Review

Nach Erntedank. Ein Allgäukrimi (2009) und Milchgeld. Ein Kluftingerkrimi (2012) die dritte Verfilmung eines der Bände vom Autorenpaar Volker Klüpfel & Michael Kobr, die mit ihrer Reihe um den Kemptener Kommissar Kluftinger und dessen Fälle und Marotten längst nicht nur den Buchmarkt in der Sparte, sondern neben den Bestsellerlisten auch die Verkaufszahlen von Hörnbüchern und Lesungen selber erklommen haben. Wurden die Romane in ihren Filmrechten einst mit der Idee der Unterbringung unter die Hausmarke des Tatort erworben, so hat man sich schnell von dieser Möglichkeit abgewendet und wie auch im literarischen Sektor den gleichsam großen, wenn noch unübersichtlichen Deckel des Heimatkrimi und dort die Erprobung und Ausübung einer eigenen Handschrift gewählt:

Während eines Familienausfluges mit Frau, Sohn und Schwiegertochter in spe findet Kommissar Kluftinger [ Herbert Knaup ] am Ufer des Alatsees einen schwer verletzten Taucher. Bei den folgenden Ermittlungen des Polizisten und seiner Kollegen Roland Hefele [ Jockel Tschiersch ] und Richard Maier [ Johannes Allmayer ] sowie der Füssener Vertretung Friedel Marx [ Catrin Striebeck ] stößt man auf eine Forschergruppe der Uni München, die den See und seinen Grund ebenso untersuchen will wie ein Bund alter Herrschaft, deren gemeinsame Vergangenheit bis an das Ende des Zweiten Weltkrieges zurückreicht. Mysteriös erscheint auch der am Gewässer allein in einer Holzhütte lebende Schamane Schalke [ Stipe Erceg ], der gar übersinnliche Machenschaften prophezeit.

Abermals vom gleichen Drehteam, allen voran Regisseur Rainer Kaufmann und identischer Besetzung zu den Vorgänger fabriziert, lässt sich der Fernsehfilm als Begleitung der eigenen Phantasie zum Buch durchaus mit Erfolg konsumieren, wenn auch sicherlich nicht gleich ohne die auch schon zuvor beanstandeten Mängel goutieren. Vom Weglassen mancher materieller Bezüge abgesehen trifft man den Ton der Wörter im Text nicht immer so richtig, versucht es aber mit Krampf und überzieht öfters; was dem bis dato besten Schriftwerk (vor Band 5. "Rauhnacht") so sicherlich nicht das wortwörtliche Wasser reicht.

Erst bescheint das Blickfeld die Bayrischen Berge im Hintergrund, fehlt da nur noch das Weißblau im Geschehen, dann kippt das Panorama schon um und fällt in die Schräge zu einem (vermeintlich) Toten Taucher im Walde hin. Im Wechsel der Kontraste und Herausstellen der Konturen möglichst wunderlich und sichtlich auch stolz auf sich, versucht der Film in seiner Herangehensweise wie schon auch die beiden Vorgänger und (die sicherlich und auch hoffentlich) noch kommenden Nachfolger der speziellen Sparte etwas ganz Besonderes und Eigenes, auch unabhängig von dem geschriebenen Material zu sein. Die einfache Bebilderung der Handlung, das Vertrauen auf das Erzählte selber, dass auch einen Rückzieher zu des Deutschen liebstes historisches Steckenpferd und gleichzeitig Information, Sensation, Mahnung und wohliges Gruseln von einer Sekunde zur nächsten sein scheint, reicht hier beileibe nicht aus. Auffallend ist der Abschied von den Rückblenden im Text, die die Erinnerung visuell hervorrufen und die Vergangenheit als mysteriösen, als Abenteuerspielplatz zwischen Wildgänse II (1985), Die Akte Odessa (1974) und Kennwort 'Schweres Wasser' (1965) auffallenden Mumpitz formulieren tut.

Von Waffen- und Vernichtungsmaschinerie im großen Erfinderstil, den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges und einem anschließenden Geheimbund zunehmend älter werdenden Herren inmitten der ahnungslosen Öffentlichkeit erfährt der unkundige Zuschauer hier wenig nur am Rande und ansonsten nicht bis höchstens nicht viel. Das Komplott des Mysteriösen und Spekulativen  einmal außen vor, dass in den Köpfen der Ewiggestrigen ebenso lauert wie tief tödlich auf dem Grunde des See, und abgesehen einiger der Sperenzchen von Kluftinger mit seinem Intimfeind Dr. Martin Langhammer, welches in den Büchern als running gag immer und immer wieder variiert wird, hält man sich in diesem Beitrag schon eng an die Schrift, möchte allerdings sichtlich und nicht immer gelungen auch mehr. Unangenehm penetrant ist sowohl das Unstimmige auf der Tonspur, dass mehr erschreckt als fasziniert und gleichsam wie die Nutzung der Handkamera und dem ständigen Naherücken an die Hauptfigur schon ein wenig abstoßend wirkt. Ruhig bleiben und die Originalschauplätze und Dramaturgie wachsen und wirken lassen kann man nicht, wird sich immer wieder und wieder im Kreise gedreht, den Figuren nachgerannt, dicht unter das Gesicht und inmitten in ihm platziert und gewendet und verzerrt, als ob es allein für die Mühe, darunter einer im Grunde logistisch durchaus applaudierwürdigen oneshot - Plansequenz schon Preise geben tät.

Auf den Punkt mit Darstellern direkt aus der Imagination besetzt, also mit viel Geschmack und viel Glück, wird dies Kleinod und das der geographischen Idylle durch das Lautmalerische und Aufdringliche und möglichst Absurde im Weitwinkel immer wieder ein stück Weit zerstört; in Grimassen allerorten, in Fieberträume, die möglichst theatralisch-grotesk wirken und einem cholerischen, gehetzten, schwitzenden und schniefenden Polizisten, der so auf keiner Seite des Buches, höchstens vielleicht ein paar Jahre später in der Reihenfolge, auf Band 7 "Herzblut" nämlich so steht.

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