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Früher oder später wird im Bereich des gefundenen Materials von Handkamera alles abgedeckt sein, denn nach Spukhäusern, vermeintlichen Feuerwehrübungen und urplötzlichen Weltuntergangsszenarien geht es mit der Independentproduktion zweier junger Kanadier in Richtung Vampire. Und da gibt es fast schon mehr Action denn Horror zu verzeichnen.

Derek (Derek Lee) und Clif (Clif Prowse) wollen genau ein Jahr die Welt bereisen und dieses per Handkamera dokumentieren. Doch in Paris angekommen, findet Clif seinen Kumpel eines Tages mit blutigen Wunden auf dem Bett liegend und mit Erinnerungslücken behaftet.
Wenig später entdeckt Derek zwei phänomenale Eigenschaften an sich: Übermenschliche Stärke und Schnelligkeit. Clif wittert indes, dass Derek zum Vampir mutieren könnte, was das gemeinsame Reisen für ihn zu einer lebensgefährlichen Situation werden lässt...

Die beiden Männer werden recht sympathisch eingeführt, denn beide haben ihre kleinen Macken, sind jedoch (trotz eigentlich schwerer Erkrankung des einen) auffallend lebensfroh und unternehmungslustig und ab und an zu wilden Scherzen aufgelegt, was zwischenzeitlich ein wenig an "Jackass" erinnert. Per Zufall entdeckt Derek seine Superkräfte, als er mehr im Affekt die Zwischenwand des Hotelzimmers heraus bricht und von da an experimentiert.
Die skurrilen Momentaufnahmen gehören zu den eher heiteren Szenen, bevor die Geschichte einen eher dramatischen und vor allem ernsten Ton einschlägt.

Es mehren sich deutliche Anzeichen von Vampirismus, wobei hier einige Klischees bemüht werden und so manche Entwicklungsphase deutlich erahnbar ist. Dennoch bleibt das Verhältnis der beiden Freunde spannend zu beobachten, da mit der Mutation auch körperliche Probleme einhergehen und der Drang nach frischem Blut eher das geringere Übel darstellt.

Was den Verlauf demgegenüber unterhaltsam gestaltet, ist die eingeschränkte Sicht der Dinge, da man nie mehr weiß als die Protagonisten und auch entsprechend deren Blickwinkel einnimmt, da die Kamera zwischenzeitlich fest am Körper angebracht ist, was bei etwaigen Kletteraktionen auf Balkone oder Dachabschnitte ordentlich Drive ins Spiel bringt.
Aufgrund einiger halbnächtlicher Aktionen lässt sich diesbezüglich zwar leicht tricksen, doch die wenigen Effekte sind sehr sauber in Szene gesetzt sind und auch das halbe Dutzend Blutszenen vermag zu überzeugen.

Soweit die Chose authentisch zu transportieren ist, liefern Lee und Prowse solide Leistungen ab und auch die Botschaften direkt in die Kamera verfehlen ihre zuweilen nachdenklich stimmende Wirkung nicht. Die Schauplätze hätten zwar ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient, da Paris komplett austauschbar daherkommt und es nur wenige gelungene Impressionen von Italien gibt, doch dafür entschädigen einige nächtliche Kulissen, als es in entlegene Winkel, Bruchbuden und kleinere Verstecke geht.

Der Endkampf, - das mag als kleiner Querverweis gedacht sein, setzt ausgerechnet 28 Tage später ein, deutliche Parallelen zu "REC" sind ebenfalls auszumachen und auch "Hostel" lässt am Rande ein wenig grüßen.
Der Kern der Geschichte birgt zwar nur wenige Innovationen und das Vampirgenre wird durch die Handkamera auch nicht revolutioniert, doch das Endergebnis kann sich durchaus sehen lassen, denn da haben zwei junge Filmemacher mit etwas Herzblut und einigen guten Einfällen einen recht kurzweiligen Beitrag auf die Beine gestellt, der bei Freunden von Handkameraaction alles andere als Kopfschmerzen und Augenleiden hinterlassen dürfte.
6,5 von 10

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