Noch mehr paranormales Gedöns und irgendwann wird nahezu jede noch so unbedeutende Legende per Handkamera und Geistererscheinung verewigt worden sein. Eine davon ist Mary Mallon, die 1883 von Irland nach New York auswanderte, sich mit Typhus infizierte und als nicht erkrankte Trägerin Dutzende von Menschen ansteckte, da sie in diversen Haushalten als Köchin tätig war. Klingt nach einer verfilmbaren Vita, doch Regiedebütant Nimrod Zalmanowitz war offenbar mehr an halbgaren Nachforschungen interessiert.
Mark und Andy kennen sich seit dem Studium und wollen nun mit ordentlichem Equipment die Legende von Typhus-Mary dokumentieren. In einem verwaisten Krankenhaus nahe dem Hudson River finden sie kaum Anhaltspunkte, doch als Andys Verlobte Michelle eine Seance veranstaltet, kippt die Situation...
Filmtitel mit "Paranormal" verheißen mittlerweile keinen Knaller mehr, denn jeder versucht auf einen Zug aufzuspringen, der bereits längst abgefahren ist. Hier wird zwar nur beiläufig per Handkamera und Überwachungsmonitoren eingespielt, doch der überwiegende Teil verläuft ohne Wackelbilder und mit einigermaßen passabel geführter Kamera.
Die Hauptakteure kommen demgegenüber komplett austauschbar daher und während von einer Freundschaft zwischen den beiden Männern herzlich wenig zu spüren ist, verkommt die Suche nach historischen Anhaltspunkten zu einer wahllosen Verkettung unglaubwürdiger Vorgänge.
Dabei sind einige Lokalitäten gut gewählt, Ruinen am Rande des Flusses wirken sogar recht schauerlich und auch die Inneneinrichtung des Hospitals liefert atmosphärische Möglichkeiten, welche im Verlauf jedoch zu selten genutzt werden. Stattdessen wird viel taktiert, stets kommen merkwürdige Zufälle und Personen ins Spiel und zuweilen verliert das Drehbuch jeden Faden, indem in einer Szene ein Typ aufgesucht wird, der zwei Szenen später aus dem Fenster springt, während plötzlich eine Figur im Mittelpunkt steht, die zuvor lediglich als Randfigur diente.
Allzu viel Spannung erzeugt das Treiben folgerichtig nicht, da selbst die Intention von Typhus-Mary nie ganz klar wird: Will sie nun Aufmerksamkeit und dass ihr Leid publik gemacht wird? Will sie einfach nur Rache üben oder die Kontrolle über andere Seelen übernehmen? Zalmanowitz fand im Grunde selbst keine Lösung, was zumindest den völlig verkorksten und arg übers Knie gebrochenen Ausgang erklärt. Zufrieden stellen können die letzten Szenen jedenfalls nicht, so dass sich zu dem unbefriedigenden Gesamteindruck auch ein Gefühl von Ärgernis hinzugesellt.
Tatsächlich wäre eine Verfilmung von Marys Lebensabschnitten wahrscheinlich unterhaltsamer ausgefallen, was jedoch mehr Aufwand bedeutet hätte und das wäre nicht mit den geringen Produktionskosten einher gegangen. Ein paar wenige Geistererscheinungen sehen auch gar nicht so dilettantisch aus, doch was das Make-up zum Finale mit einer Besessenen anrichtet, gleicht dann doch eher einem Marilyn-Manson-Kopiewettbewerb.
Die zuweilen überstrapazierten Blaufilter, unblutige Abgänge einiger Nebenfiguren und das völlig bekloppte Ende bilden dabei nur die Spitze des Eisbergs, denn wirklich spooky fallen tatsächlich nur die erwähnten Ruinen aus.
3 von 10