Island. Karge Natur. Ein Bauernhof mitten im Nirgendwo. Der Teenager Baldur ist ein Metalhead mit Leib und Seele. Bei einem tragischen Unfall auf dem Feld kommt der Junge ums Leben. Seine jüngere Schwester Hera, noch viel zu jung um das Erlebnis zu verarbeiten, schlüpft, um den Verlust zu verarbeiten, in die Rolle des großen Bruders. Jahre später ist Hera zu einer rebellischen, lebensverneinenden, die Normen und Regeln des isländischen Dorfes ablehnenden jungen Frau herangewachsen. Die Eltern sind verzweifelt. Doch je mehr sich Hera in ihren Welthass verrennt, desto ernster werden ihre Probleme…
METALHEAD ist ein isländisches Drama mit dezenten humoristischen Anwandlungen. Keine wirkliche Tragikomödie, aber auch keine niederschmetternd pessimistische Tragödie. Der Film ist wie eine Zeitreise in die späten 80er-frühen 90er, wo Metal noch extrem angesagt war. Heras Zimmer zieren Poster von Motorhead, Led Zeppelin , Judas Priest und Iron Maiden. Ich hab‘ sogar ein Sepultura-Poster gesichtet, das vor über 15 Jahren in der “Kerrang!” oder dem „Metal Hammer“ war und auch an meiner Wand hing. Dass die Nordlichter härterer Gitarrenmusik sehr zugetan sind, weiß man spätestens seit der atemberaubenden Dokumentation UNTIL THE LIGHT TAKES US über die Norwegische Black-Metal-Szene um die Bands Mayhem und Burzum. Und auch hier ist Metal Lebenseinstellung und Ausdruck von Protest. So wie Punk, nur mit fettigeren Haaren und brachialerem Sound. Heras trister Alltag besteht aus Gitarre spielen, Musik hören und Kühe melken. Ihr stiller Protest nimmt immer gewaltigere Ausmaße an. Was mit freigelassenen Rindern beginnt, endet mit einer brennenden Kirche. Der Dorfpfarrer versucht durch Heras Schleier aus dunkler Weltsicht durchzudringen und schafft dies auch, als er seinen Ärmel hochkrempelt und ein „Eddie“-Tattoo (Maskottchen von Iron Maiden) freilegt. Seitdem ist Hera hin und weg, verliebt sich sogar in den Pfaffen. Als er sie zurückweißt, nimmt die Katastrophe ihren Lauf.
Der Streifen thematisiert jugendliche Verlorenheit, Langweile und wie schwer man es als Andersartiger in einer kleinen Gemeinde hat. All dies wird relativ authentisch geschildert. Allein das Finale fällt etwas schnulzig, vielleicht sogar zu harmonisch aus. Echte Metaler werden sich auf den Schlips getreten fühlen, wenn am Schluss die Eltern mitmoschen. Dennoch ist METALHEAD eine wahre Entdeckung und mindestens so geil wie die Heavy-Metal-Tragikomödie HESHER mit Natalie Portman und Joseph Gordon-Levitt als rebellischer Headbanger. Der Film lief auf dem FFF 2014 als Außenseiter und Noname und avancierte schnell zum Publikumsliebling.
Skalpierung durch Mähdrescher: (+)(+)(-)(-)(-)
Attitude: (+)(+)(+)(+)(-)
Priester mit Iron-Maiden-Tattoo: (+)(+)(+)(+)(+)
„Rob Halford Is A God. A Metal God.”
Fazit:
“Rebel Without A Cause” mit erhobener Metalfaust. Keep On Banging!