Fortsetzungen sind im Normalfall schwächer als das Original, vor allem, wenn das so (für mich) überraschend stark ist wie der erste Hunger Games. Außerdem ist er der zweite Teil einer Trilogie, hat also das übliche Problem - keinen richtigen Anfang, kein richtiges Ende (Allerdings gibt es genug Trilogien, bei denen der zweite Teil der stärkste ist, vor allem Das Imperium schlägt zurück, Die zwei Türme und The Dark Knight). Was sind typische Fehler eines zweiten Teils? Man erzählt das Gleiche noch mal, nur gößer (zum Beispiel statt eines Waldes nimmt man eine präparierte Insel, die Gegner sind diesmal beser ausgebildet) und stellt eine Liebesdreiecksgeschichte ins Zentrum, die die Handlung komplett ausbremst (Katniss entwickelt Gefühle für Peeta).
Wäre also die Battle-Royale-Action die größte Stärke des ersten Teils gewesen, wäre der Film ein Desaster geworden. Konjunktiv. Mir hat das Endergebnis nämlich ausnehmend gut gefallen, auch wenn das Geschehen auf der Insel im Vergleich zur unglaublich starken ersten Hälfte deutlich abfällt. Weiter steht und steht die Reihe mit Jennifer Lawrence (unterstützt von einem guten Drehbuch!), die Katniss nicht als Revolutionärin spielt , sondern als eigentlich unpolitische Frau, die ihr Leben leben will. Es ist ihre Umgebung, die beginnt, sich aufzulehnen und sie ist wieder Willen der Dreh- und Angelpunkt des erstarkenden Widerstands. Teils pragmatisch, teils konzentriert versucht sie, mit der Situation zurecht zu kommen, findet aber mehr und mehr Risse in dem einst geschlossenen Weltbild, verkörpert von Donald Sutherland, der zwischen skrupellosem Diktator und liebendem Großvater schwankt. Das Liebesdreieck stört mich nicht, da es dezent im Hintergrund bleibt - die Entscheidung für einen der beiden würde die Situation nicht sofort auflösen, weil das nur ein Teilaspekt der Geschichte ist.
Die erste Hälfte ist wie gesagt extrem stark.das System wird in seiner Skrupellosigkeit gezeichnet, die Rise (Polizeigewalt, Schmierereien, das Kleid!) werden beleuchtet, so dass sogar Katniss (wie in "Winter's Bone" geht es Lawrences Figur eigentlich nur um ihre Familie) anfängt, sich offen gegen das Regime zu stellen. Die Insel ist leider "business as usual", kompetent, aber ohne große Spannung (Wie auch? Sowohl inner- als auch außerhalb der Story ist klar, dass die Protagonisten bis kurz vor Schluss überleben müsen.).
Ich bin gespannt auf die dritten Teile - bei harry Potter hat man es auch geschafft, zwei Filme vernünftig zu füllen (okay, beim Hobbit nicht), ich hoffe also auf ein gutes, langes Finale.