Review

Staffel 1

---{«In liebevollen Andenken an den Franz, 2006-2016, und ewig»}--

Als 'Tante Jessica' 1984 zum ersten Mal in die Bestsellerlisten, damals noch mit ihrem in der Freizeit geschriebenen Kriminalroman "The Corpse danced at Midnight", und anschliessend gleich als Hobbydetektivin in das Blickfeld des Zuschauers trat, löste die Serie einen langanhaltenden, im Grunde bis heute bewährten und weltweiten Erfolg aus. Das produzierende Fernsehstudio der Columbia Broadcasting System (CBS), Anfangs der Achtziger mit u.a. Magnum, Agentin mit Herz, Simon & Simon und natürlich allen voran Dallas noch führend in der Dominanz, konnte sich in der zweiten Hälfte des Jahrzehntes nur hiermit allein gegen die wiedererstarkenden Phalanx von ABC und vor allem NBC und deren Sitcomschiene rehabilitieren und versuchte sich entsprechend dessen auch im Anschluss mit allerlei artverwandten Ideen, die auch gut in der Gunst des Zuschauers, aber sämtlich und sonders nicht annähernd so zugkräftig liefen. [Neben dem kurzlebigen Spinoff The Law and Harry McGraw (1987) – welches hier mittig in “Jugendsünde mit Folgen“ und Jerry Orbach als Titelfigur erstmals vorgestellt wird –,  kann man auch Matlock ((1986 - 1995), Ein gesegnetes Team (1989-1991) und Diagnose - Mord (1993 - 2002) dazu zählen.]

Während heutzutage der Krimi als Genre längst auf allen Kanälen präsent und als Dauervariation gängiger Themen und oftmals schlicht nur die Wiederholung von Grundzügen von Dramaturgien ist, konnte sich Mord ist ihr Hobby auch in der Schleife auf Abspielsendern (wie hierzulande Kabel1 oder Sat1 Gold) in der Nachhaltigkeit und auch in der finanziellen Wertschätzung durch die Auswertung auf DVD und nunmehr auch Blu-Ray behaupten. Mittlerweile spielt der Nostalgiebonus des damals aktiven Zuschauerkreises und der dem Früher und im Heimweh nachtrauernden Belegschaft sicherlich auch seinen Faktor in der Bewertung der Serie mit, genauso wie beizeiten der Spott und die Häme im Gegenteil auch auf diese Friedlichkeit, Behaglichkeit, Zeit- und Logikuntreue und allgemeine Biederkeit, die sicherlich (teilweise in rauen Mengen) vorhanden ist, zielt.

Im Pilotfilm als Langspielfolge "Der Mord an Sherlock Holmes" wurden dafür bereits die Weichen gestellt, die Hauptperson, die in jeder Folge entsprechend auftritt und so im Vordergrund steht, bereits ausreichend eingeführt und für die nächsten noch kommenden, langjährigen und in alle Herren Länder führenden Abenteuer vorgestellt. Eine noch engagierte Englischlehrerin, die im Fischerstädtchen Cabot Cove, Einwohnerzahl 3560, ihren Alltag mit zumeist nützlichen Dingen verbringt, und deren unerwarteter Ruhm sie alsbald von der Heimat weg und in die Ferne, und dort zumeist auf die Spur eines Mordes in direkter Umgebung lockt. Der jeweils ermittelnde Polizist hat gegen die Amateurin mit der eigenen Beobachtungsgabe natürlich seinen Groll, während diverse Nichten und Neffen von 'Tante Jessica', gefühlt eine Hundertschaft an der Zahl, um ihre Hilfe bei Verdächtigungen gegen sie umso dankbarer sind. Mehr passiert im Grunde nicht und das reicht aber auch, wie die Anzahl der Episoden, plus die noch nachgereichten vier Fernsehspielfilme und die Ausdauer auf den Mattscheiben damals und heute noch beweist.

Das Genre ist dabei weniger der Abenteuer - Krimi, wie es damals gerade zu Beginn mit den bereits oben genannten Vertretern gefragt war, sondern die Abart der Cozy Mystery Drama, die vermehrt der britischen Herkunft, hier speziell aus der kurz zuvor angelaufenen Miss Marple - Reihe der BBC zugeschrieben werden und eine bestimmte Situation und ein bestimmtes Gefühl, dass der selbstgeschaffenen Gemütlichkeit und des Komforts angesichts und trotz des Trubels da draußen miteinbeziehen.  Im inneren Auge ist dies das Lesen eines 'guten Buches', eingewickelt in eine warme Wolldecke und den Tee griffbereit, während außerhalb des Hauses das Wetter trüb und kalt und nass ist und man sich eine Ecke der Besinnung schafft. Mord ist ihr Hobby macht dasselbe in seinem medialen Bereich und spielt auch eindeutig mit den Umständen damit, wobei das Gelingen darin vielmehr nur in der ursprünglichen Lokalität des Cabot Cove, einer Vorstellungsblase von einem in der Zeit stehengebliebenen Phantasieort, einer alten Piratenhochburg zu sehen ist, dass eher in den Sechzigern und dann archiviert und konserviert für die Ewigkeit, als ein Museum halt zu verorten ist.

Folge 1 "Jessica und die Damen vom Boot" nach dem Pilotfilm ist gleich wie dort von Peter S. Fischer, diesmal nur allein geschrieben und von Corey Allen gedreht. Diesmal bleibt man direkt vor Ort, bewegt sich quasi aus dem Inneren von Amerika, aus der Durchschnittsbevölkerung und so dicht am Publikum entlang heraus. Anders als noch im Zweiteiler, der gleich mehrere Umwege und dort auch die Wiederholungen ging, ist man hier wesentlich dichter am Plot; was im Grunde schon in den ersten Aufbauten, einem Orkan vor der Küste zu dunkler Nacht und einem SOS-Rettungsruf eines strauchelnden Schiffes gelingt. Dass an der Sache etwas faul ist, merkt der Zuschauer und so zeitgleich zu seiner Hauptfigur auch, wird hierbei nun ein überaus konstruiertes, nichtdestotrotz interessantes) Rätsel entwickelt, in dem man manchmal gar der Hobbydetektivin voraus aus, die Lösung des verworrenen Ganzen aber dennoch noch nicht kennt. Zudem werden weitere feste Figuren eingeführt, wobei der lokale Nachtwächter Captain Ethan Cragg [ Claude Akins ] und besonders Sheriff Amos Tupper [ Tom Bosley ] als zwei gestandene Mannsbilder an Jessicas Seite und so wie als Festungen im Sturm als zusätzliche Verstärkung, wenn auch weiter den Altersdurchschnitt erhöhend, Richtung Frührente und darüber hinaus präsent sind. [Fischer schrieb u.a. auch Folge 5 "Der Studienfreund", bei der man am Ende der in Seattle an der Universität spielenden Geschichte nicht mehr weiß, was noch am Anfang gefragt war und was überhaupt passiert und was daran überhaupt wichtig und was nicht wichtig ist. Vermutungen nach wird diese Episode auch als erste Dreharbeiten nach dem Pilotfilm angeordnet und teils auch als Art zweiter Pilotfilm gesetzt, wobei ausnahmsweise auch ein offenes Ende und viele Stolpersteine, Fragezeichen und womöglich Kürzungen mit im Spiel sind, und man insgesamt in der von Andrew Stevens dargestellten Person späteres Fernsehgeschehen wie Stalker bereits beängstigend vorwegnimmt. ]

Folge 2 "Doppeltes Spiel" fährt schon wieder hinaus aus der provinziellen Idylle, in die Großstadt, diesmal nicht nach New York, sondern gegenüber gelegen San Francisco, inklusive den üblichen Wahrzeichen der Golden Gate Brücke im Intro, Alcatraz, die Cable Car bspw., und ansonsten in das gleichso statthafte Polizeirevier als zweiten Schauplatz der Episode und ein illustrer Nachtclub als Hauptort der Geschichte hinein. Wieder ist ein Angehöriger in Gefahr, diesmal nicht direkt unter Mordverdacht, wird aber die bevorstehende Ehe durch den Schatten der Verdächtigung auf den angehenden Lebenspartner gestört und wird jede Hilfe und Tatkraft seitens Tante Jessica benötigt. Eine Handlung nach bereits früh gängigen Muster, in dem diesmal aber der eigentlich ermittelnde Polizist erneut als Mit- und Gegenspieler präzise geschrieben und mit Harry Guardino auch so besetzt ist, und die weitere Riege an Gastdarstellern mit u.a. Martin Landau, Jeff Conaway, Richard Gautier, Barbara Rhoades usw. usf. dem (damaligen) Publikum auch äußerst geläufig, und dienlich im Folgen vom Hin und Her in der Recherche ist. Neu ist, dass man diesmal auch Einblicke in die andere Seite der Perspektive, also auf die Verdächtigen und ihr Untereinander und so mehr Wissen als die Amateurdetektivin erhält. Miss Fletcher selber hat hier früh in der Historie übrigens bereits schon ein halbes Dutzend Bücher geschrieben, plus einem Filmskript, was sie fast zum Herbert Reinecker von Neuengland macht und mit ein Beweis dafür ist, dass der Serie wirklich nicht notwendig in der Reihenfolge der Ausstrahlung zu folgen ist.

Ebenfalls unterwegs ist man in der Folge 3 "Im falschen Film", die wie so oft später noch in der Serie reproduziert an einem Filmset und dort zu den geplanten Dreharbeiten für die Umsetzung eines der Romane von 'J.B. Fletcher', in diesem Fall das Erstlingswerk führt. Debüts werden gleich mehrere veranstaltet, neben dem Schauplatz Hollywood, der zuhauf noch zu tragen kommt, und der (kurzen) Annahme, dass Fletcher selber die Tatverdächtige sei, wird das Skript hier von Robert Van Scoyk entwickelt, der auch aus dem Dunstkreis von (unter anderem) Columbo kommt, und nun für Mord ist ihr Hobby die nächsten Jahre mit gut 20 Arbeiten tätig sein soll. Entscheidend ist hier weniger das Wie, sondern das Was, und nicht das Ziel, sondern der Weg, ist die Übertragung der Medien von Buch zu Film – es soll eine Mischung aus Halloween, Porky's und Flashdance werden –, nicht uninteressant, und der Blick von Hollywood auf sich selbst, was hierbei natürlich stark vereinfacht wird und von allerlei Klischees für die Verträglichkeit des Zuschauers lebt. So lernt man bspw., dass der Produzent für den Film wichtig ist, und vielleicht danach noch der Regisseur, der Autor jedenfalls nicht, und die vierte Person in der Hierarchie ist dann schon die Kostümbildnerin, und vielmehr kommt dann auch nicht. Ein ganz romantischer Abstecher in die Traumindustrie, die in diesem Fall auch cozy per se ist, vor allem an dem Set (Friedhof wie zu alten Hammer-Zeiten, und gar mit entsprechendem Plakat, was auch eher die bunten Sechziger und ihren Gruseltrieb darstellt). Helfen dabei tun auch die Besetzung, die mit u.a. John Astin, John Saxon, James MacArthur, Virginia Mayo,  Melissa Sue Anderson usw. usf. wieder zahlreich an Prominenz vertreten ist.  

Seltsam aus der Zeit gefallen und von ganz weit entfernt scheint auch der Einstieg zur anschließenden Geschichte "Ein Hundeleben" zu sein, in dem mit einem Jagdausflug hoch zu Ross, in Reituniform von roten Jacketts und weißen Hosen, umgeben von einem wuselnden Hunderudel und mit viel Schampus als Anreger für die Feudalherren begonnen wird. Gänzlich fern von Raum und Zeit ist auch der folgende Plot, der zwischen bereits eigener unfreiwilliger Parodie auf die eigene Serie und dem unbedingten Willen zum Komfort für den Zuschauer, auch entgegen aller Durchsichtigkeit und gleichzeitig Überkonstruiertheit schwankt. Ein vollkommen haltloses Geschehen, bei dem am Ende selbst Mrs. Fletcher als Berater für das Gericht Mühe hat, die Anwesenden von ihrer Theorie und Aufklärung zu überzeugen, dies dem Vergnügen so keinerlei Abbruch tut; auch wenn es insgesamt schon sehr hanebüchene Kost für die ganz seichten Gemüter ist. Inklusive einem Wiedersehen mit Disney-Star Dean Jones, stilecht in gleicher Mimik und Gestik wie bei seinen Kinder- und Jugendfilmen. [War der Hund als Tatverdächtiger noch nicht genug, wird in Folge 6 "Ohne jede Chance" ein führerloses Auto als Tatwaffe, also quasi Der Teufel auf Rädern eingesetzt.]

Dass, was dann später gang und gäbe in der Serie, in der Veränderung auf Zeiteinflüsse und als Anpassung an neue Zuschauergewohnheiten scheinbar nötig war, nämlich die Verlagerung in  eine Spionageserie, erfolgt in Episode 9 "Der Tod kommt zum Applaus" das erste Mal. Geschrieben vom danach nur noch einmal eine Idee einreichenden Paul W. Cooper wird hier auch das erste Mal das Zeitgeschehen selber, nämlich die Phase des Kalten Krieges, das Misstrauensverhältnis zu den 'Russen', gespielt von u.a. William Conrad als zwiegespaltener und auch so wirkender KGB - Major installiert. Es geht wie üblich zu der Periode um ein Überlaufen von einem Land in das scheinbar gelobte, in dem die Tore offen und die unbegrenzten Möglichkeiten für Alle bestehen. Ein Teil der Folge, die der Ermittlung und der Flucht selber spielt in Boston, die des Versteckens der Abtrünnigen und die Aufklärung des Ganzen dann in Cabot Cove, dass, obwohl "ein unbedeutender, winziger Fleck auf der Landkarte" hier quasi als Schutzzone, als die Schweiz von Maine, als Trutzburg vor allen widrigen Einflüssen herhält. Dennoch hat die Serie hiernach ihre Unschuld so ein wenig verloren, wird auch der eingangs als zweite oder dritte Hauptrolle gesetzte Captain Ethan Cragg anschließend nicht mehr involviert, während stattdessen die schleichende Zermürbung beginnt. "Die Strömung steigt. Die Flut nimmt zu."

Nach einigen hier schon routinierten Füllepisoden, die keinerlei Besonderheiten aufweisen, nimmt die Folge 14 "Gefährliche Kreuzfahrten" vom Schauplatz der “Queen Mary“ her das in Staffel 6 ebenso dort spielende “Eine große, alte Dame“, nur in der Gegenwartskulisse statt wie dort in der Vergangenheit Mitte der Vierziger vorweg. Statt Nazis und Kriegsheroen hier also das normale Volk, wenn man den bebrillten Lehrer mit Nahkampferfahrungen, das ältere Damenduo auf Männerschau, die psychiatrisch behandelte zwanzigjährige Witwe [ die von der damals fast doppelt so alten Belinda Montgomery gespielt wird ], den aufdringlichen Latino -Steward, und Leslie Nielsen als Kapitän denn dazu zählt. Nielsen selber erdet allerdings den ganzen Psychoquark, der sich an Bord abspielt – Drehbuch natürlich von Peter S. Fischer – und selbst im Nachhinein, in der Erklärung nicht nachvollziehbar wirkt, während Lansbury selber kurz vor Ende eine (anscheinend) betrunkene Fletcher derart überzogen spielt, dass man sich vor Scham schon kringelt.

Von dem begrenzten Schauplatz (des Kreuzfahrtschiffes) her und dem dort veranstalteten Treiben von vielen auffälligen und sich dadurch verdächtig machenden Leuten erinnert man noch vermehrt an die Schriftstücke von Agatha Christie, die derlei Sujets auch gerne bedient hat und was das Publikum auch hofiert und liebt. Folge 15 "Der Tödliche Pfeil“ folgend verdeutlicht dies mit einer zahlenmäßig begrenzten und räumlich auf einer Insel auch noch abgeschotteten Gruppe an Individualitäten und Exzentriker noch mehr, wobei hier ähnlich zu den Christie - Verfilmungen mit Archaismus, Eskapismus und vorhandener Starbesetzung wie Capucine, Stewart Granger, Cesar Romero auch geradezu geklotzt und nicht gekleckert wird. Der Klassiker quasi, mit Herrenhaus, auf dem schon in den frühen Morgenstunden der Alkohol aus bereitstehenden Karaffen konsumiert und ansonsten ebenso fleißig intrigiert und kollaboriert wird. Ein altmodisches, unvergängliches und unverfängliches Krimitreiben – Drehbuch erneut Peter S. Fischer –, dass seine Vorbilder nicht verhehlt und dadurch und hier insbesondere auch die Stärken dieser Art und Herangehensweise in vollen Zügen und Bewusstsein ausspielt. [Ebenfalls in Staffel 6 gibt es mit “Eine Million Dollar“ ein Äquivalent hierzu, nur mit einem nahezu komplett zynischen und korrumpierten Menschenschlag, bei dem die Anwesenden hier geradezu harmlos im Vergleich dazu sind.]

Herausstechen tun später noch vor allem die perfekte cozy und auch entsprechend bei den Liebhabern der Serie hoch angesetzte Episode 19 “Der Tod kommt mit dem Bus“, bei der während des notgedrungenen Zwischenstopps eines Reisebusses von Cabot Cover nach Portland, während einem nächtlichen Regen, vor der niedlichen Raststätte namens ausgerechnet 'Kozy Kookie Kitchen' ein Mord unter den Buspassagieren (darunter Don Stroud und Linda Blair) stattfindet. Beliebt auch, und auch dort an einem eingeschränkten Ort mit wenig Fluchtmöglichkeit und umso mehr Verdächtigen geschürt ist der Anschluss der Folge 20 “Mord mit Vorsatz“, in dem ein edles Krankenhaus in Texas, das sogenannte 'Samuel Garver Institute' ihres Oberhauptes und Namensgeber beraubt wird, und dafür natürlich gerade Mrs. Fletcher mit Gehgips und zahlreichen Gastspielern wie Kevin McCarthy, Bo Hoskins, Martin Kove, Susan Oliver und den üblichen Klischees von der alten verhärmten Oberschwester, den Kompetenzgerangel unter den Assistenzärzten, dem selbstherrlichen Chef unter seiner Mini-Diktatur usw. anwesend ist.

[Der Pilotfilm ist extra besprochen worden. Es werden nicht alle Episoden erwähnt oder gar einzeln rezensiert; unabhängig ihrer allgemeinen Qualität und gegebenenfalls anderer positiver Faktoren waren nicht alle Episoden aussagekräftig genug. Staffel 1 wurde ansonsten komplett gesichtet.]

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