Das vielleicht tiefgründigste Märchen von Hans Christian Andersen wurde bereits einige Male verfilmt und es waren durchaus ein paar ansehnliche Werke darunter. Was jedoch Regisseur Rene Perez daraus geschustert hat, erinnert kaum noch an die Vorlage, denn selbst als Horror-Fantasy versagt der Streifen auf ganzer Linie.
Mittelalter: Gerda verliert ihren Verlobten Kay an die böse Schneekönigin, die sich von der Liebe der Menschen ernährt. Gerda gibt jedoch nicht auf und versucht die böse Hexe zu finden. Gegenwart: Drei Forscher nehmen Proben im Schnee, als sie in der Sperrzone auf Col. Richard Wagner (!) treffen. Kurz darauf werden sie von den Lakaien der Schneekönigin heimgesucht...
Es ist einer dieser Filme, bei denen man bereits nach fünf Minuten keine Lust mehr auf den Rest hat, weil die ganze Verpackung rein gar nicht anspricht. Der Winterwald ist noch ganz nett anzusehen, doch der melodramatische und gleichermaßen minimalistisch instrumentierte
Score, der überhaupt nicht zum Inhalt passt, nervt zeitig und auch das Editing lässt deutlich zu wünschen übrig, denn innerhalb der ersten zehn Minuten latschen lediglich zwei Leute durch den Wald, ohne dass überhaupt ein nennenswertes Ereignis stattfinden würde.
Die Handlung steigt im Mittelalter ein und die billige Ritterrüstung aus dem Theaterfundus lässt bereits erahnen, wie es um die übrigen Effekte bestellt sein mag.
Die Lichteffekte um die Königin herum sind noch okay, jedoch die Masken der Monster (eine erinnert frappierend an Nemesis aus "Resident Evil") scheinen aus dem Halloween-Verleih zu stammen, während die Schneekönigin ein Hirschgeweih auf dem Haupt trägt, welches zuvor offenbar von einer Wand entnommen wurde, da der Holzklotz darunter noch zu sehen ist.
So wechseln sich Gegenwart und Vergangenheit ab und ein Erzählstrang ist dramaturgisch katastrophaler als der andere. Nahezu jede Figur bewegt sich ausdruckslos durch die Szenerie, ob Monster oder potentielles Opfer, ob Soldat oder Schneekönigin, welche zwar mit viel Hall spricht, jedoch nicht ihre Lippen bewegt. Logischerweise kommt dabei keine Spannung auf, denn wo keine Konfrontationen stattfinden und einem sämtliche Figuren egal sind, flacht das Interesse zusehends ab.
So ballern zwei Typen mit Schnellfeuerwaffen minutenlang gegeneinander ohne zu treffen, die Kulisse einer alten Burg ist fast schon passabel, zwei Frauen entblößen ihre Oberweite und am Ende muss der Colonel gegen Nemesis antreten, was erwartungsgemäß so spannend ist, wie "International Karate" auf dem C64 zu spielen. Das Schicksal der Titelgebenden bleibt indes weitgehend ungewiss, denn das Finale impliziert gleich mehrere Unzulänglichkeiten und Logikfehler, - doch wer bis zum Ende durchhält, sollte sich nicht noch zusätzlich mit unbeantworteten Fragen herumquälen und die Sache schlichtweg auf sich beruhen lassen.
Denn das ist der unsägliche Quark nicht wert, der eventuell einige Märchenfans und aufgrund des Covers auch einige Horrorfreunde anlocken könnte.
Sämtliche Mimen performen hölzern und unglaubwürdig, die minimalistische Ausstattung erinnert an eine Theateraufführung der käsigen Art und bei alledem tendiert der Unterhaltungswert gegen Null, - es sei denn, man sichtet den Streifen unter gleichgesinnten Trashfans und dichtet den Protagonisten doofe Dialoge an, was den miesen Gesamteindruck natürlich in keiner Weise verbessert.
Knapp
2 von 10