Die technische Entwicklung vom Modell Frankenstein schreitet rasch voran, seit Computertechnologie beinahe den Rahmen menschlichen Vorstellungsvermögens sprengt.
Autor und Regisseur Caradog W. James setzt bei seiner Zukunftsvision auf eine simple Umkehr der Genrekonventionen, da der titelgebende Cyborg nicht nur zur sympathischen Erscheinung mutiert, sondern auch am meisten Emotionalität einbringt.
Irgendwann in der Zukunft herrscht Kalter Krieg zwischen China und den westlichen Nationen, welche in dem Bereich künstlicher Intelligenz forschen, um eine gewisse Vorherrschaft zu erlangen. Forscher Vincent (Toby Stephens) ist zwar Vorreiter auf diesem Gebiet, wird jedoch aufgrund seiner schwer kranken Tochter unter Druck gesetzt, seine soeben ermordete Kollegin Ava (Caity Lotz) zu einer Tötungsmaschine umzuprogrammieren. Diese reagiert allerdings humaner als erwartet...
Die Geschichte ist stark auf die Charaktere fokussiert und interessiert sich nicht für Entwicklungen außerhalb der Forschungsanlage, weshalb der Hintergrund des aktuellen Weltgeschehens lediglich angerissen wird. Vincent steckt stets in der Zwickmühle, da er Cyborg Ava als Maschine mit Gefühlen und Bewusstsein betrachtet und sie nicht als Kriegswaffe missbrauchen möchte, andererseits jedoch unter dem Druck seines Chefs steht, der bei Versuchen ohne Wimpernzucken über Leichen geht.
Ava macht indes eine beinahe skurrile Entwicklung von einer leicht naiven Studentin hin zu einem zunächst beinahe kindlichen Roboter bis zu einer Amazone durch, die es mit ganzen Einheiten aufnimmt. Die technische Umsetzung ist trotz des eher geringen Budgets erstaunlich überzeugend ausgefallen, was nicht zuletzt dem vollen Körpereinsatz von Caity Lotz geschuldet ist. Überhaupt erinnert die Optik ein wenig an Genrebeiträge der Achtziger und Neunziger, denn der Einsatz von Computereffekten ist überschaubar, während es ein paar recht ästhetische Kompositionen mit schicken Farbkontrasten zu erleben gibt, etwa, als Ava in einem Raum mit feuchter Oberfläche zu klassischer Musik tanzt.
Natürlich ist das Thema der Manipulation und der Bewusstseinsveränderung im Bereich der künstlichen Intelligenz nicht neu, doch die Konzentration auf das Wesentliche zahlt sich merklich aus, da die Geschichte zunächst ruhig vorgetragen wird und sich überwiegend auf die persönlichen Umstände der Figuren konzentriert, um im letzten Drittel ein wenig Fahrt aufzunehmen und einige kleine Actioneinlagen zu präsentieren, auch wenn die dazugehörigen Fights keine sonderlich akrobatischen Momente beinhalten.
Zwar stagniert die Geschichte im Mittelteil kurz und entsprechende kleine Wendungen sind aufgrund der simplen Konstellation absehbar, doch im Gesamtbild liefert Caradog W. James einen ansehnlichen und aufgrund des spannenden Kernthemas unterhaltsamen Streifen, der mit ansprechender Optik, einen recht atmosphärischen Score und grundsoliden Mimen punktet.
7 von 10