Review

kurz angerissen*


Man wollte zwar nicht unbedingt tauschen mit dem guten alten Toxie, als ihn sein Sprung aus dem Fenster schnurstracks in ein Fass Atommüll beförderte, aber wenigstens lief es damals kurz und schmerzlos. Ein schnell abgerissenes Pflaster gegen das, was der arme Kanalarbeiter aus Jesse T. Cooks zutiefst sadistischem Eiterbeulen-Thriller über sich ergießen lassen muss... wieder und wieder, in allen erdenklichen Farben und jeder vorstellbaren Konsistenz.

Von Mysophobie geplagte Zeitgenossen dürften ohnehin kaum über den Prolog hinauskommen. Hier kämpft eine Frau in einem mit brauner Soße und Unrat verschmutzten Alptraum von Badezimmer panisch um jede Sekunde im Wettlauf gegen die Infektion. Diese Sequenz hat kaum einen Zweck, außer den Ekel-Faktor einzupegeln und den Zuschauern mit schwachen Mägen den Weg zu den Notausgängen zu weisen. Denn wenn die Hauptfigur erst einmal auf den Plan tritt und prompt in das Kanalisations-Abwasserbecken geplumpst ist, gedenkt der Regisseur nicht, an der misslichen Lage so schnell etwas zu ändern.

Es entsteht somit ein schwach beleuchtetes Kammerspiel mit dem Motto „Escape from the Black Hole“, in dessen dunklen Ecken die Fantasie zu tanzen beginnt. Eine höchst effektive Methode, das Kopfkino anzuregen, denn um sich vorzustellen, wie sich die Bakterien langsam durch Wunden und Körperöffnungen fressen, bedarf es kein großes Arsenal an Spezialeffekten und auch kein Geruchskino. Es reicht, den armen Tropf wieder und wieder mit kontaminiertem Wasser und noch viel schlimmeren Substanzen zu übergießen, so wie man es mit dem Bratenfond eines Backschinkens machen würde. Jason David Brown spielt zwar einen Mann, der durch seinen Beruf so einiges gewöhnt ist, doch um so weniger möchte man als Nicht-Profi seinen Platz unter der Dusche einnehmen.

Schon in diesem reduzierten Szenario zeigen sich die typischen Schwächen des Regisseurs, die er auch bei seiner Monster-Wrestling-Show „Monster Brawl“ offenbarte: Abgesehen von der Grundidee bleibt nicht viel Substanz zurück. Zwar soll ein Subplot um zwei degenerierte Kanalisationsbewohner noch etwas Pep in die Sache bringen, doch obwohl die von Tim Burd und Ex-Wrestler Robert Maillet durchaus interessant gespielten Brüder im Stil der Leatherface-Sippe tatsächlich ein paar Farbtupfer einbringen, bleibt das Gerippe des Drehbuchs weitgehend fleischlos. Um sich komplett auf die Mutation des Müllschwimmers in einen wandelnden Tumor zu verlassen, ist die Arbeit der Maskenbildner auch einfach nicht spektakulär genug. Viel billiger sah nämlich auch der „Toxic Avenger“ nicht aus, nur dass der zusätzlich von seiner subversiven Anlage profitierte, die dem „Septic Man“ in jeder Phase verborgen bleibt.

So gesehen ein nasskalter Schlag ins grüne Wasser, wäre da nicht zumindest irgendwo zwischen Überlebenskampf, Hoffnungslosigkeit und hysterischem Galgenhumor eine sehr eigene Atmosphäre, mit der sich Cook von x-beliebigen Amateurfilmern abhebt.



*weitere Informationen: siehe Profil

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