„Narc“ ist ein sehr realistisch gehaltener und ziemlich spannender Vertreter des Genres Copthriller.
Nick Tellis (Jason Patric) ist ein Cop fürs Drogendezernat und hat lange Zeit undercover gearbeitet. Am Ende eines Einsatzes erschießt er nicht nur einen mordlustigen Junkie, der ein Kind bedroht, sondern trifft auch eine Schwangere, die durch den Schuss ihr ungeborenes Kind verliert. Der Einstieg in „Narc“ ist hart, aber packend. Sehr realistisch und mit wackelnder Handkamera folgt der Film den brisanten und recht schockierenden Geschehen.
Nick muss sich für den Vorfall verantworten und obwohl er sich mit dem Untersuchungsausschuss anlegt, wird er für einen neuen Fall angefordert. Er nimmt an unter der Bedingung danach in den Innendienst versetzt zu werden; seiner Frau und seinem Kind zuliebe. Er soll den Tod eines weiteren undercover arbeitenden Drogenfahnders untersuchen, der verprügelt und anschließend erschossen wurde. Wie so häufig in diesem Genre beginnt der eigentliche Plot des Films mit diesem Todesfall, aus dem sich bald eine viel komplexere Handlung ergibt.
Gegen alle Umstände boxt Nick zudem durch, dass man ihm Henry Oaks (Ray Liotta), Freund und Partner des Ermordeten zur Seite stellt, den man zuvor von dem Fall abgezogen hatte. Die beiden Cops beginnen zu ermitteln und merken schnell, dass sie sich im Wesen gleichen. Doch der Fall des getöteten Ermittlers erweist sich als überraschend kompliziert...
„Narc“ ist ein sehr realistisch gehaltener Film mit einer sehr guten Atmosphäre. Der Film ist meist ziemlich nüchtern und versucht seinen Plot möglichst wirklichkeitsnahe umzusetzen. So wird auf Übertreibungen und ähnliche gängige Stilmittel verzichtet, damit der Film realistischer erscheint. Hier liegt auch der einzige Kritikpunkt: Teilweise kommt „Narc“ etwas zu nüchtern und unspektakulär daher, so dass er nicht ganz gegen den opulenten „L.A. Confidential“ (meiner Ansicht nach das Meisterwerk im Genre des Copthrillers) ankommt.
Die Handlung bleibt trotz des vergleichsweise gemächlichen Tempos immer spannend und kann den Zuschauer fesseln. Vor allem die Wutausbrüche der Cops Verdächtigen gegenüber sind immer sehr packend geraten, ohne dass die Schreierei hier albern wirkt. Die Handlung bietet zudem einige sehr gute Wendungen, auch wenn diese sich in erster Linie auf das überraschende und dramatische Ende des Films konzentrieren, wo der Film allerdings etwas sehr abrupt abbricht und durchaus die eine oder andere offene Frage beantworten könnte.
Action darf im Gegensatz zu ähnlichen Mainstreamprodukten á la „Training Day“ nicht erwarten, denn man kriegt, wie bereits gesagt, eine recht realistisches Porträt vor den Latz geknallt. Der wenige Schusswaffengebrauch ist sehr realistisch gehalten und kommt ohne übertriebene Action aus. Zum Thema Schusswaffen: Etwas absurd, aber durchaus vorstellbar wirkt die Szene mit der Schrotflinte und der Badewanne, die gleichzeitig sehr zynisch ist.
Jason Patric spielt in „Narc“ sehr groß auf und zeigt in der verdienten Hauptrolle die beste Leistung des Films. Aber auch Ray Liotta als zweite Geige spielt sehr überzeugend, wie eigentlich alle Darsteller in dem Film. Auch Busta Rhymes in einer kleineren Rolle spielt recht gut, was ich ihm gar nicht zugetraut hätte.
„Narc“ ist ein realistischer, ruhiger und spannender Copthriller, nur teilweise vielleicht etwas zu unspektakulär.