Da liefert man den Rumänen einmal mehr ein paar Gründe zum Schimpfen, denn neben dem Klischee der Blutsaugerheimat gesellt sich nun auch noch das Vorurteil unsauberer Krankenhäuser hinzu. Der Schweizer Regisseur und Co-Autor Olivier Beguin, der sein Langfilmdebüt per Crowdfunding umsetzten konnte, weist durchaus handwerkliches Geschick auf, doch das unausgegorene Drehbuch lässt seinen Vampirfilm zuweilen etwas dröge erscheinen.
Alex (Yannick Rosset) verbringt die Winterferien mit seiner Freundin Livia (Jasna Kohoutova) in ihrer Heimat in Rumänien, als er nach dem Genuss von etwas zuviel Alkohol vom Auto angefahren wird und daraufhin eine Bluttransfusion benötigt. Wieder zurück in der Schweiz nimmt Alex Veränderungen an sich wahr, was Livia auf die hypochondrische Ader des Künstlers zurückführt. Als Alex jedoch Sonnenlicht meidet und einen signifikanten Blutdurst entwickelt, ändert sich die Situation entscheidend...
Der etwas holprige Einstieg mit kleinen Zeitsprüngen ist nicht sonderlich günstig gewählt, denn darunter leiden die zu schwachen Figurenzeichnungen und nicht zuletzt die Geschichte an sich, welche relativ viel Zeit benötigt, um auf den Punkt zu kommen.
Erst als Alex daheim an sich Veränderungen festzustellen glaubt, wird so langsam das Interesse des Betrachters geweckt, zumal diverse Blicke in den Spiegel mit veränderten Augen und offenbar länger gewordenen Eckzähnen solide Spezialeffekte einfließen lassen.
Dennoch wird über weite Teile mehr Beziehungsdrama und Liebesgeschichte präsentiert, so dass die Geschichte phasenweise ein wenig vor sich hin plätschert. Eine entsprechende Softsexszene ist zwar ästhetisch in Szene gesetzt, doch diverse Besuche seiner Mutter interessieren rein gar nicht und wirken sich auch nicht auf die folgende Handlung aus, während etwaige Actionszenen nur im letzten Drittel vorzufinden sind.
Zum Finale versucht Beguin, es der breiten Publikumsmasse Recht zu machen, doch den körperlichen Auseinandersetzungen mangelt es neben einer schwachen Choreo an Drive, jedoch nicht an blutigen Einlagen.
Denn diese kommen weitgehend ohne CGI aus. Die teils expliziten Gewalteinlagen beinhalten diverse Halsbisse, eine frei gelegte Wirbelsäule, eine tiefe Fleischwunde, ein eingeschlagenes Gesicht, eingedrückte Augäpfel, diverse Risswunden und einen Gastauftritt von Regisseur Ruggero Deodato ("Cannibal Holocaust") als Fleischer.
Splatterfreunde bekommen insgesamt nicht viel, aber dafür ordentlich inszeniertes Futter serviert.
Auf handwerklicher Ebene stechen primär die saubere Kamera, der ordentliche Schnitt, aber auch die treffend gewählten, düsteren Kulissen positiv hervor. Einige Momentaufnahmen zeugen vom guten Gespür des Regisseurs in Sachen Farbgebung, Score und Blickwinkel, doch dem Gesamtpaket fehlt insgesamt (man sollte diese Floskel wirklich nicht mehr verwenden) der Biss.
Obgleich gute (Rosset) bis sehr gute (Kohoutova) darstellerische Leistungen dargeboten werden und einige atmosphärische Momente auf der Habenseite zu verbuchen sind, nehmen unnötige oder sich wiederholende Vorgänge immer wieder Drive heraus.
Passable Grundidee, inszenatorisch solide Ansätze, unterm Strich jedoch nur leidlich unterhaltsam und eher Vampirfilmfreunden zu empfehlen, welche die ruhige Gangart bevorzugen.
5,5 von 10