*** SPOILERWARNUNG ***
Nach dem Tod des jugendlichen Baldur bei einem Unfall leiden nicht nur dessen Eltern, auch für seine Schwester Hera ist dies ein folgenreiches Ereignis. Baldurs Musik- und Kleidungsstil übernehmend, ist ab nun schwarz angesagt und es werden des Bruders Metalalben gehört. Und rebelliert.
Trauerbewältigung lässt sich nicht verallgemeinern. Obwohl der Fokus auf Hera liegt, erfährt man auch immer wieder mehr über ihre Eltern und ihren Umgang mit dem Verlust, den sie auch nach all diesen Jahren noch spüren. Der Film macht einen Zeitsprung von neun Jahren, in denen die Trauer viel Zeit hatte, die Betroffenen zu zermürben. Hera ist allerdings in ihrer eigenen Spirale gefangen und nimmt das in ihren Eltern lange Zeit kaum wahr bzw. wird von ihrer eigenen Verarbeitung getrieben. Ihre Ablehnung und Rebellion brechen spät auf und hier macht der Film dann einen Schlenker, dem ich zuerst nicht über den Weg traute. Aber spätestens hier beginnt die Wandlung Heras, deren vorige Phasen dieses Wachstum kaum erahnen ließen. Denn alles davor ist das vom Drama vorgegeben (bisschen) auf und (mehr) ab, um die Figur weiter zu treiben.
Geschrieben und inszeniert von Ragnar Bragason ist „Metalhead“ eine Mischung aus Coming-of-Age und Bewältigungsdrama, indem Hera die gewählte Musik als Katalysator und Stütze versteht. Irgendwo muss die Wut ja hin, begreift sie den Verlust auch als Ungerechtigkeit und irgendwo braucht all dies ein Ventil. Dies gepaart mit jugendlichem Rebellentum, wobei nach Filmrechnung Hera Anfang Zwanzig ist, führt sie auf dem Weg zur Akzeptanz. Und die geht hier über den Tod des Bruders hinaus auf eine gesellschaftliche Ebene. Das war mir dann gegen Ende schon fast zu viel des Guten. Denn die Entwicklung dahin scheint dann eher im Verborgenen stattgefunden zu haben. Letztlich brauchte es diesen einen Moment.
Darstellerisch ist das alles sehenswert, insbesondere Thora Bjorg Helga als Hera wirkt, wie auch der Rest, ungekünstelt. Wer ob des corpse paint auf der Hülle viel Black Metal erwartet, dürfte leicht enttäuscht werden. Wobei immerhin ein bisschen schon zu hören ist, es hätte aber gerne mehr sein dürfen. Zwar der Thematik entsprechend selten, aber etwas Humor hat man dem Film auch gegönnt.
„Metalhead“ ist die Verarbeitung eines Verlusts, die Musik als Realitätsflucht und Halt nimmt. Heras Entwicklung ist da aber nicht immer auf nachvollziehbaren Wegen bebildert und das Ende war mir dann zu schnell zu versöhnlich. Trotzdem ein interessanter Beitrag mit manch gutem Song mit authentisch aufspielendem Ensemble.