---{«In liebevollen Andenken an den Franz, 2006-2016»}---
Langsam, aber stetig nach unten gerutscht in den Nielsen-Ratings ist die Serie zur Mitte der Laufzeit, zum Bergfest quasi, bei dem es gegen die Übermacht von neuen (Roseanne) oder immer noch starken Sitcoms (Cosby Show, Cheers, Golden Girls) nun endgültig aus den Top Ten hinauskam und auf Platz 13 ging. Zugutehalten muss man, dass Mord ist ihr Hobby nun auch schon in der sechsten Staffel, damit weit fortgeschritten in der Gewöhnung des Publikums und für Ende der Achtziger ein eher atypisches Programm, mit dem etwas darunter liegenden Matlock die einzigen Vertreter in derlei Krimisparte und mit den üblicherweise routinierten Episoden wie bspw. die hiesige Folge 14 “Drama in der Wall Street“ (mit Kevin Tighe, Farley Granger und Barry Van Dyke) und 15 “Villa zu verkaufen“ eher für die ruhigen Herrschaften im Auditorium war.
Zudem sind die Möglichkeiten der Entwicklung der Serie, der Anpassung an eventuell veränderten Geschmack des Publikums von vornherein schon eingeschränkt und zusätzlich durch die Besorgnis um Abschreckung des nicht nur, aber auch vorherrschend älteren Zuschauers zusätzlich gebremst. Versucht, mit warnender Andeutung hat man es dennoch, zumal man bereits früh aus dem beschaulichen Küstenstädtchen Cabot Cove immer mal wieder hinaus in die Metropolen Amerikas und dann bald auch in alle Herren Länder ging. Neben dem Wechsel der Lokalität, der später noch endgültig mit dem Umzug in die Hauptstadt New York und der Fokussierung auf die jüngere Generation als Umgang gänzlich einschneidend voranging, hat man sich gerade nun und hier um mehrere Testballons und auch um eine leichte Dehnung der Grenzen des Krimis, bspw. mit anderen 'Hauptrollen' oder dem Übergang vom sonstigen Whodunit mit fliegenden Wechsel auch hinein in den Agenten- und Spionagefilm bemüht.
Der Grund dafür ist allerdings erstmal ein Notfall, galt der ursprünglich auf 5 Jahre laufende Vertrag von Angela Lansbury nun als hinfällig und eine Verlängerung von ihrer Seite aus als schwebend, je nach Verbesserung bisheriger Bedingungen, neben der Entlohnung und der Mitsprache vor allem auch eine Entlastung ihrer Arbeitszeit und der Möglichkeit für andere Produktionen betreffend gesetzt. Die sechste Staffel (und auch die siebente) sind deswegen als unrühmlich für ihre sogenanntem 'Bookend Episodes' und gleichzeitig auch als Glücksfall für das Weiterlaufen noch bis ins Jahr 1996 plus 4 weitere Spielfilme bekannt.
"Mord in Athen" als Episode 1 des neuen Jahrgangs führt genau dieses, eine Verwirr- und Verschwörungsgeschichte mit Exotenbonus samt Schauplatz erst in Paris, dann inmitten von Griechenland und eigentlich geplant mal in Kairo fort. Ein Jetten (per preisgünstiger Rückprojektion) durch die Welt, dass theoretisch auf Ewigkeit fortgeführt werden könnte, hat man doch die Ausrede und Erklärung einer internationalen Bücherlesung als narrensicheres Visum immer parat. Zudem wird wieder ein alter Freund, der tatsächlich auch ältere MI6 Agent Michael Hagarty [ Len Cariou ] als prompt in die Arme laufender Kontakt reaktiviert, der nicht nur in Schwierigkeiten, sondern als scheinbar ehemals verflossene Flamme, obwohl ein Windhund, auch noch tief im Herzen von Miss Jessica steckt. [Die Hagarty - Figur hat u.a. auch die Staffel 2 und 7 eröffnet, und beschließt die Staffel auch mit Episode 22 “Wettkampf der Geheimdienste“ um das schwarze Büchlein einer Mafiawitwe.] Um bis nach Athen und dort mal zum Plot zu kommen, ist die Einführung schon sehr hoppladihopp und mit vielen Zufällen, der ganz heißen Nadel quasi gestrickt. Gekauft an Zutaten wird sowieso alles, was nicht niet- und nagelfest ist (Kidnapping mit Lösegeld, Waffenhändler, Terroristen, Identitätswechsel, eine richtige Ehefrau und eine falsche, Doppelagenten, ein Juwelendieb) und viel mit den Augen gerollt, changiert und der böse Blick spendiert, was man als Relikt einer Produktion abtun kann, die hier schon eher wie erste Hälfte der Achtziger, also recht veraltet und alles andere als up to date, wie ein Agentin mit Herz oder Remington Steele [1983 bzw. 1982 - 1987 ], nur halt mit betagtem Personal wirkt.
Folge 2 "Das Beichtgeheimnis" betreibt dann etwas Fanservice, bevor es in Folge 3 “Eine große, alte Dame“ rein fiktional wird und auf ein Kreuzfahrtschiff ins Jahr 1943 und dortige Ermittlungen zurückgeht. In “Das Beichtgeheimnis“ werden abermals die Nöte eines Geistlichen um belastendes, aber auch freisprechendes Wissen diskutiert; nicht erst seit Hitchcock ein Klassiker des Genres, der hier keinerlei neues Wissen, dafür aber die heißgeliebte Szenerie von Cabot Cove und deren Anwohner und später in der Handlung auch noch vier willkommene Tatverdächtige erhält. Die Geschichte selber ist bis dahin eher Schmu, die allerdings durch ihre Übertreibungen – u. a. war der Ermordete ein Strolch und der vermeintliche Täter ist geistig retardiert – noch mehr Gewissensbisse bei gleich mehreren Parteien hervorruft und so mehr zum moralischen Drama mitsamt all seinen Nöten, aber in der Kürze der üblichen 45min, der Snack zum Feierabend also wird.
Die Idee mit der “großen, Alte Dame“ selber ist natürlich eine, die man machen kann. Aber nicht muss. Das Ausweichen von der Hauptfigur weg auf eine Geschichte in der Geschichte quasi, die zwar die Möglichkeit für ein anderes Setting, hier den Gang in die Vergangenheit bereithält, aber weniger dem Wunsch des Zuschauers entspricht, der im idealen Fall gerade wegen der Hauptfigur selber einschaltet und darüber auch schon mal Schwankungen in der Qualität hinnimmt oder ganz ignoriert. Tante Jessicas Fallakten [ Übersetzung des japanischen Serientitels ] haben zuvor schon die Ablenkung (und die Option des Installierens durch potenzielle Pilotfilme) durch feste Wiederkehrer wie den MI6 Agenten, einen Versicherungsdetektiv oder einen ehemaligen Trickdieb als nunmehrigen Privatschnüffler versucht und so auch das kurzlebige Spin-off The Law & Harry MacGraw (mit Jerry Orbach als dem Versicherungsdetektiv) probiert, allzu große Freude damit aber nicht gemacht und dort Miss Fletcher wenigstens noch als Randerscheinung bzw. Begleitperson arrangiert. Hier stellt die Kriminalschriftstellerin nur eine frühere Kollegin, ihr Vorbild quasi und dies in einer Funktion als Moderatorin im Prolog und im Epilog, im direkten Sprechen und so Durchbrechen der vierten Mauer vor. Der Fall selber, ursprünglich von Mit-Entwickler und einer der hauptsächlich kreativen Köpfe Peter S. Fischer für den Vorgänger Ellery Queen geschrieben und dort abgelehnt, ist (mit seinen alten Nazianekdoten und dem Marine mit der Augenklappe) höchstens milde interessant und atmet im Grunde nur durch die Dekoration, das verkleidete Zeit- und ein wenig dem Lokalkolorit (gedreht wurde auf der “Queen Mary“).
Folge 4 "Eine glücklose Frau" stellt sich aus mehrerlei Gründen noch recht interessant dar, bevor es anschließend wieder in die Abwesenheit von Jessica Fletcher und dem Füllmaterial geht. Der (erste) Mord ist bereits passiert und wird auch schon aufgeklärt, erklärt die so Überführte aber weiterhin glaubhaft ihre Unschuld und dreht sich die restliche Handlung vermehrt um 3 Millionen Dollar fehlendes Anlegergeld. Dass der sich so sehr gegen den Mordverdacht sträubenden und verzweifelt Wehrenden auch bald noch ein 'Unglück' passiert und der scheinbar klare Fall schnell anders liegt, bringt nicht nur den ermittelnden Detective, gespielt von Elliot Gould, sondern die bis dato auch sichere und für die Verhaftung maßgeblich verantwortliche Jessica recht aus dem Konzept. Weiterhin noch mit u. a. Susan Blakeley und Paul Gleason wieder etwas prominenter besetzt, ist dies ein ganz vertracktes und auch rein dramaturgisch gelungenes Verwirrstück, dass durch das involvierte Immobiliengeschäft und seine Finanzblase nur noch gewinnt und mit Palm Springs als Handlungsfeld zusätzlich am Punkten ist.
Die nächsten 'Pilotfilme' schließen sich an, was mit ein Grund für die Verärgerung des Publikums und ein Absinken der Einschaltquoten ist. Für sich allein stehend ist Folge 5 “Ein ungleiches Paar“ um einen unfreiwillig in ein Abenteuer, abermals mit Terroristen und dann noch einem Mikrofilm hineingezogenen Privatmannes, eines ehemaligen Footballstars und nunmehrigen Pleitiers ganz amüsant, wird dieser doch ebenso unfreiwillig mit einem extra dafür ausgebildeten Hund gekoppelt; der allerdings von der Rasse her kein Schäferhund oder eine Bulldogge, sondern ein Recht frisierter und 'weibisch' aussehender Pudelrüde ist. Derlei Mensch-Hund-Paarungen waren damals sowieso gefragt und das hier ist nicht das schlechteste Exemplar, wobei vor allem die Chemie und Sympathie bei Zwei- und bei Vierbeiner stimmt. Ein lockeres Einerlei, dass mit etwas Charme und drei Prügeleien, bei der der Pudel fleißig mitmischt und kräftig austeilt, über die Runden gebracht wird, und danach in den Orbit (bzw. in den Lokus) geschickt und nie wieder was von gesehen oder gehört wird.
In dem Rhythmus geht es weiter, einmal hü und einmal hott, Zuckerbrot und Peitsche. Einer Wundertüte gleich, wo man beim Reinlangen auch noch nicht weiß, was man später in der Hand hält. So erhält man in Folge 6 “Feuer in Cabot Cove“ dann quasi als Belohnung, als Entschädigung für das Ausharren und Schlucken der 'Kröten' wieder die altmodische und heißgeliebte Kriminalgeschicht', vor Ort der Behaglichkeit gar, also das perfekte cozy mystery Geschehen. Nichts am Fehlen, wenig zu kritisieren, ist man allerdings auch für alles dankbar, was innerhalb der 'Norm' und exakt im Rahmen der Bedürfnisse liegt. Das Gleiche gilt im Grunde für den Anschluss, Folge 7 “Schwarze Magie“, die zum angenehmen Gruseln des fortgeschrittenen Publikums auf Jamaika, dort natürlich aufgrund der Vorurteile und der hier noch präsenten Zeichnung einer Art Post-Kolonialismus mit allerlei Voodooflüchen und Gekreuche und Gefleuche von Schlangen und Tarantulas und anderem Krimi-Mythen-Pulp bis auf (das auch so schon mehrfach gesehene) Ende in seiner gerade zu antiken Schreib- und Drehweise (Regie wieder wie so oft Vincent McEveety) hervorragend funktioniert.
“Primadonnen, Hysteriker und Egomanen“ bevölkern die nächste Episode, Folge 8 “Wie eine Oper von Puccini“, die nach den Worten des Hauptkreativen Peter S. Fischer auch eine seiner liebsten, für die darin spielende Mrs. Fletcher eher ein Trauma und “Ich kam mir vor wie in einem Affenzirkus“ ist. Hinter die Bühne einer Oper geht es wieder mal, diesmal in einer gestaffelten Rückblende, in der Jessica als außenstehende Zeugin der Geschehnisse der Nacht und des davor ihre Erinnerungen und Eindrücke an den Tatort gerufenen Chefermittler, köstlich gespielt von Jerry Stiller wieder gibt. Ein “Affenzirkus“ ist es tatsächlich, sodass ein wenig Erdung durch den bodenständigen Polizisten und eines Wiedergängers der Serie, des früheren Trickdiebes Dennis Stanton als zweite stabile Stütze in all den italienischen Leidenschaften ganz guttut und die Rätselei selber so verkehrt nicht ist. Eine Notwehrtat im Hinterhof, die fast zwei Opfer, mit Ansage auch erfordert und so richtig Notwehr schon mal nicht und dann auch noch mit weiteren Verfolgern und der Zollfahndung vollgestopft ist.
Zumindest reichlich Egomanen und auch ihre Gegenspieler, die Schleimer und Kriecher sind in Folge 9 “Eine Million Dollar“ anwesend, die von der Handlung her das klassische Beispiel eines der Agatha Christie Geschichten darstellt und die Ergänzung, die Erhöhung und den Kontrapunkt zur einer nahezu gleichen Geschichte aus Staffel 1, dem “Mörderischen Pfeil“ dort entspricht. Wieder eine abgeschiedene Insel, die im Verlauf durch einige Manipulationen gar keinen Zugang zum Festland, auch nicht per Telefon erhält, und wo der (schwerreiche) Gastgeber zuvor eigens zu einer Veranstaltung geladen hat und bald nur noch Zwietracht, Niedertracht, Gier, und so bald Mord im Raum ist. Ein traditionelles Sujet, dass hier gar exemplarisch vollzogen wird, aber auch ziemlich überspitzt und ohne jedes Feingefühl gerade bei den Figuren vorherrschend ist. Ein trauriges, bis abstoßenden und bemitleidenswertes Dasein aller Beteiligten, bei der die ruhmreiche Ausnahme und die einzige mit Abstand und moralischer Festigkeit die Aussenseiterin in der Erzählung, Mrs. J.B. Fletcher natürlich ist.
Außen vor ist die Fletcher auch in Folge 10 “Klassenarbeit“, und dies etwa nicht, weil Gaststar Barry Newman etwa gleiche oder je nach Ansicht auch mehr Prominenz ausweist, und sich deswegen in den Vordergrund drängt. Sondern weil wohl wieder Zeit für eine Bookend - Episode und für ein Fehlen der üblichen Hauptdarstellerin bzw. nur Platz für eine Einleitung, ein Telefongespräch und das Festhalten des Zwischenstandes während einer Tasse Tee – oder lass es Kaffee sein – am Küchentisch ist. Diesmal handelt es sich auch überdeutlich, wesentlich mehr als sonst noch um den Versuch eines Pilotfilms, den möglichen Start eines weiteren Projektes, was auch mit der Schwachpunkt der weitgehend uninspirierten Folge ist. Denn der Fall, eine klassische Ermittlung eines eigentlich davon entzogenen Polizisten gegen alle politischen Umstände und trotz eines vermeintlich Tatverdächtigen, der auch geständig ist, interessiert einfach nicht. Der im Grunde bereits schuldig gesprochene, von dem auch der Zuschauer weiß, dass er es nicht war, bekommt nach der eröffnenden Szene keine einzige weitere Szene und so nicht wirklich ein Gesicht. Die Lobby liegt vielmehr auf den Cop, und das es sich um eine bemühte Eröffnung von Mehr handelt, darf man auch sein Familienleben beobachten, was die nach dem Tod der Mutter nunmehr allein erzogene Tochter und ihre Problemchen miteinbezieht. Und die insgesamt drei neuen “pro bono“ Mitarbeiter des weiterhin, nun aber als Lehrer für Kriminologie tätigen Detectives. Die Zuschauer waren nicht ohne Grund wenig angetan von ihrer unfreiwilligen Funktion als Versuchskaninchen und gaben kein grünes Licht. Ähnlicher Unmut dürfte auch Folge 12 “Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ ausgelöst haben, indem Jessica wieder nur den Stichwortgeber spielt und eines ihrer gerade abgeschlossenen Bücher, um einen erfolglosen Privatdetektiv und ein wildes Gerangel um die Identifikation einer namenlosen Gleisleiche zum Besten gibt. Den Detektiv spielt der spätere Talkshowmoderator und Komödiant Bill Maher, der mit dem heiß begehrten Totenschein gerne ein rentables Erbe antreten würde, während die anderen Parteien, u.a. ein junger Bryan Cranston beispielsweise die Bahn wegen Vernachlässigung ihrer Aufsichtspflichten verklagen wollen, und letztlich vielleicht doch kein Unfall, sondern Mord dahinter steckt. Eine leicht schwarze Komödie, zwischen John Dahl und den früheren Coens, aber auch höchstens einen verregneten Nachmittag Wert.
Der schmale Grat zwischen dem Ausprobieren von Neuem, auch um eine befürchtete Monotonie zu vermeiden und der Langeweile zu entgehen, und dem Festhalten an festen Überzeugungen, die allerdings irgendwann dem Fortschritt widersprechen, ist dann ausgerechnet in der Heimatepisode “Skandal um Sam“ der Ausgangspunkt und das hier speziell ungewöhnliche Gefühl. In der Geschichte von Folge 11 geht es um die zweijährlich anstehende Bürgermeisterwahl, in der der normalerweise einzige Kandidat, der selbsternannte “do-nothing major“ und stolz darauf, plötzlich einen aggressiven Gegenkandidaten und erste rufschädigende Maßnahmen erhält. Heller Aufruhr in Cabot Cove, dass eh auf der Kippe steht, da neuerdings die Grundstücksspekulanten einfallen, mit der dicken Brieftasche winken und das noch beschauliche Küstenstädtchen mittlerweile von fast mehr Wochenendtouristen aus der Stadt frequentiert wird als einheimisch bevölkert. Auch die Jessica bekommt aufdringliche Offerten, hat aber anders als die Mitbürger ja genug Tantiemen und das Sparkonto auf der Bank, sodass sie anders als die Bewohner links und rechts auch immun gegen monetäre Versprechungen ist.
Klingt alles gut, und nicht verkehrt vom Ansatz der Betrachtung her, fühlt sich nur zuweilen wie eine Parodie auf die eigene Serie an [der Damenzirkel unter Haube und Lockenwickel beim Frisör, die Kleidung bei Fletcher und dem Dorfarzt, der Skandal selber, bei einem Bürgermeister, der noch bei Mama wohnt und eigentlich zu gar nichts fähig ist, eine Feministengang, die sich bald selber zur Wahl engagiert usw.] Ein ähnliches Problem hat die nächste Heimatepisode “Der kleine Kevin“, Folge 13, in der Kinderstar Jonathan Brandis den Musterbuben Kevin und somit den Titelhelden des recht sozial angelegten Krimis spielt. Nachdem Kevins alleinerziehende Mutter erst vermisst und dann mordverdächtig wird, nimmt ihn Jessica unter die Fittiche und die dann laufenden Ermittlungen gleich mit; wichtiger sind allerdings die Anklagen gegen das bestehende System [Sozialamt, Jugendamt, das Wegsehen der Gesellschaft allgemein, Ausbeutung durch Mindestlöhne, wieder Druck durch Grundstücks- und Mietpreisspekulanten auf.], was jetzt eben auch in Cabot Cove vorhanden ist und woran nur wenige Jahre zuvor niemals zu denken wär.
Eine Verlegung an das beliebte Theater- bzw. Broadwaymilieu bietet die Folge 16 "Die schwarze Frau", die mit der Aufklärung eines bereits 25 Jahre zurückliegenden Mordes und den Nachwehen bei den damals beteiligten Personen auch heute noch für entsprechend viel Wirbel sorgt, zumal auch noch eine Reunion ansteht und die eine Partei die ollen Kamellen von anno dunnemals einfach noch mal spielen will, während die der anderen Partei längst zum Halse raushängt. Bekannte Darsteller sind vom Namen her diesmal nicht dabei, obwohl viele der Gecasteten so wirken, als hätte man sie man schon hier und da öfters gesehen; auch die Geschichte jetzt tischt keine großen Überraschungen auf, lebt aber von den eben erwähnten Umständen, in denen auch dann immer was los ist, auch wenn das Verbrechen der Moderne noch auf sich warten lässt. Fletcher ist hierbei eher gezwungenermaßen dabei, kein Vetter dritten Grades, der Hilfe benötigt, und keine Nicht in Not; dafür hätte sie ein junger Lektor ganz arg gerne für ein Buch, in dem sie den ein Vierteljahrhundert alten Mord eben so mal recherchiert und natürlich auch aufklärt. Was sie allerdings nicht möchte. Bis, ja bis, noch ein Mord im Hier und Jetzt passiert.
Im Anschluss daran folgt mit Folge 17 "Die Machtprobe" wieder eine Art Nebengeschichte, die mit Einleitung von Jessica Fletcher bzw. ihrer Darstellerin Angela Lansbury funktioniert, wird doch diesmal die Geschicke eines ihrer ehemaligen Schülerinnen in Augenschein genommen, die nun ja auch ihre Talentierteste war und damit begründend die Prominenteste auch mit. Selbst die gleiche Karriere wurde angestrebt, das schriftstellerische Vermögen probiert und genutzt, wobei es mit Gedichten und Essays nicht so klappte, finanziell zumindest nicht und deswegen der Gang tiefer in das Niveau angestrebt. Mittlerweile tätigt als Autorin für eine Fernsehserie wird genau diese hier in Augenschein genommen und so der Blick auf das eigene Medium und hinter die Kulissen einer anderen Fiktivität; ein hier deswegen durchaus interessantes Objekt, da der eigentliche Autor der Folge Mit-Begründer der Serie Peter S. Fischer und damit nicht nur ein tatsächliches Talent, sondern auch ein aussagekräftiger Kandidat für die Verzwickungen und Verzwackungen der Arbeit in der Produktion und des Ärgers mit den Darstellern ist. [Fischer trat später 'freiwillig' in der Verantwortung zugunsten von Lansbury ab, die mehr Modernität haben wollte, als es der Kreierende vertrug.] Die Serie in der Serie selber ist allerdings kein Krimi, sondern eine Polizeiserie, die namens "Beat Cop" die Ereignisse um ein gemischt geschlechtliches Duo und dies mit Vorzeigeexemplar Tim Thomerson in der männlichen Hauptrolle und dem des Mäkelnden an den Drehbüchern in Augenschein nimmt.
Die Folge 20 “Ein Fall für den Psychiater“ agiert dann wieder innerhalb der Serie, in der Fletcher diesmal irgendwo in Texas, als Familienmitglied gleich mehrerer Cousinen aber in einer erst bevorstehenden Hochzeit und dann bald in einen Mord, als Ermittlerin natürlich verwickelt ist. Erwischt hat es den Ehemann in spe, und als Verdächtiger ist schnell ein frisch aus der Psychiatrie entlassener Bruder der Braut anvisiert, wobei Darsteller Robert Walker eine Glanzrolle hinlegt und der Fall selber die Stärken der Serie (kleiner Raum, viele Personen wie leitender Arzt, eine aufdringliche Reporterin nebst Tochter, noch eine Cousine, der Dorfsheriff usw. usf.) als bewährtes Rezept für das teils gemütliche, teils auch ein wenig gruselige Rätselraten auftischt. Für Nichtigkeitensammler: Eine bestenfalls einsekündige Rolle ganz am Anfang geht an Joseph Gordon-Levitt.
Zum Ende hin also nochmal die volle Breitseite, was auch die Anschlussfolge 21 "Ein todbringendes Souvenir", trotz diesmal wieder in Abwesenheit der Hauptdarstellerin selber betrifft. Frau Fletcher weilt in London, die Geschichte um titelgebendes ominöses Skigebiet, ein MacGuffin schlechthin spielt aber in Cabot Cove, wo anstelle der Eigentümerin ihr Neffe Grady samt hochschwangeren Frau (7. Monat) das Haus so lange hütet. Schon in der ersten Nacht liegt ein toter Seebär mit Holzbein auch noch in der Küche, worauf die abenteuerliche Mär erst so richtig losgeht und bald auch Kung Fu als abschreckende Drohung durch einen skrupellosen Kambodschaner zelebriert wird. Überdies ist neben James Lew und seiner Kampfsporteinlage (gegen zwei Stühle und anderes Mobiliar) auch der Rest der Besetzung wie Belinda Bauer und David Warner ganz vorzüglich und die Handlung der Volltreffer sowieso schlechthin.