Review

“No Joe”

Dass Joe Carnahan es nicht kann, ist spätestens seit dem völlig fehlgeschlagenen Tarantino-Plagiat Smokin´ Aces (2006) klar. Ohne Inspiration, eigene Handschrift und erzählerisches Talent reicht es eben nicht aus, einfach scheinbar bewährte und genreerprobte Versatzstücke in sein (Mach-)Werk zu verbauen.
Dass Smokin´ Aces allerdings keinesfalls ein Betriebsunfall war - es Carnahan also auch schon früher nicht besser konnte - beweist der ebenfalls total missglückte Copthriller Narc.

Zur Story:
Der vom Dienst suspendierte Rauschgiftfahnder Nick Tellis (Jason Patrick) bekommt eine zweite Chance und soll bei der Aufklärung eines Mordfalls helfen. Bei dem Opfer handelt es sich um einen verdeckten Ermittler, der - wie Tellis - in die Detroiter Drogenszene eingeschleust wurde. Zusammen mit dessen ehemaligen Partner Henry Oak (Ray Liotta) gerät Tellis in einen Strudel aus Gewalt, Drogen und Korruption. Im Zuge ihrer Ermittlungen wissen die ungleichen Cops immer weniger, wem sie überhaupt noch trauen können. Je näher sie der Wahrheit kommen, desto brüchiger wird auch ihre eigene, fragile Zweckgemeinschaft.

Diese Geschichte klingt nicht nur wenig originell, sie ist es auch nicht. Carnahan latscht hier auf extrem ausgetretenen Genrepfaden und lässt auch wirklich kein noch so abgeschmacktes Klischee aus. Der ausgebrannte, introvertierte Excop wird mit einem impulsiven, gewaltbereiten und das Gesetz äußerst großzügig auslegenden Partner unfreiwillig ins kalte Wasser eines zwielichtigen Falles geschmissen. Selbstredend hat der „gute Cop“ (Tellis) Frau und Kind und ist durch einen missglückten Einsatz traumatisiert, während der „böse Cop“ (Oak) ungebunden, zynisch und natürlich älter ist. Das Handbuch für „Typische Figurenkonstellationen im Copthriller“ lässt grüßen.
Neben den klischeehaften Protagonisten ist auch die visuelle Gestaltung ein Sammelsurium altbekannter Versatzstücke und lässt keinerlei eigene Handschrift erkennen. Natürlich ist permanent ein Farbfilter (vornehmlich ein kaltes blau) drübergelegt, schließlich handelt es sich um eine düstere Geschichte. (Die wenigen) Verfolgungsjagden werden mit Handkamera gefilmt. Das wirkt schließlich authentischer und rauer. Der ganze Look ist schmutzig, versifft und trostlos. So sieht es eben aus in Amerikas drogenverseuchten Hinterhöfen.

Carnahans größter Fehler ist allerdings seine offenkundige Unfähigkeit, auch nur einen Hauch von Spannung zu erzeugen. Narc ist schlicht und ergreifend gähnend langweilig. Viel zu viel Zeit verschwendet Carnahan mit dem zerrütteten Familienleben Tellis und den relativ überraschungsarmen Ermittlungen der beiden Polizisten. Darüber hinaus - nachdem nie auch nur der Versuch gemacht wird, eine falsche Fährte zu legen bzw. andere Nebenfiguren verstärkt in die Handlung zu integrieren - kündigt sich das Ende mit Fanfaren und Trompeten spätestens zur Halbzeit an. Nur ein absoluter Genreneuling - der allerdings auch noch nie einen „normalen“ Kriminalfilm gesehen haben darf - kommt nicht darauf, welcher der beiden Cops in den Mordfall verwickelt sein muss. Da hätte auch eine 40-minütige Fernsehfolge gereicht.
Jason Patrick und Ray Liotta geben sich alle Mühe gegen das einfallslose Script und die konzeptlose Regie anzuspielen und liefern beide durchaus überdurchschnittliche Leistungen. Vor allem Liotta verleiht der ambivalenten Figur des Henry Oak durch sein ambitioniertes Spiel Glaubwürdigkeit und Tiefe.
10 Millionen $ Einspiel an der US-amerikanischen Kinokasse sprechen eine deutliche Sprache. In Deutschland ist der Film gleich auf DVD erschienen, eine ob der dürftigen Qualität des Streifens mehr als vernünftige Entscheidung. Bleibt die Frage, was Superstar Tom Cruise dazu bewogen hat, Carnahan zu vertrauen und dieses Machwerk zu produzieren.

Fazit:
Narc ist ein uninspirierter, gähnend langweiliger Copthriller von der Genrestange. Alles an diesem Film ist klischeehaft und hundertfach aufgewärmt. Figurenzeichnung, Story und Bildsprache sind frei nach dem Motto „So drehe ich einen typischen Copreißer“ ideenlos und holzschnittartig zusammengeschustert worden. Wie schon in Smokin´ Aces erweist sich Regisseur Carnahan als gänzlich talentfreie Zone hinsichtlich Spannungsaufbau, Originalität und wendungsreicher Ideen. Lediglich die überzeugenden Leistungen der Hauptdarsteller Jason Patrick und Ray Liotta retten den Film vor dem Totalabsturz. Auch auf DVD definitiv keine Empfehlung.

(2/ 10 Punkten)

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