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"Vampire Junction" ist ganz sicher kein guter Film, aber verglichen mit den anderen Filmen, die Franco ab 1998 für die nächsten 10 Jahre gedreht hat, ist er Gold wert.

Wie auch in diesen Filmen stellen hier die Dialoge und das Schauspiel der untalentierten Darsteller(innen) den größten Schwachpunkt des Films dar - aber auch hier nehmen diese Momente einen recht kleinen Teil des Films ein.
Den größten Teil bilden dramaturgisch unbedeutende Sexszenen und sonstige Füllsel, was bei Franco zwar nun keine grundsätzliche Neuerung ist, diesmal jedoch so sehr visuell verfremdet und mit einer so lärmenden experimentellen Tonspur (irgendwo zwischen "Revolution 9" von den Beatles und den bewusst fehlplatzierten dramatischen Markierungen eines frühen Godard) angereichert worden ist, wie es in keinem seiner Filme dieser Zeit sonst noch der Fall ist: Wasser- und Lichtspiele sorgen mal mit Farbverfremdungen und Zeitlupen für so abstrakte Bilder, dass man bisweilen kaum noch etwas erkennen kann, mal werden die einzelnen Flächen des Films so knallig rot, gelb, blau und grün wie in einem Disney-Cartoon, mal laufen die Bilder weitestgehend s/w und blass ab - und die Musik spielt abwechselnd hysterisch auf und verfällt dann in atmosphärisches Brummen.

Heraus kommt eine Mischung aus rauher Kenneth Anger Ästhetik - Anger hat mittlerweile ja auch mit Werken wie "Anger Sees Red" (2004) ziemlichen Bodensatz verbrochen - und typischen "Francozismen", durchsetzt mit atmosphärisch dichten Hotel-Korridor-Szenen, wie man sie bei David Lynch immer wieder mal findet.
Inhaltlich kommt Franco freilich an beide (Anger & Lynch) nicht heran: die Geschichte über gespenstische Vampire und den diabolischen Father Flanagan, der einst ein heiliger Mann war, in der Westernstadt "Shit City", denen Lina Romay als Journalistin mit der Hilfe einer Botschafterin des Schattenreiches (die recht irdisch mit Internetadressen um sich schmeißt) auf die Schliche kommt, obwohl sie eigentlich bloß ein harmloses Interview durchziehen wollte, ist weder ernst zu nehmen, noch besonders komisch - besonders dann nicht, wenn Franco es auf Komik anlegt und Besoffene auf Schaukelpferden auftreten lässt. (Dass er dann gewohnt blasphemisch Scherzchen treibt und diesmal Edward Flanagan durch den Kakao zieht, ist allerdings tatsächlich für ein Schmunzeln gut...)
Franco nimmt sich dabei auch nicht ernst und setzt munter diverse Bausteine zusammen, um einen Mix aus Gegenwarts-Western im Punklook und Sex-Vampirfilm im film noir Gewand zu präsentieren, angereichert mit einigen bizarren Motiven (nackte Vampire, die die Wand herabkrabbeln, blutige Intimbereich-Erotik, akrobatischer Gruppensex) und munteren Verweisen (auf "Creepshow 2" (1987), Edward Flanagan und "Billy the Kid vs. Dracula" (1966)).

Man ist aber geradezu dankbar, wenn Franco seine Geschichte dann zugunsten von Füllsel-Szenen wieder fallen lässt und lesbische Vampire im Bett und finstere Dracula-Gestalten an allen möglichen Orten auftauchen und verschwinden lässt. Die mangelhafte Bildqualität der Francos dieser Zeit, die solche Szenen in der Regel auch wieder weit weniger spannend werden lässt als Vergleichbares in seinen 60er/70er Jahre Filmen, gleicht er durch seine Farbverfremdungen (die denen aus einem "Lady Dracula 3 - Vampire Blues" (1999) deutlich überlegen sind, was nun nicht viel heißt) und die irrsinnige Geräuschkulisse wieder aus - es rauscht und kracht, flimmert und flickert, ist mal schön bunt und mal extrem blass: hübsch undergroundig und wer das mag, dem wird dieser Franco sogar ein wenig Freude bereiten...
Als Hintergrundberieselung durchaus angenehm, als Spielfilm dann doch reichlich ermüdend.

4,5/10

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