Das Wortspiel, welches sich aus den Begriffen Giraffe und Intifada zusammensetzt, bringt recht treffend auf den Punkt, worum es im Drama des Regiedebütanten Rani Massalha geht.
Der Nahostkonflikt im Westjordanland anno 2003, geschildert aus Sicht eines Zehnjährigen, der sich mit der Liebe zu zwei Giraffen im Zoo vom allgegenwärtigen Terror abzugrenzen versucht.
Ziad kümmert sich nach der Schule um das Giraffenpaar im Zoo von Kalkila, dem einzigen im Westjordanland. Yacine, sein Vater, ist Arzt und sorgt sich um Ziad, welcher soziale Kontakte zu Gleichaltrigen völlig ausklammert. Als eine Giraffe nach einem Bombenangriff getötet wird, muss rasch gehandelt werden, da das trächtige Weibchen zu verhungern droht.
Yacine und die französische Journalistin Laura fassen einen waghalsigen Plan: Sie besorgen sich schlichtweg ein neues Männchen, dafür müssen sie jedoch nach Tel Aviv...
Warum ausgerechnet Giraffen? Einerseits beruht die Geschichte auf Ereignissen um 2002, wonach tatsächlich eine Giraffe infolge eines Bombenagriffes getötet worden sein soll, andererseits vermag das Tier teils über die hohe Mauer zu schauen, die von Israels Seite errichtet wurde und die Aus- und Abgrenzung allgegenwärtig macht.
Quasi ein seltener Blick über den Tellerrand, ins feindliche Land, wo täglich Schikanen und raue Sitten herrschen.
Die Ereignisse werden aus der Sicht des Zehnjährigen geschildert, der wenig vom Terror mitbekommt, noch weniger von den blutigen Bombenangriffen. Oft füttert er die Tiere, gärtnert nebenan oder assistiert seinem Vater, was auf Dauer ein wenig behäbig und schon gar nicht spannend anmutet. Lange Zeit mangelt es an Dynamik, obgleich Themen wie Korruption, Vorurteile und Fremdenhass deutlich mehr Aufmerksamkeit hätten vertragen können.
Über weite Teile kommt die Erzählung wie eine Momentaufnahme daher, welche keine wirkliche Geschichte erzählt, was nicht zuletzt an den vielen Nahaufnahmen und unnützen Totalen liegt: Die Kulissen wirken halbwegs authentisch, doch die eigentliche Story wird erst im letzten Drittel ein wenig vorangetrieben, als das Trio in Israel aktiv wird.
Hier punkten in erster Linie die Aufnahmen mit der Giraffe, welche mithilfe des Green-Scrren-Verfahrens durch die Straßen von Kalkila wandert. Die wenigen Effekte sind gekonnt umgesetzt und auch die letzten Minuten vermögen aufgrund der unumgänglichen Pointe zu überzeugen.
Zwar mangelt es insgesamt an erinnerungswürdigen Momenten und auch darstellerisch sind deutliche Abstriche zu machen, die Grundstimmung zwischen Ohnmacht und vager Hoffnung lässt das Treiben jedoch über weite Teile nachvollziehbar erscheinen.
Nichts Mitreißendes, nichts was in die Tiefe geht, für das eher jüngere Publikum allerdings okay, sofern genügend Hintergrundwissen vorhanden ist.
6 von 10