Review

"Von Menschen und Pferden" (2013)

Spoiler gibt es auch

Da wir selbst vier Isländer(und -innen) hier haben, also Pferde keine Menschen, und meine Frau großer Island Fan ist, kam ich an diesem Film selbstredend nicht vorbei. Ob ich ihr allerdings abschließend dankbar bin das Sie mich schon vor langer Zeit auf diesen Film aufmerksam gemacht hat oder ich bereits die "Scheidungspapiere" vorbereite, das erfahrt ihr dann jetzt hier.

Ich las nämlich "damals" vorher im Netz Aussagen wie diese hier:
"....auch ich habe den Film vorzeitig verlassen, absurd, übertrieben, grausam"
"...der mit Abstand idiotischste Film meines Lebens, aneinandergereihtes sinnloses Niedermetzeln von Mensch und Pferd...."

"Kinovorzeitigverlasser" gab es durchaus so einige wie man liest...

Was kann das bloß für ein Film sein? Was hat dieser Film zu bieten? Hier meine Sicht:

Handlung? Nicht wirklich, also ja.
Dialoge? kaum und nicht wichtig.
Spannung? Nein.
Komik? Maximal 2-3 Szenen.
Absurd? in Teilen durchaus ja, also nein.
Splatter? Nein. Ja, 1,2 Szenen, die aber nicht als Splatter im üblichen Sinne zu bezeichnen sind.
Zusammenhanglos? Durchaus Jein.
Widersprüche? Oja.
(z.B. die Wintereinbruchsszene, das sieht aus wie im tiefsten Sibirien, dabei ist das Klima auf Island sehr gemäßigt. Selbst im Winter fällt das Thermometer tagsüber selten unter 0. Man fühlt sich hier aber wie in einer Arktisstation und sucht nach Kurt Russel oder dem DING, ein "Ding" gab es hier auch nur nicht das von Kurt R.)

Die daran anschließende "trojanische" Mensch/Pferd-Szene allerdings kann man als Paradebeispiel für meine Sichtweise auf den Film nehmen.
Denn einerseits kommt die Szene an sich in dem Moment eher deplatziert rüber, andererseits ist sie nach kurzem Nachdenken aber auch verdammt "ausdrucksstark". Solche Szenen gab es einige Male. Man will sich gerade aufregen, erkennt dann aber...

Was hat der Film DANN zu bieten?

Das sagt ja schon der Titel: Menschen und (ISLAND) Pferde!

Für eine Komödie natürlich viel zu schwach, es gab maximal 2-3 lustige Szenen.
Für eine Doku über Island, Mensch und Pferd zuviele "Menschen"-Szenen die überflüssig wirkten (2 Beerdigungen, Tötungsszenen, Treckerszene)

Der Film war, grenzt man ihn auf diese zwei Genre ein, irgendwie weder Pferd noch Fleisch.

Dafür gibt es aber eine Menge wirklich prächtiger Islandpferde zu sehen, ein schwimmendes Pferd auf dem Meer(!), grandios verträumte, unberührte aber auch ruppige Landschaftsimpressionen, einige großartige Kameraeinstellungen (Mensch der sich im Auge des Pferdes spiegelt, Unterwasseraufnahmen von "rennenden Hufen", eine riesige Ansammlung von Pferden mit herauszoomender Kamera)

Metaphern gibt es hier auch, ich glaube sogar ich muss noch eine 2te Sichtung vornehmen um alles zu entdecken. ...Liebe macht blind? ...Selbst in den "zerschnittenen Zaun" könnte man durchaus Diverses 'reinmetaphern ...Islandbewohner und ihr Bezug zu Alkohol (Pferd/Meer-Szene)...

Es wird viel geritten, auch gerne mal Mensch auf Mensch, in der Regel aber dann doch Mensch auf Pferd, Liebe ist also auch drin im Film, und dann ist da noch diese teils fast hypnotische Musik! Klänge bei denen ich dachte: Huch, Ennio M., bist du es? wechselten sich ab mit Folklore und eher "spacig" starkem Sound.

Kaum hat man sich aber träumerisch auf die malerischen Bilder eingelassen, wird der filmische Stil so derart gebrochen, den wird man wohl nie wieder flicken können. Ich fühlte mich da teilweise unfreiwillig und mit Gewalt aus dem "eskapistischen Spieleland" abgeholt, mitten in eine anmutige Szene ein fast schon Monty Python-artiger Gag mit einem Bauern der mit Trecker 'nen steilen Abhang runterkachelt, dabei wollte er gerade einen anderen "überfahren" der ihm die Zäune kaputt geschnitten hat.

Ja, klingt vielleicht ulkig, ist aber auch nur eine kurze Szene, das Wort "aneinandergereiht" ist hier zu Hause, denn in der Tat sind hier einfach irgendwelche Szenen und Begebenheiten aneinandergereiht und ergeben...

...zwar handlungsbezogen (k)einen Sinn, aber dann doch wieder viele Interpretationsmöglichkeiten für Vieles!

Ich schließe zusammenhanglos mit rezitierten Worten aus dem WWW:

"...sei froh, dass du ihn nicht gesehen hast, wenn du ein Herz für Tiere hast..."

ICH sage: Ich habe ein Herz für Tiere, inzwischen fast mehr Herz für Tier denn Mensch, und ich bin froh DASS ich ihn gesehen habe!

Denn was der Film vor allem geschafft hat ist das ich selbst jetzt, fast 15 Stunden später noch immer über "ihn" nachdenke, und damit hat ein Film bei mir schon mal Vieles richtig gemacht. Nachdenken ist immer 'ne feine Sache.

Für "normale" Zuschauer ist der Film sicher nicht zwingend zu empfehlen, und Betroffenheits-Bettinas sollten den Film ebenso links liegen lassen. Wer aber gerne abseitige, skurile, sperrige, querdenkerische, stille aber auch sehr stimmig gefilmte und vertonte Impressionen mit kleineren Gageinlagen mag und sich für Pferd und Island interessiert darf und sollte hier mal reinsehen.

Ärgerlich an dem Film fand ich nur eine Sache, dass man tatsächlich im Abspann erwähnen muss, das KEINE Tiere für diesen Film getötet oder verletzt wurden.
Ja gibt es denn allen ernstes Menschen die das glauben? Ich glaub es nicht!

DAS finde ICH persönlich: absurd und idiotisch!

Regisseur Benedikt Erlingsson widmete diesen Film übrigens seiner Mutter, sehr fein und mir hat der Film unterm Strich, bis auf einige Stellen die ich für mich persönlich als deplatziert empfand - andererseits mag ich Metaphern, und die gab es dann gerade in diesen Szenen zu sehen - sehr gut gefallen. Ein merkwürdiger Film...ich muss noch mehr darüber nachdenken, gebe derweil:

zarte, ruppige und vor allem "gefühlte": 7/10

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