Es gab eine Zeit, in der holte man seinen Walkman hervor, legte eine Kassette ein, setzte sich den Kopfhörer auf und joggte los, - heute kaum mehr möglich. Und es gab auch eine Zeit, in der man mit Füllfederhalter einen Brief schrieb und ihn der Brieftaube umband, auf dass einem die Liebste antworten möge, - nunmehr gänzlich unmöglich.
Im digitalen Zeitalter wird beinahe alles per Rechner gesteuert und überwacht und da erscheinen Manipulation und Verbrechen leichter als jemals zuvor, wie uns der Cyber-Thriller von Autor und Regisseur Nacho Vigalondo veranschaulichen möchte.
Blogger Nick (Elijah Wood) ist mitsamt Laptop im Hotel angereist und freut sich auf einen tollen Preis, nämlich ein Abendessen mit seiner Lieblingsschauspielerin Jill (Ex-Pornostar Sasha Grey). Als Nick von Chord (Neil Maskell) kontaktiert wird, ahnt er noch nicht, dass er sich bereits inmitten eines perfiden Spiels befindet, bei dem nicht nur sein Leben, sondern auch das von Jill in Gefahr ist. Doch ihm bleibt keine andere Wahl, als die Flucht nach vorn anzutreten...
Die Optik ist zunächst gewöhnungsbedürftig, da man sich das Ganze wie rasch ablaufendes Geschehen auf einem Desktop vorstellen muss, auf dem die titelgebenden Fenster im zügigen Wechsel erscheinen, sich vergrößern und verkleinern, gesplittet und in den Hintergrund verschoben werden, wobei auch mal Perspektiven eines Handys oder Satellitenbilder, Überwachungskameras oder Kamera am Laptop verwendet werden.
Sozusagen Found Footage per Mausklick.
Die Geschichte selbst wird bis auf wenige Momente in Echtzeit präsentiert, was ein entsprechend hohes Tempo zutage fördert, jedoch auch zahlreiche Unwahrscheinlichkeiten mit sich bringt, zumal irgendwann eine dritte Partei in Form von französischen Hackern mitmischt und einige Abläufe ein wenig abstrus erscheinen lassen.
Denn nicht überall auf der Welt sind Kameras installiert und es erscheint reichlich hanebüchen, dass eine Person in völlig finsterer Umgebung per 3D-Kameras ohne Einschränkung relativ deutlich zu sehen ist.
Dennoch kaschiert das spannend aufgezogene Katz- und Maus Spiel einige dieser unlogischen Mankos, zumal Elijah Wood einmal mehr recht glaubhaft performt und Sasha Grey mit einem ironischen Seitenhieb auf ihre Vergangenheit punktet, obgleich sie im Verlauf für eine Szene ihre Kissen entblößt und ansonsten nur wenige Möglichkeiten erhält, ihre mimischen Qualitäten zu präsentieren.
Leider sackt das letzte Drittel in Sachen Plausibilität noch ein Stückchen ab und präsentiert uns das eine oder andere As im Ärmel, was letztlich ins nahezu Groteske abdriftet. Nimmt man das Ganze jedoch mit etwas Humor und Augenzwinkern, könnte es auch als satirischer Hieb auf die digitale Welt als solche verstanden werden, was den Gesamteindruck wieder ein wenig relativiert.
Zumindest bleibt unterm Strich ein temporeicher, nicht selten spannend aufgezogener Thriller mit interessanter Optik, der ein latent gutes Timing in Sachen Schnitt und Kamera aufweist und mit soliden darstellerischen Leistungen punktet.
Hackern und Netzwerknerds sträuben sich bei alledem wahrscheinlich die kaum vorhandenen Nackenhaare, doch die senden ja auch keine Brieftauben mehr aus...
7 von 10