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Gehasst, verdammt, vergöttert - Diese einschlägig bekannten Worte lassen sich recht passgenau auf den 79er 007-Streifen "Moonraker" aus der Feder von Lewis Gilbert anwenden. Agent ihrer Majestät James Bond bekommt es mit einem wahnsinnigen Superschurken Drax zu tun, der die Welt von einer Raumstation aus mittels von dort gestarteten Giftkapseln auslöschen will um mit ausgewählten Menschenexemplaren eine neue Zivilisation aufzubauen.

Bereits hier werden erste kritische Stimmen laut: Zu utopisch, zu wenig bodenständig. Dem kann ich mich so nicht anschliessen, denn meiner Meinung ist gerade ein solch außergewöhnliches Szenario das, was einem "Moonraker" erst die richtige Würze verpasst. Ausgehölte Vulkane und Alpenfestungen haben irgendwann ausgedient und so wird eine Raumstation - die ja nun anfürsich auch nicht das Unvorstellbarste der Welt ist - vielmehr zu exakt dem, was einem echten Superschurken am ehesten würdig ist. Insbesondere durch den historischen Hintergrund des kalten Krieges, der mit dem tatsächlichen Stationieren von Massenvernichtsungswaffen im All einherging, sicherlich vor allem seiner Zeit eine unheimlich-faszinierende Thematik

Abgesehen vom unfreiwilligen Alltourismus der Beteiligten darf man jedoch den Rest des Filmes nicht unterschlagen und dieser hat im wahrsten Sinne des Wortes festen, oder wässrigen, Boden unter den Füßen. Und auch hier kann "Moonraker" mit den Schauplätzen Venedig und Rio de Janeiro auf zwei hoch atmopshärische Locations verweisen, die darüberhinaus mit einigen spitzenmäßigen Szenen wie beispielsweise einer wilden Amazonas-Bootsjagd, einem beinahe schon kultverdächtigen Gondel-Scharmützel auf den Wasserstraßen Venedigs und einem luftigen Seilbahnkampf am Zuckerhut im Gedächtnis des Zuschauers haften bleiben.

In technischer Hinsicht kann man sich dabei einmal mehr nicht beklagen. Lewis Gilbert liefert bereits im feurigen Auftakt tolle Bilder und zeigt bis zum spektakulären Allfinale, daß dieer keine Eintagsfliege gewesen ist. Eine klasse Leistung, die freilich auch von ihren fantastischen Schauplätzen lebt. Gerade die Weltraum-Szenen verdienen sich aber noch ein gesondertes Lob, denn für die seinerzeit zur Verfügung stehenden technischen Mittel sehen selbige incl. der gigantischen Raumstation wirklich klasse aus. Actionseitig wurde dort zwar eine zentrale Kampfszene zwischen US-Militär und Drax-Lakaien zwar prinzipiell aus "Feuerball" übernommen aber mich störte dies nicht. Im Gegenteil: Ich sehe es fast schon als Homage, wie auch der gesammte Film insgesamt eine nicht unerhebliche Portion Selbstironie mitbringt.

Diese vereint sich wunderbar mit der feinen englischen Art eines Roger Moore, im übrigen mein Lieblings-Bonddarsteller, und auch mit dem Auftritt alter Bekannter wie dem kultigen "Beisser" Richard Kiel. Ein Augenzwinkern ist stets mit dabei. Letzterer muss zwar für ein nicht unbedingt erwartetes, etwas negativ herausfallendes, Kitschelement des Finales herhalten aber es ist irgendwo verzeihlich: Auch ein guter Film hat halt irgendwo im Detail seine kleinen Schwächen. Insgesamt kann man jedoch bei "Moonraker" von einem tollen Cast und natürlich auch einem tollen Superschurken in Person Michael Lonsdale sprechen.

Fazit: Ein Bond, der aufgrund seines Szenarios die Gemüter entzweit. Ich für meinen Teil zähle jedenfalls zu den großen Fans von "Moonraker" und habe nichts gegen den wohl größenwahnsinnigsten aller Superschurken des Bond-Univerums!

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