Weil der Herr Gemahl fremdbumst, dreht Mama durch und schneidet dem pubertären Sohnemann den Pillermann ab. Aua! Von Schuldgefühlen geplagt forscht Papa verzweifelt nach einer Methode, wie sein kastrierter Bub doch Orgasmen erleben kann. So lässt sich Papa logischerweise umgehend vom Fachmann den Schniepel amputieren und einfrieren. Da die Transplantation aber diverse Risiken birgt, entwickelt Papa eine Form der Masturbation, bei der man sich mit einem Stein am Arm rubbelt bis man vor Schmerz kommt. Der grobschlächtig beschnittene Sohnemann gerät derweil in die Kreise einer kleinkriminellen Jugendgang. Nachdem die Halbstarken gemeinsam eine junge Frau vergewaltigt haben, findet sich die Band im Kittchen wieder…
Kim Ki-duk – das Enfant Terrible des Südkoreanischen Kinos. Mit seinen lakonisch-pessimistischen Dramen FRÜHLING, SOMMER, HERBST, WINTER… UND FRÜHLING und SAMARIA hat sich der Filmemacher auch hierzulande einen Namen gemacht. Mit seinem neuesten Werk MOEBIUS festigt Ki-duk sein Grenzgänger- und Tabubrecher-Image, welches er mit SEOM – DIE INSEL und PIETA bereits angedeutet hat.
MOEBIUS verzichtet vollkommen auf Dialoge. Die einzigen menschlichen Äußerungen bestehen aus Klagelauten, Wimmern und Schreien. Ein überaus effektives Stilmittel, das den Fokus noch deutlicher auf die ausdruckstarken Bilder lenkt. Die Geschichte um Wahnsinn, Wollust und Entmannung erinnert in ihrer Eindringlichkeit und kammerspielhaften Beschränktheit an eine Altgriechische Tragödie. Natürlich bis auf die Kastrationen und Penistransplantationen. Wirklich unglaublich wie viele Penisse hier abgeschnitten und malträtiert werden. Ein Lümmel wird runter geschluckt, ein anderer vom Lastwagen überfahren. Daneben Asiatinnen mit Silikontitten. Im Kampf der Geschlechter wirkt die holde Weiblichkeit aber ebenso machtlos wie die männlichen Protagonisten. Zum Ausdruck kommt ferner Ki-duks verschrobene Art von Humor, wenn man diesen überhaupt noch als solchen bezeichnen kann. Der Sohnemann bekommt beispielsweise den Hanspeter der Herrn Papa angenäht. Dieser funktioniert aber nur, wenn Frau Mama Hand anlegt. Das Gezeigte ist mitunter so anstößig und moralisch unkorrekt, dass Mutter Beimer mit den Ohren schlackert. Auch ganz ulkig: die „Rubbel die Katz“-Onanieszenen. Ob das wirklich funktioniert, dass man zum Höhepunkt kommen kann, indem man sich ein Messer in Wichsbewegungen in die Schulter rammt?
Ki-duk lässt Begriffe wie „obszön“ und „sittlich verwerflich“ hinter sich und kreiert in cineastischer Hinsicht ein komplett neues Erleben von Perversion und Amoral. Das Ergebnis ist ähnlich verstörend wie Werke seiner japanischen Kollegen, siehe Sion Sonos STRANGE CIRCUS und Tsukamotos KOTOKO. Von Triers NYMPHOMANIAC kann dagegen echt einpacken.
Fazit:
Irrewitzig wenngleich genial pervers.