Im Jahre 1979 erreichte die Bond-Serie mit der Weltraumfolge "Moonraker" den Höhepunkt ihrer Abgehobenheit. Die Produzenten Saltzman und Broccoli wollten sich durch das ursprünglich nicht geplante Einschieben dieses Filmes zwischen "The Spy who loved me" und "For your eyes only" an den Erfolg des Star Wars-Konzeptes anhängen und außerdem noch das aktuelle Space Shuttle-Programm der amerikanischen NASA verwerten (der wirkliche Erststart eines Shuttles in den Orbit erfolgte übrigens erst 1981). Der Preis für dieses Vorgehen war allerdings der Verlust jeder Glaubwürdigkeit, sowohl was die Story insgesamt als auch deren Ausgestaltung betrifft (hier ist insbesondere an die Unsterblichkeit des Beißers zu denken). Nachdem ja bereits Carl Stromberg die gesamte Menschheit hatte ausrotten wollen, war es an sich kein großer Schritt hin zu den wahnsinnigen Plänen eines Hugo Drax, der die nach seiner Ansicht minderwertige Erdbevölkerung vergiften wollte, um dann eine neue Herrenrasse zu züchten. Allerdings ist die Annahme vollkommen hanebüchen, dass er er geschafft haben könnte, unbemerkt eine eigene Moonraker-Flotte aufzubauen und mit deren Hilfe eine gigantische Raumstation zu errichten. Daran ändert auch ein angebliches "Radarstörsystem" nichts, denn dieses müsste ja auch erst für den Einbau ins All transportiert werden. Der Höhepunkt der Albernheit ist dann der Angriff der Space Marines auf Drax' Stützpunkt, bei dem allerlei merkwürdige Laserwaffen zum Einsatz kommen, die eher an Flash Gordon und die frühe Star Trek-Zeit erinnern als an einen ernstzunehmenden Science Fiction-Film. Michael Lonsdale als Hugo Drax gelingt es, seiner Figur den richtigen Anteil Verrücktheit zu verleihen, aber er ist trotzdem kein ganz großer Schurke. Lois Chiles als Holly Goodhead ist für Bond keine bloße Gespielin, sondern eine durchaus ernstzunehmende Rivalin bzw. später Partnerin, ohne deren Hilfe er die Mission nicht erfüllen könnte. Der wichtigste Charakter ist aber einmal mehr der reaktivierte Beißer "Jaws", der nach seinen noch halbwegs glaubwürdigen Auftritten im Vorgängerfilm hier endgültig zu einer übermenschlichen Kunstfigur mutiert ist. So überlebt er zum Beispiel einen freien Fall aus guten tausend Metern Höhe, den Absturz einer Kabinen-Seilbahn und wird einen Wasserfall hinuntergespült, ohne den geringsten Schaden davonzutragen (nicht einmal an seiner scheußlichen, trägergesicherten Hose). Weitere Indizien dafür, dass der Film sich selbst nicht mehr ernst nimmt, sind die Verwendung uralter, abgegriffener Klischees (der böse, schlitzäugige Schurke Chang), das Musikzitat aus den "Glorreichen Sieben", die clownesken Einlagen der Passanten in Venedig bis hin zur zwinkernden Taube und die absurde Love Story des Beißers. Die schrittweise Veränderung der Bond-Filme zur überzogenen Persiflage, die die Roger-Moore-Ära bis dahin gekennzeichnet hatte und in Moonraker ihren Höhepunkt erreichte, war den Produzenten schließlich selbst nicht mehr geheuer, so dass Bond mit dem nächsten Film auf den Boden der Tatsachen zurückkehrte.