kurz angerissen*
Ein junger Truthahn, der als Stromgegenschwimmer geboren wurde und sich gegen die Konventionen und damit all seine Artgenossen auflehnt, die fröhlich gurrend ihrem Thanksgiving-Schicksal entgegen treiben… klingt für einen Animationsfilm nach einem Selbstläufer, oder? Das scheint sich in den recht peppigen ersten Minuten sogar zu bewahrheiten, wenn dämliche Puter sich auch noch artig bedanken, auserwählt worden zu sein; noch dazu macht sich die mäßige Animationsqualität noch nicht negativ bemerkbar, weil es eben so sein soll, dass alle Vögel – abgesehen vom Protagonisten – praktisch gleich aussehen. Eine dumme, braunrote Masse. Dann gesellt sich noch ein putziges Menschenmädel dazu, das alle Niedlichkeitsregister bis hin zum „Puss In Boots“-erprobten Superpupillentrick zieht… alles in Butter soweit.
Doch sobald die Zeitmaschine angeworfen wird, um das erste Thanksgiving der Geschichte neu zu schreiben, ist der Ofen aus. Das sterile Futurismusdesign der Reisekapsel erlaubt schon keinerlei Fantasie, doch was sich dann im frühen 17. Jahrhundert abspielt, ist so uninteressant, dass man letztlich doch wieder gerne rückwärts in die Zeit gesprungen wäre. Von der Zeit selbst bekommt man wegen des animalischen Mikrokosmos kaum mehr mit als ein paar Herbstbäume. Die neu auf den Plan tretenden Truthähne, die diesmal durchaus Individuen darstellen sollen, bestehen aus farblosen Rollenstereotypen.
Actionszenen und Dialoggefechte verstreichen ohne jeden Biss, und zunehmend gewinnt man den Eindruck, sich in einen reinen Kinderfilm verirrt zu haben. Zeitreiseparadoxien können zum Ende hin dann auch nichts mehr retten. Ein verzichtbares historisches Abenteuer, immerhin mit dem pädagogischen Wert, die ganz Kleinen für den Fleischkonsum zu sensibilisieren.
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