Review

"Narc" wurde mir von einem Freund empfohlen, der ihn schon auf dem Fantasy Filmfest gesehen hatte.
Ich habe ihn mir darauf ausgeliehen, und war positv überrascht.
Es hat schon so viele Copfilme gegeben, die man sich mal so ansieht, man vergißt sie dann aber auch, weil sie eben nichts besonderes sind. Eben Massenware.

"Narc" ist eine rühmliche Ausnahme.
Dieser Film ist schmutig, hart, schonungslos und deswegen sehr realistisch und ehrlich.
Meistens beschränken sich solche Thriller auf die Auflösung oder die Verstrickung ihrer Geheimnisse, es wird sehr viel Wert auf den Thrill gelegt.
"Narc" ist eher eine Charakterstudie, die Protagonisten und ihre Schicksale werden eindringlich und beeindruckend beschrieben und gezeigt. Man sieht eigentlich diese Welt aus den Augen der beiden Cops, der Erzählstil läßt dem Zuschauer die Chance, miteinzusteigen und mitzuempfinden, was bei den 08/15- Thrillern ja leider nicht an der Tagesordnung ist. Die Auflösung des Rätsels, des Problems ist nicht der Schwerpunkt des Films. So wahnsinnig ist das Geheimnis des Films ja ohnehin nicht, als dass es großartig was aufzulösen gibt. Das Cover des Films verrät zu viel, und man bekommt schon am Anfang das Gefühl, dass Ray Liottas Figur nicht ganz koscher ist.
Man soll dann auch Recht behalten.

Die Story von "Narc" ist schnell erklärt:
Dem ehemaligen Cop Tallis (Jason Patric) wird aufgetragen, den Mord an einem Kollegen aufzuklären.
Der Wiedereinstieg ins Geschäft bringt natürlich auch familiäre Probleme mit seiner Frau, die nicht bereit ist, in ständiger Angst zu leben und die Konflikte, die Cops bei der Arbeit erleben und die sie auch dann im Privaten nicht loslassen, mitzubewältigen.
Mal abgesehen davon, dass Tallis selber nicht schuldfrei ist (er hat auf der Jagd nach einem Junkie unschuldige Menschen angeschossen), benimmt sich sein neuer Partner in diesem Fall (Ray Liotta) auch sehr merkwürdig.
Bald finden sie heraus, dass der tote Kollege ein Junkie war und selber bis zum Halse im Drogensumpf steckte...

Die Figur Ray Liottas ist von Anfang an zwiespältig.
Die Symphatien liegen bei Jason Patric, der seinen Partner mißtrauisch beäugt. Immer finden sich plötzlich Sachen am Tatort, die von Zauberhand aus dem Nichts auftauchen.
Bis zum bitterern Finale sieht man die Welt aus Patrics Augen, das Mißtrauen gegen Liotta hegt auch der Zuschauer. Somit ist man zum Schluß schon soweit, dass man sich wünscht, dass Liottas Figur gestopt und getötet wird, so tief gehen hier die Empfindungen des Zuschauers.
Die bittere Wahrheit erschließt sich zum Schluß, Patric erkennt das Schicksal, ist erschüttert, und mit diesem Gefühl der Betäubtheit, der unendlichen Ungerechtigkeit, des unstoppbaren Schicksals, des harten Geschäfts, der Tragik des Lebens verlässt und der Film.

Mehr möchte ich darüber nicht verraten, es lohnt sich wirklich, dass selbst herrauszufinden.

Man muß sagen, dass der Film eine Stimmung und einen unglaublichen Realitätsbezug erzeugt, wie kein zweiter.
Sowas sieht man echt selten.
In kühlen, durch Blaufilter verstärkt, Farben gehalten versetzt uns der Film in eine verschneite Landschaft. Keine Postkarten- Winterlandschaft, sondern eine schmutzige, in der es ständig nieselt und stürmt.
Durch diese Umgebung spiegelt sich der Gemütszustand der Figuren wieder. Man bekommt echt einen Eindruck, was es heißt, den Beruf des Polizisten auszuüben.
Die entstehende Kälte zwischen den Cops und ihrem Umfeld wird schonunglos gezeigt, und durch die Umgebung unterstützt. Menschliche Beziehungen sind unmöglich, Cop ist man 24 Stunden am Tag, aktiv oder nach Feierabend in Gedanken. Der Job verfolgt einen.
Die Zerstörung der Beziehung zwischen Patric und seiner Frau ist symbolisch:
Anfangs sieht man Jason Patric in einer rührend beeindruckenden Szene mit seinem Baby unter der Dusche, die Vaterliebe wird hier spürbar. Später jedoch ist das Kind immer seltener zu sehen, und mit seiner Frau gibt es nur noch Streit. Der Job hat ihn zermürbt.
Stilistisch ist der Film unübertroffen, meisterlich umgesetzt.

Schauspielerisch sticht Ray Liotta hervor.
Er ist wirklich großartig als undurchschaubarer Cop, der sichtlich ein Geheimnis hat. Diese Rolle gibt ihm die Möglichkeit, die ganze Bandbreite seines Könnens zu entfalten. Er kann schreien, rumtoben und herumwirbeln wie ein agressiver Motor, er wirkt wie ein tollwütiger Hund.
Meiner Meinung nach hat er auch das Zeug die Tragik am Ende deutlich zu machen und dem Zuschauer mit einem unguten Gefühl zurückzulassen. Eine großartige Leistung.


Ich kann den Film nur empfehlen, ein ungewöhnlicher und meisterlich umgesetztes Werk, mit eindringlichen Bildern und sehr überzeugenden Schauspielern.

9/10 Punkten.

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