Ein finales Urteil zu diesem Werk zu finden ist gar nicht so einfach.
Festhalten möchte ich aber schon einmal, dass der Film sehr viel weniger ausgefallen oder besonders ist als man je nach Standunkt vielleicht erwartet, erhofft oder gar befürchtet hat.
WIr haben es hier in erster Linie um eine Kombination aus einem Drama und einem Coming Age Film zu tun- mit einigen Anklängen im Metal und über einige Andeutungen hat der Film sogar Stränge ins religiös-mythische. Grundsätzlich geht es aber darum, dass die Familie den Tod von Sohn/Bruder Baldur erleidet und ihn lang und zäh aufarbeiten muss -jeder für sich.
Die Mutter macht es lange über Reliquienverehrung des Sohnes bis sie erkennt, dass sie sich damit ein eigenes Mausoleum schafft.
Der Vater frisst in sich hinein und trinkt auch hier und da bis auch er einsieht, dass er sich öffnen muss.
Hera kommt am wenisgten damit klar, widmet sich dem Alkohol, Sex und der Einsamkeit. Sie übernimmt das Metal-Erbe des Bruders und versucht über die Musik zu verarbeiten, was ihr aber auch erst sehr spät gelingt. Zwischenzeitig liebäugelt sie mit dem Black Metal und erklärt wie einige von dessen Führern der Kirche den Krieg (wenngleich nicht aus politischen Gründen sondenr aus Frustration über eine nicht zustande gekommen Affäre mit dem Pfarrer, die der Auslöser ist). Das finale Lied, das sie singen darf hat dann trotz seiner Schönheit und Traurigkeit (hier wird der Tod des Bruders verarbeitet und wie es in den rauen Ländern des Nordens nicht unüblich ist auch in Bezug gesetzt zu Eis, Kälte Schnee und Landschaft) nichts mit Black Metal zu tun. Ob sie wirklich Sängerin wird und sich wieder mehr dem Black Metal (der ihr Respekt einiger Gleichgesinnter einbrachte)) widmen wird bleibt nur angedeutet. Fest steht für Sie aber, dass SIe anders leben will als ihre Eltern: Weder soll der langweilige, solide und liebenswerte Jugendfreud, der so gerne nach dem wenig ambitionierten Sex von Zuchtfohlen erzählt ihr Ehemann werden noch will Sie in der traditionellen Berufen ihrer Stadt arbeiten, umgekehrt will sie aber für den Neubau der Kirche, die sie angezündet hat micht haften. Wie viel sie doch noch eingeholt werden wird vom sog. Spießertum bleibt offen.
Der Film endet mit einer schönen Szene in der die drei verbliebenen Familienmitglieder kurz vor Heras Abfahrt im ehemaligen Zimmer des Bruders zu Metal ausgelassen "tanzen" während die Sonne aufgeht und lebensbejaend und voller Hoffnung ins Zimmer scheint - die Sonne auch als Zeichen des germanischen Sonnengottes Balder, nachdem der Bruder benannt war (und der ebenfalls starb).
Gelungene Szenen wie die Schlussszenen (Verarbeitung) machen den Film aus. Vieles geht jedoch nicht in die Tiefe. Wir sehen Hera nicht wirklich aufwachsen, wissen insgesamt eher wenig über sie (Schule, Bildung) - cer Fokus zeigt sich verengt. Meines Erachtens wird der Film auch etwas falsch vermarktet. Ich hätte mit allem was ich im Vorfeld über dne Film mitbeommen habe mit einem größeren Schwerpunkt auf der Musik gerechnet statt mit dem ausufernden Drama-Komplex und dem eher wenig gelungen Coming Age Teil (Heras wirkliche Einstellung zu Liebe, Sex und allgemein dem Zwischenmenschlichen können wir nur teilweise aus dem gezeigten ableiten. Hier werden dem Zuschauer ungare Brocken vor die Füße geworfen).
Und so bleibt bei mir - obwohl ich den Film nicht schlecht finde - ein sehr gemischter Eindruck. Letztlich ist vieles an dem Film banaler als es hätte sein sollen. Eine ordentliche Arbeit, aber trotz guter Ansätze weit weg von einem Meisterwerk. Wegen der gelungenen Doku "Until the Light take us" die die wirlichen Größen der zweiten Welle des BM zeigt ist das verbreitete 3 Disk Set des Films widerum sehr zu empfehlen.
Metalhead bekommt von mir 5,5 Punte, die man mit Fanbrille auf überdurchschnittliche 6 Punkte aufrunden kann.