Rund fünf Jahre hat der gebürtige Braunschweiger Andreas Bethmann verstreichen lassen, um mal wieder einen Horrorstreifen zu produzieren, der sich ausnahmsweise nicht um Sex und Gewalt dreht und völlig ohne Silikon auskommt. Eher setzt er bei seinem Geisterhausfilm auf Atmosphäre und eine grundsolide Hauptdarstellerin, was mit knapp zwei Stunden Laufzeit mal wieder deutlich zu ausladend ausgefallen ist.
Jennifer (Margarethe von Stern) sitzt nach einem Unfall im Rollstuhl und versucht auf dem Land einige Interviewpartner zu erhaschen. Währenddessen entdeckt sie am Waldrand ein seit dem Zweiten Weltkrieg verlassenes Haus, in dem es spuken soll. Jennifer geht dem nach und stellt fest, dass sie im engen Radius beim Haus plötzlich wieder gehen kann und dass ihr in den alten Wänden offenbar jemand etwas mitteilen möchte...
Die Handlung konzentriert sich fast ausschließlich auf Jennifer und ihre Wahrnehmungen, was recht mutig von Bethmann ist, da er nur selten auf Gewalt setzt, die Schockmomente und Gruseleinlagen wohl dosiert und viel wert auf eine melancholische Grundstimmung legt, was phasenweise durchaus gelingt. Auch wenn Jennifers Kleid wie eine umhäkelte Klorolle sowas von gar nicht geht, vermag ihre Figur Interesse erwecken, wobei die Momentaufnahmen fürs Diktiergerät immer mal wieder aus der Lethargie reißen.
Denn Tatsache ist auch, dass zuviel Material in die fertige Fassung gelangte. Eine Softsexszene mit Bethmann himself ist völlig unnötig, ein Pinkeln im Garten ebenso und auch die eine oder andere Sequenz bei der Fortbewegung im Rolli hätte gestrafft werden müssen, wodurch im Gesamtbild immer wieder Längen entstehen. Demgegenüber wurde die Location des leer stehenden Hauses gut gewählt, die Ausstattung mit altem Weltempfänger, uralten Möbeln und antikem Telefon ist stimmungsfördernd, der sauber abgestimmte und über weite Teile sehr abwechslungsreiche Score schürt ebenfalls Stimmung und auch die Flashbacks mit zwei üblen Nazischergen wurden recht spannend in Szene gesetzt.
Doch die passable Atmosphäre reicht nicht aus, da die Geistergeschichte recht dünn gestrickt ist und spätestens beim ersten Rückblick in die 30er deutlich wird, wer da wem etwas mitteilen möchte. Immerhin wird der Showdown mit zwei Kleinganoven angereichert, wobei ein Antonio Mayans eine recht beeindruckende Performance abliefert, - über 170 Einsätze in Film, Fernsehen und Kino machen sich da deutlich bemerkbar, obgleich die restlichen Mimen weitgehend brauchbar performen und auch Margarethe von Stern ihre anspruchsvolle Rolle durchaus souverän meistert.
So bekommt man zwar ein wenig nackte Haut serviert, doch Hardcore bleibt glücklicherweise außen vor. Die Effekte, dieses Mal von Olaf Ittenbach, sind allesamt handgemacht und überzeugen durch die Bank, wobei die Entnahme eines Augapfels ein kleines Fest für Gorehounds darstellen dürfte. Das Make-up geht ebenfalls in Ordnung, Kamera und Schnitt arbeiten einwandfrei und letztlich funktioniert auch die Sounduntermalung nebst Dialogspuren tadellos, was bei Bethmann nicht immer selbstverständlich war.
So hat sich der einstige Schmuddelregisseur deutlich verbessert, nur an der ausufernden Laufzeit muss er nach wie vor deutlich arbeiten und sich rigoroser von unnötigen Szenen trennen. Zwar birgt die Story nur wenige Überraschungen, doch die Stimmung vermag ebenso zu überzeugen wie die wenigen Effekte und auch darstellerisch ist kein Totalausfall zu verzeichnen. Bis auf erwähnte Mankos der bis dato reifste und gelungenste Streifen von Bethmann, der sich nun hoffentlich vom trashigen Schmuddelfilm verabschiedet hat.
6 von 10