*** Enthält leichte Spoiler ***
Nachdem "Hostel" die Terrorwelle losgetreten hatte, dauerte es nicht lange, bis Trittbrettfahrer aus der ganzen Welt auf diese Schiene aufgesprungen sind. Aus Down Under hatten wir mit "Wolf Creek", so wie ich es noch in Erinnerung habe, einen höchstens mittelmäßigen Vertreter dieses Genres zu tun. Die einen fanden ihn groovy, während manch anderer das Teil als zu langweilig und ausgelutscht bezeichnete. Dementsprechend verhalten waren die Einspielergebnisse und knapp ein Jahrzehnt später hat man es lediglich einem privaten Gönner zu verdanken, dass dieses Projekt "Wolf Creek" Teil 2 überhaupt zustande gekommen ist. Ob man aus den Fehlern aus dem Jahr 2005 gelernt hat ?
Die beiden deutschen Rucksacktouristen Katarina (Shannon Ashlyn) und Rutger (Phillipe Klaus) unternehmen mit wenig Geld einen mehrwöchigen Ausflug ins australische Outback, um den Meteoritenkrater namens „Wolf Creek Crater“ zu besichtigen. Mitten in der Nacht werden die beiden von Mick Taylor (John Jarratt) unsanft in ihrem Zelt geweckt, der den beiden versichert, dass das Camping dort verboten sei. Er bietet ihnen Hilfe an - doch dies ist nur ein Vorwand, um beide zu jagen und abzuschlachten. Auch Paul (Ryan Corr) gerät eher zufällig in diese Situation, als Katarina ihm auf der Flucht vor das Auto springt. Durch seine Hilfeleistung wird auch er zum Zielobjekt des Serienkillers Mick ...
Wenn man jetzt den ersten "Wolf Creek" nicht mehr wirklich in Erinnerung hat, verdient sich Mick Taylor erst einmal einen Haufen Sympathiepunkte in einem Intro, dass sich bestens für die Copacabana oder Acht Cola Acht Bier-Werbung geeignet hätte. Zwei schmierige, ätzende Kotzbrocken von Polizisten halten ihn aus Langeweile bei einer Geschwindigkeitskontrolle an. Man vergisst schnell, dass wir es mit einem Psychopathen der ersten Klasse zu tun haben und die Erwartungen werden mit den ersten Aktionen und Reaktionen nicht erfüllt. Äußerst kooperativ verhält sich Taylor und zeigt auch fleißig seinen Führerschein. Erst bei dem Kopfschuss wird klar: Ah, das ist doch der alte Schlachter vom Dienst und zweitens: Dieser Film wird verdammt viel Probleme mit der FSK bekommen - denn Regisseur Greg Mclean schert sich einen Dreck um Einspielergebnisse und serviert uns äußerst deftige, wenn auch wenig vorhandene Splatterszenen, die es in sich haben. Wenn bei einem Headshot der halbe Schädel an der Scheibe hängt, der Rest nur vom Torso festgehalten wird und minutenlang draufgehalten wird, wissen wir, dass man hier auf jede Freigabe einen Haufen legt. Gut so. Spätestens in der Szene, in der der Kadaver eines Touristen komplett zerlegt wird, werden sich einige den Magen krümmen.
Und obwohl unsere Aufsichtsmafia uns mal wieder um zwei Minuten bevormundet, merkt man als psychisch stabiler Mensch, dass sich der Film selbst nicht so ernst nimmt. Klar, wir haben es hier mit einem Road-Movie zu tun, der nicht selten an Klassiker wie Stephen Kings "Duell", "Hitcher - Der Highwaykiller" oder auch "Mad Max" erinnert (dank der ganzen Verfolgungsszenen), aber spätestens, wenn dutzende von Kängurus platt gefahren werden, blutet mir als Tierfreund zwar das Herz (in den Kannibalen-Filmen der 80er würde man jetzt abkotzen und sagen: Ja, aber die Filmcrew hat die Tiere aus den Snuff-Szenen gegessen), auf der anderen Seite muss ich mich totlachen, wenn ohne Sinn und Verstand diese armen gebeutelten Beuteltiere plattgefahren werden.
Zudem wirkt Mick Taylor, von seinen Onelinern her gesehen, wie ein Arnold Schwarzenegger der zweiten Klasse. Irgendwie wollen sie nicht passen und wirken oft daneben, aber auch hier merkt man dem Film die fehlende Ernsthaftigkeit an. Die Oneliner passen ungefähr so wie zu Freddy Krueger im dritten Teil, als das Kultnarbengesicht auf einmal etwas zynischer wurde und dennoch die Wortspielereien gewöhnungsbedürftig waren.
Aber bevor jetzt noch jemand denkt, dass ich hier eine seichte Komödie bespreche, will ich sagen, dass "Wolf Creek 2" natürlich ein waschechter Horrorfilm ist, der deutlich härter wie sein Vorgänger daherkommt und lediglich durch solche Passagen und Sprüche aufgelockert wird.
Unsere ersten Helden sind dann auch noch deutsche (!) Rucksacktouristen, die dennoch von australischen Schauspielern verkörpert werden (Til Schweiger, das wäre Deine Chance gewesen mal wieder in einem guten Film mitzuwirken) und im O-Ton dementsprechend holprig wirken sollen (hab ich mir sagen lassen, ich bin ja nicht so der O-Ton-Freak). Da wir nicht in den Great USA sind, müssen sich zumindest die Zuschauer aus Australien mit Untertiteln durchschlagen, wenn sie hören wollen, was wir Sauerkrauts denn so in ihrer Steppe zu bequatschen haben.
Aber Moment mal, ein ausländisches Pärchen, das nicht einmal synchronisiert wurde? Da wir nicht beim Arthouse sind, dürfte relativ schnell das Gefühl aufkommen, dass die beiden keine große Rolle spielen. So ist es dann eben Paul, der zwar auch aus England nach Down Under übergesiedelt ist, aber immerhin der Sprache mächtig ist.
Während man also schon vorausahnen kann, dass das deutsche Touristenpaar den Abspann wohl nicht erleben wird, gibt es im ersten Drittel trotz expliziter Schauwerte reichlich Leerlauf, da das Mitfühldingsbummens sich dementsprechend in Grenzen hält.
Erst mit Paul, der wie aus dem Nichts auftaucht, findet man als Zuschauer einen Sympathieträger, wobei mit seiner ersten Screentime natürlich auch nicht ganz klar ist, ob er nur zufällig Kanonenfutter für eine weitere blutige Schnetzelszene ist, oder doch eine wichtige Rolle spielt. Und siehe da: Es entwickelt sich das Duell Paul vs. Mick Taylor. Diese ganzen Tempo- und Szenenwechsel sind dennoch flüssig und gehen harmonisch über, ohne dass ich das große Herzstolpern bekomme. Viele Protagonisten werden wir nicht mehr sehen, da es fast wirklich nur noch ausschließlich Mann gegen Mann geht. Eine Sache, die mir dabei wirklich auf den Hodensack geht, ist, dass Paul sich desöfteren einen Vorsprung von mehreren Kilometern verschafft und dennoch von dem Psychopathen wieder gefunden wird. Das ist komplett realitätsfremd und dient lediglich dazu, dass kein großer Leerlauf entsteht. Dennoch hätte man dieses Szenario besser umschreiben sollen bzw. kaschieren können, als es Mclean getan hat.
Das letzte Drittel hat dann auch wieder einen heftigen Umschwung zu bieten: Vom dreckigen, blutigen Roadmovie geht es ab in Richtung Folterkeller, der zwar wieder teilweise auf der "Hostel"-Schiene mitfährt aber dennoch etwas crazy dank Gesangseinlagen und erweitertem Allgemeinwissen von Paul ausfällt. Atmosphärisch kann man da nicht viel beklagen, denn hier wird erst das wahre Ausmaß klar, wie viele Leichen (wortwörtlich) Taylor im Keller versteckt hat.
Mit einem überraschenden aber dennoch nicht herausragenden Ende verabschiedet sich der Film dann, bei dem ich zu jeder Zeit das Gefühl hatte mit etwas Abstrichen unterhalten zu werden. Auf brutale sowie auch lustige Art und Weise.
Wer meint, dass dieser Film nur ein lauwarmer Aufguss des Erstlings ist, wird überrascht werden. Man kann sich streiten, ob die wackligen Oneliner dem Outbackkiller gut getan haben, man kann sich darüber streiten, ob es richtig war, zwei "Ausländer" inklusive Untertitel ins Verderben zu schicken, was dementsprechend für einen kurzen Spannungsabfall und auch verschwendete Spielzeit sorgt. Wenn man jedoch über diverse Logiklücken hinwegsehen kann, die in solchen Filmen immer auftreten, bekommt man mit "Wolf Creek 2" definitiv einen besseren Film des Slasher-Genres zu tun und seinen Vorgänger schlägt er auch.
7/10