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Sobald der Name „John Huston“ anklingt, gehen bei Filmfreunden zumeist die Augen auf, schließlich hat der Mann mit seinen Abenteuerdramen wie „African Queen“ oder „Der Malteser Falke“ Filmgeschichte geschrieben. Dass er menschlich ein eher schwieriger Charakter war, der viele Dinge anfing, aber Schwierigkeiten beim Beenden hatte und mit Geld eher spontan umging, führte leider auch dazu, dass er ab den 60ern immer wieder Filme drehte, bei denen sich Historiker jetzt eher am Kopf kratzen.
Das kann man dann immer noch als „kreativ“ ansehen, doch seine Beteiligung an dem kanadischen „Phobia“, noch dazu auf dem Regiestuhl, scheint nun gänzlich dem Lohnscheck geschuldet. Kreatives Interesse kann man hier nirgendwo nachweisen.

Man ahnt es jetzt schon, das ist kein guter Film geworden.
Um ehrlich zu sein, ist es ein richtig mieser Film geworden, bei dem sensationelle acht Leute an Story und Skript gewerkelt haben – und diese Flickschusterei sieht man dem Produkt dann auch an. Man möge sich also nicht allzu viel davon versprechen, dass sich Namen wie Ronald Shusett und Dan O’Bannon (beide „Alien“) oder Jimmy Sangster (Hammer) finden, der finale Brei ist übler Murks.

Alles dreht sich um Dr. Peter Ross, einen aus nicht näher definierten Gründen gefeierten Psycho-Onkel, der mit einer Art imbezilen Konfrontationstherapie (via Videoleinwand) einige Deliquenten und Gefängnisinsassen von fünf dekorativen Phobien (u.a. Schlangen, Agoraphobie, Klaustrophobie) heilen will. Seine Methoden sind dabei so robust und sein emotionales Engagement so minimal, dass man den Mann vermutlich heutzutage mit Mistgabeln aus der Stadt gejagt hätte.

Es kommt, wie es immer kommt: plötzlich sterben die Deliquenten alle einer nach dem Anderen, vorzugsweise (oder annäherungsweise) durch ihre eigenen Ängste und damit geht nicht nur die Karriere des Starpsychiaters den Bach runter, der ermittelnde Beamte (John Colicos wie immer in Topform) ist auch schon bald schwer genervt.

Wobei: man erwarte bitte keinen ausgefeilten Bodycount Marke „Fünf-Kleine-Sträflingsköpp“, denn das Ableben der Betreffenden zieht sich wie Kaugummi. Ist der erste Fall noch hinreichend mysteriös, wird der Zweite an eine aus dem Nichts herbeigeschriebene Autoverfolgungsjagd der Güteklasse C rangeklatscht.
Dass der unheimliche Killer mal Hand anlegt, dauert dann schon bis Todesfall Nummer 3 und dann sind wir auch schon auf der Schlussgeraden, so dass der letzte Mord sogar gleich mal als „nicht im Bild“ erledigt wird (das Opfer war aber auch das Nervigste).

Wer der oder die TäterIn ist, kann übrigens zur Halbzeitmarke auch der Uninteressierteste korrekt vermuten, denn es gibt überhaupt nur anderthalb Tatverdächtige. Davon abgesehen dürfte man sich aber noch mehr durch die Schauspielerwahl brüskiert fühlen, denn Dr. Ross wird ausgerechnet von Paul Michael Glaser gespielt, der vielen noch als Darsteller des „Starsky“ (aus „Starsky und Hutch“) bekannt sein dürfte. Glaser trägt eine frisch hochgeföhnte Afrofrise aus der Mottenkiste und einen Gesichtsausdruck, als könne er nur Teppiche klopfen, sobald das Valium nachlässt.
Mimisch deutlich überfordert, legt er soviel Emotion und Engagement in seine Figur, dass es ein Wunder ist, dass er nicht gleich wegen ungerührter Patientenfolter eingekastelt wird.
Besonders schön trifft das bei Opfer Nr.1 zu, welches zwecks Therapie (Angst vor Menschenmengen) von Ross irgendwo zur Rush Hour nach Downtown gekarrt wird, um dann seinen Weg in sein Apartment zurück zu finden. Während die Holde fast einen Kreislaufkollaps in der Bahn bekommt, kehrt er nach Hause zurück, wo ihm siedendheiss einfällt, dass er ja Donnerstags immer Eishockey spielt und verzupft sich zum Bully. Weswegen dann auch eine sichtlich überforderte Haushälterin mit der fast hysterischen Patienten zu tun hat, ehe das Schicksal zuschlägt.

Ganz so besonders doof ist das dann übrigens gar nicht, nur ausgesprochen pseudopsychologisch, ein wenig idiotisch und sehr, sehr langweilig. Da passiert einfach nichts, außer dass Glaser mit genau EINEM Gesichtsausdruck alles erledigt, seine Kollegin besorgt schaut und sein Mäuschen ihm und uns die Ohren vollheult.

Besonders pferdvoll ist auch die Auflösung des Spuks, die schwer nach „komplett behämmert und an den Haaren herbei gezogen“ müffelt, die Begründung lässt sogar komplett die Kuh fliegen, weswegen es nahe liegt, dass in Wirklichkeit Hustons Chauffeur das alles inszeniert hat.

„Phobia“ ist heutzutage übrigens nicht leicht zu kriegen (was nicht schlimm ist), kann aber augenblicklich via einer großen Videoplattform auf englisch „erfahren“ werden. Bitte Geduld und viel Kaffee mitbringen. (2/10)

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