Ein halbes dutzend junger Leute möchte einen Teaser für ein neues Reality-TV-Format über paranormale Erscheinungen drehen und begibt sich dazu per Bus zu einem stillgelegten Krankenhaus in L.A. Geplant sind einige gruselige Szenen in der Nacht, doch der Hausmeister dort weiß von nichts, weswegen die 6 erst einmal wieder in ihren Bus verschwinden. Dort diskutieren sie und beschließen dann, ihr Vorhaben ohne Genehmigung durchzuziehen.
Kurz darauf sind die 3 Damen und 3 Herren um die Dreißig dann mit Equipment im Keller des Krankenhauses, wo es entsprechend aussieht: leere Räume mit ein wenig Sperrmüll, von den Wänden abblätternde Farbe und jede Menge Rohrleitungen, von denen sich schon die Isolierung löst - ein wahrlich gruseliger Ort. Oder auch nicht, denn allzuviel kann man von dem Ambiente nicht erkennen, da die an mehreren Stellen verteilten Kameras ihre unscharf-pixeligen Bilder entweder im Nachtsicht-Grün oder im Infrarot-Violett liefern. Dafür sind die frechen Eindringlinge umso überzeugter, einer Sensation auf der Spur zu sein. Zumindest tun sie so, besonders ihr Anführer, der pausenlos davon quasselt, wie spannend das alles wäre. Hatte ihnen der Hausmeister am Nachmittag nicht von 3 verbrannten Insassen erzählt? Und dann standen sie vor dem rostigen Aschenkasten der Zentralfeuerung und machten sich fast in die Hose vor Spannung. Jetzt aber ist alles noch viel aufregender! In einem Raum entdecken sie eine Pfütze am Boden (schockierend!), in einem anderen befindet sich Graffiti an den Wänden und irgendwo ist eine Glasscheibe zerbrochen - was mag hier wohl passiert sein? Als wäre dies nicht schon unheimlich genug, verschwindet plötzlich eine von ihnen...
Die US-Produktion The Crying Dead bewegt sich in der untersten Kategorie des Found Footage-Genres: ohne erkennbares Drehbuch reiht der Streifen wackelige Sequenzen meist irgendwelcher Querperspektiven mit abgeschnittenen Köpfen aneinander, die ab dem nächtlichen Besuch im Spital dann auch noch grün- oder violettstichig werden und kaum mehr Details offerieren - der reinste Augenkrebs! Nacheinander verschwinden Leute des Teams, wobei dies mit den allerbilligsten Effekten vonstatten geht, wie plötzlich aus dem Bild gezogen werden oder in Stop-Motion-Technik von einer Wand zur anderen geschleudert zu werden.
Das Desinteresse am kaum vorhandenen Plot potenziert sich mit beinahe jeder Filmminute, wozu auch die völlig beliebigen Darsteller beitragen, deren sensationslüsternes Gequatsche und erkennbar geheuchelte Ergriffenheit man schon bald nicht mehr hören und sehen will. Nirgendwo ist eine Wendung zu erkennen, die man nicht im Halbschlaf schon vorhersehen könnte, dennoch vergehen die 77 Filmminuten nur quälend langsam.
Den vielfach geäußerten Wunsch, für besonders schlechte Filme eine 0-Wertung vergeben zu können, würde ich gerne erweitern mit einer Negativ-Skala von -1 bis -10 - The Crying Dead bekäme hier eine -7. Nicht einmal aus dem bereits tausendfach ausgelutschten Spukhaus-Sujet vermag dieser lieblose, uninspirierte Zusammenschnitt miserabel ausgeleuchteter Wackel-Sequenzen etwas herauszuholen - eigentlich eine Frechheit, daß diese No-Budget-Produktion überhaupt als "Film" vermarktet wird.