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Ursprünglich rein für den Online-Anbieter Crackle, eine als Streaming Dienst, als Fernsehnetzwerk fungierende Unterabteilung von Sony Pictures Entertainment geschriebene und gedrehte Produktion, die bislang noch den Ausnahmefall für den Distributor und die einmalige Nutzung derlei Ressourcen und Verwendungen war. Zwar wurde fast ein Jahr später auch der Vertrieb über andere Handelswege gesucht, stellten sich diese Formate aber als ebenfalls ungewöhnlich im Vergleich zum Herkömmlichen und somit Gewohnten und nicht deswegen auch als (noch) begrenzt für den Bekanntheitsgrad des Filmes, der mittlerweile als u.a. Instant Video und auf Bestellung fabrizierte DVD-R erhältlich und somit wie natürlich limitiert für den damit ungewohnten Zuschauer, gerade die der breiten Masse ist.

Denn abseits dieser Reduktion und des kolportierten Budgets von knapp über 1 Mio. USD. entpuppt sich das Werk von Tony Giglio als durchaus mit namhaften Darstellern besetztes und von seiner Geschichte, der Ausrichtung und der simplen Machart im Grunde perfekt für die Zielgruppe geeignetes Objekt. Deutliche, aber zumindest auch bewusste und damit offen umgegangene Anleihen beim indonesischen Überraschungserfolg The Raid (2011), eine gewisse Schnörkellosigkeit und die Nähe zum gemeinen, grobkörnigen Actionfilm um ehemalige und immer noch verhältnismäßig zugkräftige Videothekenstars wie Seagal, Lundgren und Van Damme sollten Extraction schon die gewisse Aufmerksamkeit beim männlichen Publikum verlangen und gleichsam deren Bedürfnisse erfüllen. Die Handlung ähnlich wie beim Vorbild aus der Prämisse bestehend und nur unwesentlich aufgeweicht und ergänzt:

Nach der erfolgreichen Gefangennahme eines Informanten einer fundamentalistischen Islamischen Terrororganisation, durch eine mit CIA, FBI und dem Militär zusammenarbeitende Black Ops Einheit im Amsterdamer Rotlichtviertel, wird die entsprechende Truppe anschließend in die Einöde von Tschetschenien geschickt, um dort den Anführer dieser United National Defense Front aufzugreifen. Die Mission ist ein Höllenkommando, sitzt der gesuchte Verantwortliche für mehrere Attentate mit Massensterben, Rudolf Martin [ Falk Hentschel ] doch in einem unterirdischen Gefängnis namens "Inferno" fest, und müssen die die Extraktion leitenden Colonel Harding [ Danny Glover ] und CIA Agent Kyle Black [ Sean Astin ] bald feststellen, dass ihr Team direkt in eine Falle des Gefängniswärters Ivan Rudovsky [ Vinnie Jones ] gelaufen ist. Den Hinterhalt überlebt nur Squad-Mitglied Mercy Callo [ Jon Foo ], der in Verbindung mit der Analystin Natalie Meyers [ Joanna Kelly ] stehend sich allein durch das Terrain schlägt.

Als sogenannter New Media Feature Film knapp ein Jahr nach dem ersten pitching der Idee das Licht der Welt erblickt, gestalteten sich nicht nur die Dreharbeiten in weniger als drei Wochen als auch der Umgang mit den wenigen verfügbaren Finanzen und der feste, nicht abbedingbare Starttermin am 05.09.2013 als Problem. Die eingeengte Inszenierungsphase und die wenige Vorbereitungszeit inklusive Hindernissen mit der Gewerkschaft sieht man dem Ergebnis ohne Wissen um die Hintergründe sicherlich nicht an, vielmehr gestaltet man sich als b-picture mit Herz und Energie, welches sicherlich seine Mängel hier und da, aber die Lernfähigkeiten des Teams um den Verantwortlichen Giglio und den kreativen Umgang mit Restriktionen, Entbehrungen und auch Vorbehalten beweist.

Aus mehreren Kapitel mit Überschriften bestehend stellt sich die Erzählung dabei letztlich gar als vergleichsweise in Echtzeit ablaufende Struktur, mit zwischenzeitlich immer wieder drohend vorgetragenen Countdown und so der schließenden Frist dar. Statt Splitscreens wie in 24, die neben Die Hard (und eben The Raid) ebenfalls als verwendete Quelle der Inspiration galt, werden hier Gegenschnitte zum Basislager als Ausweitung des Geschehens und die dortige Suche nach einem Maulwurf und Gegenmaßnahmen zusätzlich zum Mittel der Erzeugung von Antrieb und Anspannung verwendet. Die Kapitel selber fangen immer wenige Sekunden vor dem Ende des vorangegangenen Abschnittes an und erweitern dort zumeist das Blickfeld auf weitere Protagonisten bzw. in dem Fall eher Antagonisten und deren Sicht auf die Dinge, die geschehen;  was neben der Verwendung unterschiedlicher 'Bildformate', d.h. auch Sequenzen als Infrarot oder Schwarzweiß der Überwachungskameras oder auch aus der Ich-Perspektive die gewisse Eintönigkeit und Hässlichkeit des Schauplatzes – gedreht wurde zwei Wochen nur im seit 1997 geschlossenen Sybil Brand Frauengefängnis in Downtown Los Angeles – sowie dessen dunkle Farbpalette und das Gefühl eines zu groß geratenen Heizungskellers mit allerlei Stereoiden im Lagerraum wieder etwas am Aufheben ist.

Zudem hat man sich mit der Besetzung von Foo und Hentschel als erst Gegen- und dann Mitspieler und den Zusätzen der phone-ins durch Glover, Astin und der scheinbar frisch vom Warehouse 13 Set herüber gewanderten Kelly auch seinen Zugewinn an Ablenkung getan, gerade die ersten Beiden bringen das Nötige an Schauspiel und den großen Rest an Sympathien und Physis für ihre darauf reduzierten Rollen mit. Unter der Choreographie von James Lew in Mitarbeit der beiden Akteure sind die Kampfszenen analog zur Kalibrierung des Projektes auf das Schauen, auf die Show, aber auch die Dramatisierung ohne allzu viel Übersteigerung angesetzt; längere Einstellungen in Übersichtlichkeit und erst dem nötigen und nicht nutzlos vor sich hinratternden Schnitt, dazu ein gewisser 'Realismus', was zumindest den Anschein einer Glaubwürdigkeit, natürlich auch mit Poserei und Angebertum, Chauvinismus, Andozentrismus – und leider, abseits vom flinken und tatsächlich fähigen Foo auch viel Steifheit der zumeist hünenhaften 'Gegner' – ergibt.

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