Menschen im Zwiespalt fragwürdiger Ideologien präsentierte bereits der ähnlich gelagerte, überaus sehenswerte "American History X". Der Finne Dome Karukoski schlägt mit seiner Auseinandersetzung dubioser Gesinnungen weitaus ruhigere Töne an, wobei seine Erzählung trotz einiger Wendungen nie den Bogen überspannt und überwiegend glaubwürdig daherkommt.
Neonazi Teppo (Peter Franzén) lernt die Kellnerin Sari (Laura Birn) kennen und verliebt sich in sie. Als er erfährt, dass Sari einen Sohn afrikanischer Herkunft, Rhamadhani (Yusufa Sidibeh) hat, bemüht er sich, den Platz eines halbwegs fürsorglichen Stiefvaters einzunehmen. Allerdings ist Teppo immer noch Teil der aktiven Neonazi-Szene, was ihn rasch in Schwierigkeiten bringt...
Die fast schon typisch unterkühlte nordische Art ist lediglich in der Anfangsphase zu spüren, als Teppo sich um Sari bemüht und die Annäherung der beiden ein wenig emotionslos anmutet. Als die Figur des Rhamadani ins Spiel kommt, wendet sich indes das Blatt und fortan zünden primär die leisen Momente, während einige rabenschwarze Situationskomik für angenehme Auflockerung sorgt.
Teppo offenbart seine Menschlichkeit in Nuancen, was der Authentizität merklich zugute kommt, zumal er immer noch bei rassistischen Gewaltaktionen seiner Gang beteiligt ist.
So mutiert ein Loser und Mitläufer nicht spontan zum Gutmenschen, sondern es sind die zurückhaltenden Interaktionen zwischen Teppo und Stiefsohn, welche Gesinnungen und äußerliche Umstände langsam verändern.
Einige Nebenfiguren sorgen unterdes dafür, dass stets ein wenig Spannung im Spiel ist, spätestens, als Teppos Bruder Harri (Jasper Pääkkönen) aufkreuzt, welcher Handgranaten mitgehen ließ, bevor er beim Militärdienst rausgeworfen wurde. Auch als Teppo aktiv im Schulalltag seines Zöglings mitmischt, offenbaren sich einige unterhaltsame, als auch nachdenklich stimmende Momente.
Auf darstellerischer Ebene ist allen voran Peter Franzén zu erwähnen, der die eigentliche Hauptfigur mit sehr vielen Facetten in angenehmer Zurückhaltung gibt. Auch Pääkkönen ist richtig gut als durchgeknallter Bruder, während Yusufa Sidibeh für sein Alter eine grundsolide Leistung abliefert. Lobenswert ist zudem die grundlegende Besetzung, denn dieser Neonazi-Gang möchte man noch nicht einmal unter Polizeischutz begegnen.
Regisseur Karukoski erzählt die persönliche Bredouille eines Neonazis sehr sensibel und mit viel Herz, obgleich angedeutete Gewaltszenen und kleine Tempoeinlagen immer mal wieder das Tempo anziehen lassen. Trotz minimaler Klischees wirkt das Treiben weitgehend authentisch, die Mimen sind topp, das Handwerk tadellos und im Endeffekt werden zuviel Pathos und unglaubwürdige Wendungen auf einem schmalen Grat geschickt umgangen.
Wem "American History X" phasenweise ein wenig zu drastisch war, sollte definitiv einen Blick riskieren.
8 von 10