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TVB (Television Broadcasts Limited) Fernsehfilm, die in dem fraglichen Zeitraum einige auch durchaus für den ansonsten mit Kinoproduktionen eingedeckten Zuschauer in oft allseits bekannter Besetzung und auch ähnlicher Thematik samt Ausführung auf den Markt, oftmals das Medium der Laserdics und später dem der VCD nutzend gebracht haben. In der hiesigen Variante führt mit Raymond Lee gar ein durchaus mit als Experte für Heroic Bloodshed in Reinkultur zu nennender Filmemacher die Regie, gehören Arbeiten wie Set Me Free! (1988), Rebel from China (1990), The Killer's Blues (1990) und Blue Lightning (1991) doch zu den empfehlenswerten, auf ihre Weise teils auch sicherer als üblich mit dem personellen Drama der Figuren und dem Aufbau der letztlich tödlichen Verwicklungen gehandhabten Varianten des pessimistischen Topoi dazu. Zugute kommt der entsprechenden Geschichte, die natürlich durch Budget und Technik des Fernsehen sichtlich begrenzt ist, diese Aufmerksamkeit auf die Umstände, die Charaktere und die Motive dahinter; ansonsten ist viel von dem, was hier dargelegt wirkt, keine wirkliche Erneuerung und dann noch mit gewöhnungsbedürftigen, wenn auch der Sympathie und Nostalgie durchaus förderlichen Gesicht:

Trotz einem einschneidenden Erlebnis während eines einwöchigen Besuches von Hongkong hat der in sonst in Shantou lebende Wong Sek [ Nathan Chan ] seine Pläne des Auswanderns nicht aufgegeben. Die endgültige Einreiseerlaubnis bereits beantragt, will er zu Gunsten seines Startkapitals allerdings noch zusammen mit seinen Freunden Wu Keung [ Frankie Lam ] und Lau Bou-sing [ Wayne Lai ] einen Schmugglerauftrag für den zwielichtigen Big Brother Jai [ Sunny Fang Kang ] hinter sich bringen. Ein Unternehmen, das gänzlich schiefgeht und nicht nur seinem Onkel Wing [ Bao Fang ] das Leben kostet. Während Wong dennoch, ein wenig geläutert, nicht wirklich weiser seinen Traum in HK erfüllen will, dort bei seiner Tante Yi-gwu [ Fung Shui-jan ] unterkommt und auch die Nachhilfelehrerin Catherine [ Anita Lee ] kennenlernt, sucht sein Cousin Kei [ Norman Chu ], frisch vom Militärdienst aus Taiwan heimgekehrt, nach den Mördern seines Vaters.

Lees vorherige Tätigkeit für TVB, den im Nachhinein oft gesuchten, da mit den späteren Stars Donnie Yen, Stephen Chow und Francis gleich dreifach geadelten The Last Conflict (1988) konnte man noch getrost als Crime Action im Genre bezeichnen; hier zählt das Drama mehr und ist der Rest die Umrandung in Form kleinerer Scharmützel, die oft kurz angerissen und dann auch aus der narrativ und nicht physisch formulierten Handlung hinein und wieder hinaus springen. So stellt die Einleitung eines Überfalles auf einen Geldtransporter in den Strassen HKs, die anschließende Verfolgungsjagd und das Eingreifen ebenso wie die Gangster schiesswütiger Polizisten den forschen Prolog, aber gleich auch mehr den Knackpunkt für die folgende Verbalität und Analogie dar.

Wong und seine Tante, damals noch auf Kurztrip in der Metropole, als Zeuge des finalen Geschehens, die dort quasi zum ersten Mal mit den Träumen der Festlandchinesen in Berührung und der Auflösung in Pulverrauch und blutiger Gewalt kommen. Und sich, obwohl offenkundig unbeteiligt, im Anschluss auf dem Polizeirevier für ihre Herkunft fast entschuldigen müssen. Der Showdown, der hier zu Beginn und mit anderen Beteiligten als Omen für die weitere Entwicklung des Protagonisten steht, gilt auch gleichzeitig als der Leitgedanke der nun ausgebreiteten Melodie. Die Gegensätze zwischen beiden Ländern, ihren Bewohnern, ihren Chancen und ihren Mitteln werden anhand einer handelsüblichen Saga um den Kampf eines Einzelnen (plus einem unverhofften Partner) gegen die Triaden erzählt; der Aufstieg, der von Anfang an mit Hindernissen gepflastert und mit Umwegen bestückt ist und niemals unter einem guten Stern stand wird zur Tragödie im gleich doppelten Sinn. Denn auch der Blickwinkel selber ist, wenn auch für damals relativ unverdrossen mit einem Festlandchinesen als Hauptrolle und Identifikation gewählt, im heutigen Nachhinein der Realität widerstrebend. 1997 liegt nicht in der Zukunft, sondern der Vergangenheit. Nicht HK prosperiert, sondern Mutterland China selber. Kapitalismus hat die Basis komplett übernommen und die Menschlichkeit und Brüderlichkeit, die hier bei den kleinen Leuten noch gepflegt wird, verdrängt.

So spielt sich das Geschehen mehr als noch die Kollegen der Gattung und sicherlich auch durch die theaterhafte Gestaltung mit starrer Kamera, längeren Dialogszenen in unbewegter Umgebung, auch relativ steifen Verkörperungen durch die Schauspieler in einer gewissen Blase von Intimität und Naivität, tatsächlich wie im heimischen Wohnzimmer vorgestellt und wie familiär präsentiert ab. Das Mobiliar ist zaghaft und beschränkt, werden meist auch die Behausungen der Personen, also die Innenaufnahmen für die Aufführung in Deklamation gewählt. Kleine Kreise, ab und an mal durch Offensiveres in freier Natur oder gar der Stadt selber und dort durch Prügeleien oder Schießereien in kurzer Zahl und Zeit unterbrochen. Die Umsetzung durch Choreograph Yuen Bun, oft von Hause aus in den TVB Produktionen als Action Director, z.b. den Namhafteren One Way Ticket to Bangkok (1988), The Iron Butterfly (1989), Handcuff Me, Brother (1989) gesetzt, schwankt dabei stark an Qualität. Details wie leuchtend grelles Blut fallen dabei weniger ins Gewicht, aber warum die Verfolgungsjagd zu Beginn als weitaus größte Einlage im upspeed und in Tag- und Nachtgleiche erfolgen muss, ist dabei nicht schlüssig zu argumentieren. Die Schlägereien wirken in der aseptischen Ästhetik auch ein wenig ungelenk, offerieren ihre Stunts und die Bemühungen so aber auch unverstellt.

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