Kalte, heruntergekommene Hauswände und rostige Blechzäune, getaucht in tristes Blaugrau. Eine hektische, reißende Handkamera verfolgt einen wegrennenden Dealer, verfolgt vom Undercover-Ermittler Nick. Als der Verbrecher auf einem Spielplatz ein Kind bedroht, kommt es zum heftigen Ende der dramatischen Hatz - Nick ballert los.
Vielversprechend, intensiv, ja sogar verstörend und schnörkellos beginnt "NARC", ein moderner rauher, ungeschönter Copthriller.
Es geht darin um den Mord an einem Polizisten, der ebenso wie Nick verdeckt in der Drogenszene ermittelte. Nick soll den Fall aufgrund seiner Erfahrungen neu aufrollen und lösen, obwohl er selbst seine Zeit als "Narco" nicht so richtig verkraftet hat und dieser Arbeit auch wegen seiner Frau und dem Baby abschwor. Trotzdem findet er wieder Motivation und beginnt gegen den Willen seiner Frau die Nachforschungen, als Partner von Henry, einer aggressiven Art "Dirty Harry" vom alten Eisen, der für die höhere Gerechtigkeit gerne die ein oder andere Regel missachtet. Die beiden finden mehrere unangenehme Details über den tragischen Tod des Polizisten, der als solcher scheinbar versagt hatte. Es kommt dabei zum Konflikt zwischen dem wahrheitssuchenden Nick und Henry, des Toten bester Freund.
Der Film besticht nicht unbedingt durch die Originalität der Geschichte, welche das Genre auch keinesfalls neu erfindet. Vielmehr brilliert NARC durch seinen ungelackten visuellen und inhaltlichen Realismus. Eine rauhe, kalte, farblose, kaputte Welt wird geschildert und mittendrin authentische, nachvollziehbare Charaktere im Konflikt mit sich selbst. Eine Art moderner downbeat-Stil, ähnlich dem, wie er auch in Se7en oder 8mm vorkommt. Obwohl also nichts Neues, zeigt der Stil seine Wirkung und vermag mitzureißen, zumal die wirklich guten Schauspieler ihre Rollen auf intensive und ehrliche Art verkörpern. Krimifilme dieser emotionalen sowie inhaltlichen Tiefe und Authentzität findet man nämlich eher selten im großen Filmland Hollywood, sind sie doch eher die große Stärke etwa der Europäer. Ich erinnere nur an die düsteren Wallander-Verfilmungen, an die ein oder andere überraschende TV-Produktion, oder an Klassiker des (deutschen) Kriminalfilms wie "Die Sieger", beispielsweise. NARC ist zwar lange nicht so subtil, doch baut er seine Spannung eben nicht nur auf Gewalt, sondern auch auf ein solides emotionales Fundament auf, verharmlost und überzeichnet die schwere Thematik nicht, künstelt nicht viel und vermag es sogar manchmal unter die Haut zu gehen.
Die kleine Prise inhaltliche Brisanz ist ebenfalls bemerkenswert. Schließlich erzeugt Gewalt immer Gegengewalt, der man sich auch als "guter" Mensch nicht immer entziehen kann. Und Polizisten sind auch nur Menschen - das müssen Henry und Nick am eigenen Leib erfahren, sodass ihre seelischen Entwicklungen und Konflikte zum Ende hin mehr in den Vordergrund rücken und der Fall nur zum Rahmen wird. Ein nachdenkliches Ende; Sind Gegengewalt und Einschüchterung die einzigen Mittel gegen Gewalt und Kriminalität? Oder stimmt da etwas Prinzipielles nicht, wenn selbst Cops nicht mehr wissen, auf welcher Seite sie eigentlich stehen?
Ein ehrlicher, aufreibender Film in einem schnörkellosen aber nicht unspektakulären Gewand, der allerdings noch etwas weiter hätte gehen sollen, um wirklich herauszustechen. 7/10.