Review

Wenn man „Narc“ sieht, fühlt man sich unwillkürlich in die 70er zurückversetzt, zu „French Connection“ und „Serpico“, als der Bulle auf der Straße noch ein Hundeleben hatte, als Außendienst die Hölle und die Vorgesetzten die Teufel waren.
Genauso hat man „Narc“ kostengünstig, aber gelungen in Szene gesetzt.
Der Plot ist einfach und bietet nur die Grundlage für die durch die Bilder vermittelte Stimmung: ein Undercover-Drogenfahnder erlegt einen Dealer, doch eine Frau verliert dabei ihr Kind. Um wieder eingesetzt zu werden, macht er einen Deal und engagiert sich im Mordfall an einem Polizisten wie er selbst. Zusammen mit dem Partner des Toten nimmt er die Ermittlungen auf.

Der Film bemüht sich um den goldenen Mittelweg zwischen Charakter- und Milieuschilderung und seinem Krimi-Plot. Weniger mittels Dialogen als vielmehr über die Bilder dringt man in den Kopf des Protagonisten ein, vollzieht seine eigenen Parallelen zum Toten nach, versteht seine Motivation.
Daß dabei sein Familienleben leidet und kaputt geht, ist allerdings ein wenig aufgesetzt geschildert, da es für die Erregung seiner Frau filmisch keine Grundlage gibt.
Daß jedoch an dem Todesfall irgendwas nicht stimmt, kann man schon früh vermuten und tatsächlich schwenkt der Film im letzten Drittel in Richtung auf ein hochbrisantes Whodunit, wenn die zwei Tatverdächtigen, zwei Dealer und die beiden Polizisten in einer Lagerhalle ein gefährliches Quartett bilden. Roh, brutal und emotional überkochend, wird man hin- und hergerissen zwischen dem, was wahrscheinlich ist und dem was man hören will. Die Wahrheit schließlich, in einer unerwarteten Schlußpointe sieht dann wieder ganz anders aus und beendet den Film offen.

Gut an „Narc“ sind seine schauspielerischen Leistungen, denn Jason Patric und Ray Liotta ergänzen sich gegenseitig hervorragend, vor allem Liotta mit seinen psychopathischen Anwandlungen ist ein Enigma an sich.
Gewöhnungsbedürftig dagegen der Look, ausgewaschen, grau, düster, selbst die privaten Szenen daheim wirken darin bräunlich und erloschen. Das unterstreicht zwar den Grundtenor, wirkt aber aufgesetzt, auch wenn die Startsequenz, in der die Kamera bei einer Verfolgungsjagd in aller Dramatik mitläuft ein kleiner Höhepunkt ist.

Der Film wirkt gut für alle, die den dreckig-realistischen Style mögen, er urteilt nicht und geht sehr sparsam mit seiner Moral um, was an sich schon mal für Qualität bürgt, verwandelt sich eben aber im letzten Drittel in ein Kammerspiel theatralischen Ausmasses, bei dem man ständig das Gefühl hat, gleich würde die Szene explodieren.

Ein qualitativ sauberer kleiner Thriller, der seine Lektionen gelernt hat und den Zuschauer mit seinen Gedanken sich selbst überläßt, statt Lösungen anzubieten. (7,5/10)

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