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1932 wird ein kleines Kind zum neuen Oberhaupt der Tibeter und zur Wiedergeburt des 13. Dalai Lama auserkoren. Als die Chinesen später sein Land, Tibet, besetzen wollen, muss er eine schwerwiegende Entscheidung treffen und da er beschließt an seinem Grundsatz der Gewaltlosigkeit festzuhalten, bleibt ihm nur die Flucht ins Exil.

Martin Scorsese ist definitiv ein Meister seines Fachs und auch bei "Kundun" merkt man dies wieder mehr als deutlich. Bei diesem Werk ist es vor allem Scorseses brilliante Optik, die "Kundun" sehenswert macht, zumal der Film ansonsten leider nicht so viel zu bieten hat. Er fängt die Bilder von Tibet, der prachtvollen Gewänder und der prunkvollen Tempel und Klöster hervorragend ein und zeigt somit eine faszinierende Seite von Tibet, die man so noch nicht gesehen hat. Neben dieser hervorragenden Kulisse und der berauschenden Optik passt aber auch die magische und fesselnde Musik perfekt zu dem Film. Scorsese, der den Film technisch hervorragend auf die Leinwand bringt, macht aber auch Fehler. Er achtet überhaupt nicht auf den Unterhaltungswert. Die gesamte Biografie, so interessant wie das Thema auch sein mag, ist relativ langweilig, da Scorsese mit seinem langsamen Tempo und seinem relativ trockenen aufzeigen der Fakten kaum Interesse erwecken kann. Nach "Casino", "Kap der Angst" und "Goodfellas" zeigt Scorsese einmal mehr sein ganzes Talent, wobei er wie gesagt, besser auf den Unterhaltungswert seines Werkes geachtet hätte.

Die Story ist zwar nicht schlecht, nähert sich den geistigen und geistlichen Weiten der Materie leider kaum und stellt die Einstellungen und Maximen des Dalai Lama nicht in dem Ausmaß dar, in dem man es sich erhofft hätte. Auch wenn sich der Film also mit einem der größten und bekanntesten Geistlichen der Welt beschäftigt, gibt es also kaum Hintergrundinformationen und vielschichtige Einblicke in den Buddhismus. Die Biografie ist natürlich detailgetreu, auch wenn sie stellenweise ein bisschen zu sehr Partei für die Tibeter ergreift, die von den Chinesen besetzt wurden, zumal der Dalai Lama Tenzin Gyatso höchstpersönlich am Drehbuch mitarbeitete. Die biografischen Daten sind aber viel zu trocken und stellenweise fehlen einfach Hintergründe und Zusammenhänge und eine gewisse historische Einordnung dieser Biografie. Die Story ist damit eine ordentliche Biografie, aber bei einem Drehbuch, an dem der Dalai Lama mitarbeitete, hätte man dann doch mehr erwartet.

Einerseits ist es sicherlich konsequent von Scorsese, lediglich unbekannte Darsteller, teilweise sogar Menschen aus dem engeren Umfeld des Dalai Lamas einzusetzen und somit auf altbekannte Hollywood-Größen zu verzichten, aber andererseits zahlt sich Konsequenz nicht immer aus. Auch wenn die Darsteller, die zum Teil bis heute in keinen weiteren Filmen spielten sichtlich bemüht sind und alles in allem überraschend gut fungieren, ist die Darstellung der einzelnen Schauspieler nicht intensiv genug, um den Zuschauer ernsthaft fesseln zu können. Tenzin Thuthob Tsarong, der die Hauptrolle des erwachsenen Dalai Lama spielt, ist einfach nicht gut genug, um den Anforderungen eines Meisterwerkes gerecht zu werden und bei Martin Scorsese darf der Anspruch eigentlich nicht niedriger liegen.

Fazit:
Mit optischer Brillianz, faszinierenden Bildern und magischer Musik leistet Martin Scorsese bei der Inszenierung von "Kundun" hervorragende Arbeit, da das Drehbuch jedoch außer einer langatmigen Biografie nichts zu bieten hat und die Darsteller ebenfalls eher blass bleiben ist es sicherlich eines der schwächeren Werke des Altmeisters, das leider nicht sonderlich gut unterhalten kann.

56%

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