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"Freundschaften waren nie meine Stärke."

Nachdem Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson) als Sieger aus den 74. Hungerspielen hervorgingen, sind sie das angesagteste Liebespaar des Kapitols. Allerdings ist diese Beziehung nur inszeniert. In Wirklichkeit fühlt sich Katniss zu ihrem langjährigen Freund Gale Hawthorne (Liam Hemsworth) hingezogen.
Bei der Reise von Katniss und Peeta durch die 12 Distrikte des Landes gibt es immer wieder Anzeichen auf die Unzufriedenheit und Auflehnung der unterdrückten Menschen. Das Kapitol versucht zwar jegliche Anzeichen auf eine Rebellion direkt zu unterbinden, Katniss hat den Menschen durch ihre Auflehnung bei den Spielen jedoch Hoffnung auf ein freies Leben gegeben.
Für Präsident Snow (Donald Sutherland) ist Katniss ein Dorn im Auge. Sein neuer Spielleiter Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) lässt sich daher für die 75. Hungerspiele etwas Besonderes einfallen, um Katniss und auch Peeta ein weiteres Mal in die Arena zu zwingen.

Der erste Band der dreiteiligen Jugendbuchreihe wurde 2012 erfolgreich verfilmt, häufig aber mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Einige Details der Romanvorlage wurden nicht angesprochen und das für ein Jugendbuch überaus hohe Maß an brutaler Vorgehensweise etwas entschärft. Dennoch muss man "Die Tribute von Panem - The Hunger Games" besonders für seine kritische Tiefe und die flotte, sehr emotionale Inszenierung loben.
Auch der Nachfolger enthält sämtliche genannten Stärken und Schwächen und setzt die Geschichte so konsequent fort, dass Neulinge nur schwer einen Einstieg finden werden.

"Die Tribute von Panem - Catching Fire" hat annähernd die gleiche Erzählstruktur wie sein Vorgänger. Bis die Spiele beginnen lässt sich der Film gehörig Zeit. Dabei greift die Handlung viele Elemente auf, die dem Publikum bereits aus dem ersten Teil bekannt sind. So wiederholt sich die Ziehung der Tribute, die Einkunft in das Kapitol und das Training vor den Spielen in Form einer Variation. Dennoch bilden sich zunächst keine Längen. Im Gegenteil:  Der Teil des Films vor den Hungerspielen wirkt noch etwas schärfer, knackiger und emotionaler als das Gegenstück im Vorgänger.
Dafür muss erwähnt werden, dass die Hungerspiele selbst im ersten Teil einen intensiveren und kompromissloseren Eindruck erweckten. Zugunsten eines flüssigen Erzählflusses leidet der Teil mit den Spielen durch seine Straffung gegenüber dem Roman. Auch wirkt die Stimmung weniger ausweglos, da die Protagonistin erheblich mehr Unterstützung erhält. Und der arg offene Schluss ist der schwächeren Vorlage geschuldet.

"Die Tribute von Panem - Catching Fire" versteht es äußerst geschickt die Kontraste der fiktiven Welt herauszuarbeiten und das Leben der Reichen dem Leben der unterjochten Bevölkerung gegenüber zu stellen. Auch die willkürlichen und konsequenten Bestrafungen am Volk spart der Film nicht aus. Und ebenfalls sehr interessant ist die zusätzliche Ebene der Medienkritik, bzw. der Analyse wie die Herrschenden gedenken die Macht der Medien auszuspielen um die Emotionen der Bevölkerung zu lenken.

Dank der üppigen Ausstattung und farbenfrohen Kostüme wirkt auch die Fortsetzung sehr aufwendig. Die Bilder sind diesmal weniger verwackelt, was das Ansehen angenehmer macht, aber auch identitätsraubend wirkt, da eine Distanz zur Hauptfigur entsteht.
Die Effekte sind sauber und unauffällig, die Atmosphäre stimmig, besonders durch einige berührende Schlüsselszenen.

Vor allem Katniss erfährt eine erhebliche Wandlung. Neben den plagenden Nachwirkungen der ersten Spiele, quält sie auch eine Dreiecksbeziehung, der Freiheitsdrang der unterjochten Distrikte und ihrer Schlüsselposition sowie der Druck des Kapitols. Jennifer Lawrence ("Silver Linings") gelingt es erneut die vielseitigen Gesichter ihrer Figur glaubwürdig abzubilden, auch wenn sich ein paar schauspielerische Schwächen zeigen.
In Nebenrollen agieren Woody Harrelson ("Die Unfassbaren - Now You See Me"), Elizabeth Banks ("Spider-Man"-Reihe), Sam Claflin ("Snow White and the Huntsman", "Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten"), Jena Malone ("Sucker Punch"), Stanley Tucci ("Captain America - The First Avenger"), Lenny Kravitz, Philip Seymour Hoffman ("Die Kunst zu gewinnen - Moneyball") und Donald Sutherland ("Kill the Boss") überaus solide. Josh Hutcherson ("Red Dawn") sowie Liam Hemsworth ("The Expendables 2") dagegen wirken fast ein wenig zu unscheinbar.

Ohne größere Erklärungen setzt "Die Tribute von Panem - Catching Fire" die Handlung des ersten Teils fort, dessen Kenntnis empfehlenswert ist. Die Änderungen gegenüber dem Roman straffen die wendungsreiche Geschichte enorm, wodurch diese gehetzt und leicht überladen erscheint. Dies tut der ersten Hälfte sehr gut, der actionreicheren zweiten aber nicht. Denn dort fehlen die schon zuvor abgehandelten, sehr emotionalen Schlüsselszenen und die Verzweiflung des Vorgängers. Technisch und darstellerisch gibt sich der Film keine Blöße. Im Finale mangelt es aber leider an Tempo und das sehr offene Ende ist auf der Leinwand ein wenig holpriger geraten als im Roman.

8 / 10

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