Das Kino erfindet sich neu, könnte man meinen. Und zumindest wenn man sich nicht allzu sehr in der Kinohistorie auskennt, dürfte z. Bsp. 3D der letzte große revolutionäre Step gewesen sein, um das Publikum wieder ins Kino zu locken. Dabei ist 3D eigentlich schon ein alter Hut und maximal die neue Technik, die nun den Blick in die dritte Dimension ohne Farbbrille ermöglicht, etwas Innovatives, das hoffentlich bald von 3D ohne Brille abgelöst wird. Doch nun kommt wirklich mal etwas (zumindest im Kino) relativ Neues in die Lichtspielhäuser: Der Mitmach-Film. Für alle Kinder ab 4 Jahren gedacht und mit dem Wunsch versehen, dass im Kino ordentlich Krach geschlagen wird, wenn sich das Treiben auf der Leinwand abspielt. Herausgekommen ist dabei ein Film, der perfekt auf das Zielpublikum abgestimmt ist, aber dem ein gewisser Hang zum Mut fehlt.
Die Geschichte ist einfach erzählt: Ein kleiner Junge namens Paul zieht mit seinen Eltern in die Großstadt Berlin. Dort ist der kleine Fratz einsam und hat lediglich seinen Teddy als Trostspender. Eines Tages entdeckt er allerdings eine Märchenhütte und dort sieht er sich die Aufführungen von "Aschenbrödel" und "Der gestiefelte Kater" an, was ihn endlich wieder glücklich macht. Mehr Inhalt gibt es nicht, denn strenggenommen ist der Film lediglich eine Abflilmung von zwei Märchenaufführungen, welche auf einer Bühne dargestellt werden. Lediglich ein kleiner Hauch von Drumherum-Story ist zu spüren, den es aber letztlich so nicht gebraucht hätte bzw. in der Form einwach zu wenig ist.
Und das spaltet den Film. Auf der einen Seite ist der Streifen in jeder Hinsicht perfekt auf sein Zielpublikum abgestimmt. Dem Verlauf ist einfach zu folgen, die Hauptfigur ist sympathisch, die Laufzeit kurz und die alten Märchen der Gebrüder Grimm sind auch heute noch höchstes Kulturgut, das den modernen Märchen von heute, in Sachen Charme und Sympathie, weit überlegen ist. Hinzu kommt der Kniff, dass die Kiddies hier nun nicht nur brav im Kinosessel sitzen sollen, sondern quasi im Minutentakt zum Mitmachen aufgefordert werden. Sei es durch klatschen, singen, Geräusche machen, rufen und sogar tanzen. Wer einmal mit kleinen Kindern im Kino war der weiß, wie unruhig diese schnell werden, hier können sie nun endlich einmal mitmachen. Und das funktioniert perfekt. Durch ein Klingelzeichen und der Einblendung eines kleinen Teddybären wissen die Kurzen perfekt, wann sie jeweils was machen sollen und wenn das Kino voll ist, mit Kindern zwischen 4-8 Jahren, dann machen am Ende auch wirklich alle mit. Na und die Eltern freuen sich natürlich, wenn die Lütten ihren Spaß haben. Der ganz eigenwilligen und charmanten Atmosphäre, die sich dadurch im Kinosaal ergibt, kann man sich jedenfalls, selbst als Erwachsener ohne Kinder, kaum verwehren.
Allerdings hat man als Erwachsener auch (für diesen Film) ein Problem, dass die Kinder definitiv nicht haben: Der Blick über den Tellerrand hinaus. Und da verläßt "Aschenbrödel und der gestiefelte Kater" dann leider doch ein wenig der Mut. Denn ein wirklicher Mitmach-(!)Film(!) ist das ganze lediglich durch seine kurze Rahmenhandlung und der Tatsache, dass das Ganze auf der Leinwand präsentiert wird. Ansonsten hat die Geschichte nur wenig Filmisches intus, da man sich eben letztendlich doch nur zwei Märchenstücke anschaut, welche jeweils von zwei Akteuren auf einer kleinen Bühne komplett vorgetragen werden. Die Frage, warum man dafür eigentlich ins Kino geht und nicht gleich ins Märchentheater, drängt sich unwillkürlich auf. Gut, nicht jede Stadt mag so ein Märchentheater besitzen, doch der Verkauf des Ganzen als "Film", wirkt unterm Strich und bei genauerem Hinschauen, wie eine Mogelpackung, Eine wirkliche Filmhandlung, gepaart mit den gut umgesetzten Mitmachmomenten, wäre jedenfalls deutlich schöner gewesen und dürfte, trotz des sehr jungen Zielpublikums, machbar sein, ohne das es dieses überfordert.
Aber nun gut, unterm Strich soll der Film ja nun weder mich noch irgend jemand anderes über 8 Jahren begeistern, sondern eben all jene, die noch unter dieser Altersgrenze sind. Und das funktioniert, in der Tat, absolut prächtig, wie ich es selbst vor kurzem erleben durfte. Selten hat eine Kindervorstellung mal so viel Spaß gemacht wie hier, weshalb ich mir sicher bin, dass der Film, gerade in der Adventszeit, sein Publikum finden wird, dass dann begeistert Mundpropaganda betreibt. Zur alleinigen Unterhaltung (vor allem als Erwachsener) ist der Streifen aber definitiv nicht geeignet. Für Eltern mit kleinen Kindern, im möglichst vollen Kinosaal oder später zu Hause beim Kindergeburtstag, aber definitiv eine Empfehlung.
Wertung: 6,5/10 Punkte