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Acht Jahre nach seinem so harten wie originellen Slasherfilm „Wolf Creek“ machte sich der australische Regisseur Greg McLean an eine Fortsetzung. Und so schickt er den Outback-Hinterwäldler Mick Taylor (John Jarratt) ein weiteres Mal auf die Jagd nach nichtsahnenden Touristen, um sie grausam zu foltern, zu quälen und zu ermorden.

Wie bei Horror-Fortsetzungen üblich, wird hier alles eine Nummer größer gedacht. Das bedeutet in diesem Fall: ein wesentlich höherer Bodycount, krassere Folter- und Gore-Szenen und viel mehr Screentime für das menschliche Monster Mick. Den Fokus auf den sadistischen Mörder zu legen, ist durchaus folgerichtig, war er doch unter Genre-Fans so beliebt, dass er mitunter als Crocodile Dundee des Slasherfilms bezeichnet wurde. Und doch geht dadurch dramaturgisch einiges im Vergleich zum Vorgänger verloren.

Der größte Unterschied ist das völlige Fehlen an menschlichen, emotionalen Hintergründen für die Agierenden. Nicht nur, dass sich ein Backpacker-Pärchen, das anfangs gezeigt wird, erstaunlicherweise nicht als zentrale Figuren erweist, nein, der dann tatsächlich im Mittelpunkt stehende britische Tourist, der gegen den gnadenlosen Killer antreten muss, erhält gerade einmal einen Anruf seiner Geliebten, den er wegen fehlenden Empfangs nicht einmal richtig annehmen kann – und das war es dann an Background. Keine Charakterzeichnung (außer, dass er sich an entscheidender Stelle als historisch überaus gebildet erweist, was aber aufgrund jeglichen Fehlens persönlicher Merkmale zuvor irgendwie willkürlich daherkommt), keine Möglichkeit für die Zuschauenden, sich übermäßig mit ihm zu identifizieren. Wo sich der erste Teil eine geschlagene dreiviertel Stunde Zeit genommen hatte, um die zentralen Figuren als Menschen zu porträtieren, bevor er sie dann umso grausamer in die Hölle schickte, glänzt die Fortsetzung durch das völlige Fehlen jeglicher Figurenzeichnung. Vor lauter Grausamkeiten und Gore-Effekten vergisst „Wolf Creek 2“ komplett die Stärken des Vorgängers.

Auch andere Details können immer wieder irritieren und trüben so ein wenig den heftigen Horror-Spaß. So gibt es mehrmals überaus unglaubwürdige Details – dass etwa die Kugel eines Scharfschützengewehrs einem Cop den ganzen Schädel wegfetzt – unnötig detailliert ausgestellte Abartigkeiten – vor allem die Szene, in der ein riesiger Truck mehrere Kängurus plattmacht, wirkt mehr als deplatziert und unnötig – und dramaturgisch eher platte und vorhersehbare Entwicklungen. So tauchen hier viele Nebenfiguren auf, um innerhalb kürzester Zeit ausradiert zu werden, und das Duell zwischen dem britischen Touristen und dem Touri-Jäger zieht sich gegen Ende ganz schön in die Länge, bevor es in einem unterirdischen Tunnel noch einmal zu allerhand abartigen Entdeckungen kommt. Insgesamt kann „Wolf Creek 2“ sowohl inhaltlich als auch erzählerisch nicht mit dem starken Vorgänger mithalten.

Trotzdem kann er für Genre-Fans einen Blick wert sein. Vor allem im Anfangsteil begeistert er immer wieder mit beeindruckenden Bildern des australischen Outbacks, spielt auch mitunter gekonnt mit der Angst vor dem urplötzlichen Hereinbrechen des Bösen in ganz gewöhnlichen Urlaubs-Alltag und überrascht auch mal mit der einen oder anderen heftigen Gore-Szene (vor allem das Zerteilen eines Opfers wird überaus plastisch dargeboten). Auch fallen die Gewaltideen und -effekte bis auf wenige Ausnahmen sehr überzeugend und drastisch aus, sodass hartgesottene Splatter-Fans definitiv auf ihre Kosten kommen. Und der minimalistische Score, die stets ruhig und distanziert agierende Kamera sowie das ausgefeilte Set-Design erzeugen mit der Zeit eine beklemmende Atmosphäre, die die gefühlte Ausweglosigkeit der Situation gekonnt unterstreicht.

Wären da etwas weniger Klischees, mehr Figurencharakterisierung und besonders gegen Ende nicht so viele und lange Durchhänger, hätte „Wolf Creek 2“ seinem Vorgänger durchaus zur Ehre gereichen können. So lässt er dramaturgisch einiges der Konsequenz des ersten Teils vermissen und hat mit typischen Genre-Schwächen zu kämpfen. Für alle, die auf harten Splatter-Horror stehen, ist er dennoch bedingt zu empfehlen. Allein die fremdenfeindliche Sprücheklopferei des irren Killers verleiht dem Ganzen einen interessanten politischen Touch, der spüren lässt, dass da definitiv noch mehr möglich gewesen wäre.

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