einer riesigen Müllverbrennungsanlage eingesammelt und aufgehäuft sind, wird im Kleinen als Gegensatz nicht die Bekanntschaft und Liebe zu einer Frau, sondern als Neuheit der Gewinn der Rolle als (Ersatz)Vater erzählt. Zwar sehen sich die alleinerziehende Mutter und der Bachelor zuerst und versucht er auch vermehrt danach den Kontakt, wird aber grundsätzlich abgeblockt und schleicht er sich nur über den Bezug zum Kind in ihr Herz. Im Grunde sprüht auch keine Romantik, anfangs schon gar nicht und angesichts des Ausbruch der Epidemie und der folgenden Notstandslage angenehmer- und dankenswerterweise erst recht nicht, sondern wird eine Zweckgemeinschaft geboten, die zum Überleben nötig und dem Halt in all dem Chaos wie als letzter Rettungsanker ist.

Der Verzicht dort auf die großen Gefühle und das over-the-top in vielen anderen Bereichen macht das all hell breaks loose - Werk, die erst dritte Regiearbeit von Kim Seong-su nach den erfolgreichen Please Teach Me English (2003) und speziell Musa (2001), mitsamt seiner mal pompösen, mal radikalen, mal auch bis zum Wahnwitz übertriebenen Attribute zu einem durchaus zweischneidigen Schwert; einem Blockbuster mit Ecken und Kanten, dass in den technischen Daten vollkommen überzeugend, in der Philosophie aber mit Schwächen und teils auch Lächerlichkeiten angereichert und so als Besonderheit kopfloser Massenpanik gesegnet ist. Die skrupellosen Politiker, die Alles und Jeden beseitigen wollenden Militärs, die Amerikaner von außen, die am sich Einmischen und die Notstandslage am Bestimmen Wollen sind, die Aufopferungen am Rande des Geschehens, in der gerade neu eingeführte Personen ohne jeden bisherigen Hintergrund und so seltsam unbeteiligt für das Publikum am großen, aber fehlgeleiteten Märtyrertum sind; dazu noch einige verzerrte Dramatisierungen, ausgewalzte Propaganda und gelinde hanebüchene Zufälle, die zwar allesamt schwer unterhaltsam und auch schon spannend in der Anlage, aber von anrüchig-absurden Geschmäckle bis hin zu närrisch und weit entfernt von der vergleichsweise dramatischen Seriosität des zehnteiligen, für das Fernsehen produzierten Medizinthriller The Virus [ 2013 ] sind.

Während die bisherigen, ja noch überschaubaren Exemplare dieser Gattung Film entweder darum wussten und sich darum auch bemühten, oder den Weg in Abnormität und Widersinn erst gar nicht gingen, oder einfach mit dem weiteren Schlag Kitsch und Klischee überdeckten, setzt man sich hier in die Größenordnung ganz unterschiedlicher Verzehrungen und Massenszenen inmitten in eine verschrobene Selbstdarstellung hinein. Auf der einen Seite die leisen, aber der anderen Seite die Machtworte, der Bombast der Effekte, auch besonders der Ausbruchs- und Panikszenen, in denen ein Einkaufszentrum geplündert, verwüstet, durcheinander gestoben und ohne Rücksicht auf den Menschen um sich herum um sein Leben gerannt und gestoßen wird. Vorher die Draufsicht auf eine panoramaartige Zerstörungsszenerie, in der durch Ausfall des Fahrers ein Linienbus führerlos eine mehrspurige Straßenkreuzung inmitten der Rush Hour durchbricht, Verkehrschaos befördert und eine bald lodernde Tankstelle zum Explodieren bringt. Überhaupt herrscht eine Weiträumige Illusion vor, ein vollkommen abgeriegeltes Stadt- und Hochhausgebiet, dass zur Quarantänezone erklärt und zu einer umzäunten Blockade, aber in den dort noch folgenden finalen Akten von Belagerung und Aufstand zu einem Widerspruch gegen die Wirklichkeit konzentriert wird.

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