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Zwischen den reitenden Leichen fand der Spanier Amando de Ossorio noch Zeit, einen weiteren Horrorfilm zu drehen, der sich mit Auferstehung von Toten auseinandersetzt.
An die Qualitäten seiner Kultreihe reicht der Streifen allerdings zu keiner Zeit heran, da in der ersten Hälfte zu wenig passiert und in der zweiten ein viel zu kurzer Showdown nicht mehr viel ausrichtet.

1910 im tiefen Dschungel Afrikas: Eingeborene halten ein Voodoo-Ritual ab, zerren eine halbnackte Weiße auf einen Opferaltar und enthaupten sie. In den Siebzigern strandet hier ein Expeditionsteam und muss schon bald am eigenen Leib erfahren, dass die Voodoo-Priester von einst nicht tot zu kriegen sind...

Ossorios "Nacht der reitenden Leichen" begründete einen Kult um einstige Tempelritter, die als Skelette zu Pferde allerlei Gemetzel anrichteten. Die insgesamt vier Filme lebten primär von der dichten Atmosphäre, von der hier leider wenig zu spüren ist, zumal der fiktive Staat Bumbasa arg nach spanischen Palmen ausschaut und ein paar Aufnahmen von Giraffen und Flamingos nicht ausreichen, um eine Kulisse als besonders exotisch darzustellen.

Auch um die Figuren ist es nicht gut bestellt, da das vermeintliche Heldenpaar überwiegend mit Knutschen und Abschlabbern am Strand beschäftigt ist, während andere lediglich herumsitzen und Nachtwache halten. Zwar ziehen im Verlauf sämtliche Damen blank und überhaupt ist viel nackte Haut im Spiel, doch all das schürt natürlich keine Spannung.

Vielmehr wirkt der Stoff so, als hätte Ossorio ein wenig von Jess Franco abgekupfert, was auch die Hexen mit Vampirzähnen erklären könnte, welche sich lediglich weibliche Opfer suchen und anbei ein wenig lesbisches Gehabe abziehen. Zwischen Voodoo-Zombies, Opfergaben für den Teufel und Leopardenmasken hinterm Busch passt hier einiges nicht zusammen.

Splatterfreunde erhalten indes auch nicht mehr als zwei Enthauptungen, Messerstiche im Rücken und zwei Bisse in den Hals, obgleich das Blut phasenweise ordentlich tropft.
Besser ist es um den Score bestellt, der in einer Mischung aus Ritualtrommeln und psychedelischen Synthie-Georgel recht cool rüber kommt und die Trashnote gut hervorhebt.
Auch die überwiegend hölzern performenden Mimen unterstreichen diesen Eindruck.

Obgleich in den letzten Minuten noch ein wenig Tempo ins Spiel kommt und Ossorio ein paar für ihn typische Zeitlupen einbaut, will der Funke zu keiner Zeit überspringen, da es seinem Werk allzu deutlich an atmosphärischen Höhepunkten mangelt.
Die Erzählung ist über weite Teile zu schnarchig ausgefallen, die Horrorelemente beschränken sich auf billige Masken und kaum explizite Einlagen, vor allem aber kommt bei der Kulisse nur ganz selten Gruselstimmung auf, selbst als sich die Voodoo-Priester aus ihren Steingräbern erheben.
Ergo: Wer die reitenden Leichen mochte, sollte mit arg gedämpften Erwartungen herangehen, denn hier kommen allenfalls Exploitationfans mit Faible für 70er Trash auf ihre Kosten.
4 von 10

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