Horror - Anthologie jüngeren Datums in zwei kurz aufeinander veröffentlichten Teilen, die jeweils die Beschäftigung schon prominenter, nicht unbedingt sonst mit dem Thema in Kontext genommener Regisseure und Darsteller unter dem Dach von Autorin Lilian Lee beinhaltet. Dabei wurde zur Beginn der Ankündigung des geteilten Projektes die Rückkehr zur Tradition des Hongkong - Kinos und ein Wiedererstarken einheimischer Produkte gefeiert, wobei diese Proklamation eher als Marktgeschrei zu verbuchen statt großartig mit Wahrheitsgehalt ausgestattet ist. So hat die Gattung des Horrorfilmes und gerade die Form einer short story statt dem Neunzigminüter in der ehemaligen Kronkolonie durchaus eine Geschichte, nicht aber wirklich einen Ruf, und schon gar keinen außerhalb des Landesgrenzen hinaus vorzuweisen; sind neben einigen früheren Shaw Brothers Eskapaden wie Haunted Tales (1980) oder Fearful Interlude (1975) in derlei Variation doch nur die langlebigen, im Gesamtblick aber eher niederen Troublesome Night Folgen (1997 - 2003) überhaupt nur von Bewusstsein.
Episode Nummer Eins stellt dabei auch gleichzeitig die erste Regiearbeit von Simon Yam, nach jahrzehntelanger Erfahrung mit dem Genre vor der Kamera und vor allem auch bekannt durch die Beteiligung an den Charakterporträts in diversen berühmt-berüchtigten Category III Werken dar. Auch "Stolen Goods" ist ein Porträt, die Geschichte des Einsiedlers Kwan Fu-keung [ Simon Yam ] in der Gesellschaft, der in der Mitte seines Lebens dies eigentlich bereits verlassen hat, da er Nichts und Niemand mehr besitzt. Statt einer eigenen richtigen Wohnung hält ein Bretterverschlag, ein größerer Aufbewahrungsraum mit allerlei Düsternis und Krimskrams in allen Ecken als Unterschlupf her, der keine Heimat und keine Heimeligkeit am Bieten ist. Statt eines richtigen Berufes wird notgedrungen ein stetig wechselnder Tagelöhnerjob gewählt, Kontakt zur Außenwelt ist vage und ohne Persönlichkeit und Zuspruch und wird stattdessen durch Selbst- und Zwiegespräche und vielleicht noch Kommentare zum momentanen Desaster ersetzt.
Yam spielt die Rolle natürlich im Schlaf, verzettelt sich dabei aber ebenso wie die Wahl der zusätzlichen Akteure in Klein- und Kleinsauftritten wie Lam Suet, Maggie Siu, Yuen Qiu, ausgenommen vielleicht noch Felix Lok in doch eher chargierenden Spiel, dass immer wieder Durchbrechungen in der ansonsten so inszenatorisch reliablen Performance macht. Ein Zwischenreich aus Leben und Tod mit mehrerlei Andeutungen der Missstände der Gegenwart als Verursacher allen Übels, soziopolitischen wie finanziellen wie ethischen Aussetzern der modernen Gesellschaft wird dabei in der Kürze der ersten 35min formuliert. Formell regt dieses aktuelle Geisterwesen aus etwas Maskerade, vielleicht zwei deutlicheren Effekten, dem Hinübergleiten von der Normalität in die Phase des wachen Schlafens, der Paranoia, der wahnhaften Orientierungslosigkeit und Isolation eher nicht an, werden die üblichen Verfremdungen, Verzerrungen und Verzehrungen in zuverlässiger Weise aufgeführt. Die Grundidee selber und die Geschichte, die sich im Kreise des Schicksals vor und zurück und mit einigen erst mysteriösen Erscheinungen und so Fragezeichen dreht, kann allerdings durchaus einige Gedanken über das Verhalten und Empfinden der Personen annoncieren.
Kein großer Wurf, aber die gelungene Einleitung und sicherlich kein falscher Schritt; das Anspiel zu einer erhofften Wiedereröffnung vom Gang in den Schrecken, der hier sicherlich nicht im kick-off, aber den ersten Ansätzen zu Mehr erfolgt. Denn auch die Zweite Episode "A Word in the Palm", der Mittelteil, vom genrefremden Lee Chi-ngai gedreht, geschnitten, und geschrieben, setzt sich in das weiterhin Private, in das Innere der Seele und seine unterschiedlichen Gefühle ab. Immerhin besteht hierbei nun eine Interaktion zwischen den Figuren, zwischen dem kurz vor dem Ruhestand befindlichen Hon [ Tony Leung Ka-fai ], der sein Wahrsagergeschäft auch aufgrund hoher Mieten schließen muss, seiner auch mit derlei Tand und Talmi hantierenden Kollegin Lan [ Kelly Chen ] und Hons in Trennung lebender Ehefrau [ Eileen Tung ] sowie einem weiteren im Dreieck zueinander befindlichen Pärchen. Kommunikation wird dabei groß geschrieben, Rätseln auf den Grund gegangen, eine heimliche Affäre aufgedeckt und ein folgender Suizid als erstes Übel des Betruges und als bald weitere Gefahr für das eh schon brüchige Glück erkannt. Auch hier spielen wieder Geistererscheinungen aus dem Reich der Toten das entscheidende Mittel der Metaphorisierung, wird auch hier wieder ein Sprüchlein aus dem Kleinen Psychologen für den Hausgebrauch als verabschiedendes Zitat und Fazit des im Grunde nichtigen Ganzen gereicht. Die Kreation vom sowieso eher im leisen Bereich von Drama und Romantik profilierenden Lee, der in seiner Laufbahn einzig mal mit dem Skript in Co-Arbeit zu The Returning (1994) mit der hier gefragten Gattung beschäftigt hat, hat dabei weder die richtigen Ideen noch die gefühlvolle Umsetzung all dieser labilen Gefühls- und Denk- und Lebensweisen vorzuzeigen. Gut gemeint vielleicht, aber mehr dann auch nicht.
Den krönenden Abschluss und Beweis all der Dinge, die vorher nur gesagt, aber nicht empfunden wurden, legt Fruit Chan Goh, kurzfilmerfahren auch durch die 1:99 Shorts (2003) und natürlich Three... Extremes (2004) mit seiner "Jing Zhe" Episode vor. Wieder am Ende eines scheidenden Tages angelegt, versteift sich die Geschichte nicht komplett in der Abgeschiedenheit eines Ortes, sondern setzt sich inmitten in der Gesellschaft, an der Straßenkreuzung des Canal Road Flyover und so direkt in der Stadt selber fest. Umwandert und bevölkert in der Umgebung, die mal mit handheld-Kameras durchwankend und mal aus der Distanz einer sowieso anonymisierten Zivilisation beobachtet wird, ist auch hier die ureigene chinesische Folklore und das Schattenreich mindestens zweier Existenzen, zwischen Leben, Ableben, Abschied als Kondition des Milieus und Kriterium der Prämisse gefragt. Vom Jing zhe, dem 'Erwachen der Insekten', ein Zeitraum um den 5. bis 7. März des Gregorianischen Kalenders und dem dort traditionellen Ta Hsiao-jen, einem Zauber- und Verfluchungsritual wird erzählt. Eine häufig genutzte Variante des Verwünschens unliebiger Personen, hier von der betagten Chu [ Siu Yam-yam ] gegen Bares ausgeführt, wobei erst wenig Überzeugungskraft in die Arbeit für die Klienten [ u.a. Josephine Ku & Lo Hoi-pang ] gesteckt, aber mit dem Auftreten eines jungen Mädchens [ Dada Chen ] plötzlich umso aktiver agiert wird.
Vom Material selber her wenig ergiebig, aber der Präsentation, von ein bis zwei schlechten Effektszenen abgesehen eine ergreifende Überschneidung von Realität und Phantastik, die weiterhin in Trostlosigkeit, da Abkapselung und Separierung der Menschen in der Großstadt schwelgt und mit düsteren Regungen entlässt. Auch die einzige ernstzunehmende Einheit der Anthologie, im hit-or-miss System.