Review

Jason Patric spielt einen Polizisten, der suspendiert wurde, da er eine schwangere Frau schwer verwundet hat und nun den Mord an einem Kollegen aufklären soll. Zusammen mit dessen ehemaligen Partner, gespielt von Ray Liotta, dringt er immer tiefer in eine Szene aus Gewalt und Drogen vor, bis ihn schließlich der Verdacht beschleicht, dass Liotta ihn absichtlich im Dunkeln tappen lässt.

Der Independent-Film hat nicht gerade den besten Ruf und "Narc" ist nach "Memento" der erste Thriller, der noch einmal das Gegenteil beweist und zeigt, dass man auch mit einem kleineren Budget , in diesem Fall gerade einmal 7,5 Millionen Dollar, ein beträchtliches Ergebnis erzielen kann. Im Wesentlichen ist dies der Verdienst von Regisseur Joe Carnahan, der zuvor vor allem mit der Kurzfilmreihe "Ticker" in Erscheinung treten konnte. Er inszeniert den Thriller spannend und abgrundtief dunkel. Carnahan verwendet die ganze Zeit über die Handkamera und schafft es so tatsächlich, den Zuschauer sehr nah am Geschehen teilnehmen zu lassen, indem er hinter jeden Winkel schwenkt und den Zuschauern wesentlich näher an den Hausdurchsuchungen beteiligt. Die Kulisse ist düster, hart und realistisch, der Dreck, die Gewalt und das Verbrechen liegen förmlich in der Luft und auch die Kamera-Arbeit trägt ihren Teil dazu bei, dass "Narc" einer der düstersten Cop-Thriller aller Zeiten geworden ist. Die beiden Hauptdarsteller werden gut in Szene gesetzt und so lässt Carnahan Jason Patric und Ray Liotta nach langer Zeit noch einmal die Chance zum Brillieren. Die Musik ist ebenfalls finster und so hält Carnahan seine düstere und bedrückende Atmosphäre die ganze Zeit über aufrecht. Damit erreicht er einen großen Spannungsbogen und baut parallel Dramatik auf, die er geschickt im Finale entlädt. Mit ein paar Action-Szenen verpasst Carnahan seinem Thriller den letzten Schliff und leistet alles in allem wirklich starke Arbeit, schade, dass er anschließend mit "Smokin` Aces" bleihaltigen Schrott lieferte, statt wieder auf eine bedrückende Atmosphäre zu setzten.

Das Drehbuch stammt ebenfalls von Joe Carnahan und ist alles in allem ordentlich gelungen. Die Charakterkonstruktion der beiden Polizisten, die mit ihren eigenen Mitteln mit dem knallharten und zermürbenden Alltag fertig werden und mehr oder weniger für ihren Beruf leben, ist sehr gut gelungen und dabei die ganze Zeit desillusionierend und realistisch. Das Verhältnis der beiden Hauptfiguren, die beide im Lauf ihrer Dienstzeit zermürbt wurden, ist ebenfalls stark dargestellt. Wirklich alles an diesem Werk ist düster und bedrückend. Der Plot ist solide, enthält ein paar unvorhersehbare Wendungen und die eine oder andere Überraschung, steuert aber leider auf ein absehbares und banales Ende zu, ohne dass der Film zu einem der besten Thriller aller Zeiten hätte werden können.

Ray Liotta darf nach eher unglücklichen Rollen in "Heartbreakers", "Hannibal" und "Blow" noch einmal brillieren, zumal ihm Carnahan ihm genügend Freiraum dazu bietet. Er passt sich mit seinem knallharten und emotionslosen Spiel der bedrückenden Atmosphäre an und so ist ihm die Rolle förmlich auf den Leib geschneidert. Mit diesem verstörend kalten Spiel liefert er neben "Goodfellas" und "Control" eine der stärksten Leistungen seiner Karriere und lässt einem des Öfteren einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Jason Patrick darf ebenfalls unter Beweis stellen, dass er mehr kann, als er zuletzt in "Speed 2" zeigte und spielt seine Rolle einerseits sympathisch, aber doch deprimierend bedrückt und vor allem in gemeinsamen Momenten mit Liotta sehr gefühlskalt. Beide Darsteller strahlen den Zustand der Bedrückung und innerer Kälte förmlich aus und lassen den Film so noch dunkler und bedrückender wirken.

Fazit:
Durch die starke und düstere Inszenierung von Joe Carnahan und die bedrückend guten Leistungen von Ray Liotta und Jason Patrick ist "Narc" ein knallharter und desillusionierender Cop-Thriller, der nicht nur den Fans des Genres gefallen wird. Auch wenn das Ende zu banal geworden ist, ist "Narc" einer der besten Independent-Filme seit Langem und ist mit seinem hohen Spannungsbogen und seiner gespannten und düsteren Atmosphäre ein echter Geheimtipp.

79%

Details
Ähnliche Filme