Elyas M`Barek spielt einen Bankräuber, der, soeben aus dem Gefängnis entlassen, seine Beute holen möchte. Dumm nur, dass seine Freundin es nahe einer Schule vergraben hat und nun eine Sporthalle über der Stelle gebaut wurde. Er will einen Job als Hausmeister in der Schule annehmen, um unbemerkt im Keller der Sporthalle graben zu können. Aufgrund einer Verwechslung findet er sich dann aber plötzlich in der Position eines Aushilfslehrers wieder. Unter Beobachtung einer engagierten Referendarin, gespielt von Karoline Herfurth, übernimmt er eine zehnte Klasse, an der sich zahlreiche Lehrkräfte vor ihm bereits die Zähne ausgebissen haben.
Bereits zwei Wochen nach Kinostart war klar, dass nach “Türkisch für Anfänger“ auch die zweite Zusammenarbeit von Hauptdarsteller Elyas M`Barek und Bora Dagtekin, hier erneut für Drehbuch und Regie verantwortlich, einen sensationellen Erfolg an deutschen Kinokassen einfährt. Da diese deutsche Komödie, im Gegensatz zu dem, was etwa Matthias Schweighöfer so abgeliefert, tatsächlich einen ausgesprochen kurzweiligen Kinoabend garantiert, ist der Erfolg durchaus verdient.
“Fack ju Göhte“ unterhält vor allem aufgrund seines derben Humors. Der Protagonist, der zunächst die Schüler einer siebten Klasse herunterputzt, landet schließlich in einer zehnten Klasse, die er selbst als “Assi-Klasse“ bezeichnet. Wenig feinfühlig werden im Folgenden Schüler mit einem Paintball-Markierer beschossen, beleidigt und auch geschlagen. Dennoch kann durchaus gelacht werden, denn anders als es in eingängigen RTL-Formaten der Fall ist, werden die Jugendlichen (aus bildungsfernen Schichten) hier nicht vollends der Lächerlichkeit preisgegeben. Allgemein gelingt es Dagtekin durchaus, einen schmalen Grat zu meistern. Einerseits verbucht er viele Gags, wenn er den ruppigen Protagonisten auf die Assi-Klasse loslässt oder ihn mit der engagierten Bilderbuchreferendarin konfrontiert, andererseits lässt er den letztlich nicht unsympathischen Figuren aber ihre Würde, stimmt besonders in der zweiten Filmhälfte auch ernstere Töne an.
Die Idee, dass der Gangster undercover als Lehrer in der Schule anheuert, um an das erbeutete Geld zu kommen, mag zwar nicht gerade neu sein, ähnliches kennt man beispielsweise aus “Der Diamanten-Cop“. Dennoch ist die Idee als Vorwand, den Protagonisten auf die ahnungslosen Schüler loszulassen, alles andere als schlecht. Da die Gag-Quote besonders in der ersten Filmhälfte kaum höher sein könnte, bleibt ohnehin nicht allzu viel Zeit, sich an der Story zu stören. Zum Ende hin findet sich das Geschehen dann zu sehr in altbekannten Handlungsbahnen ein, eine Love-Story entwickelt sich, es folgen (Spoiler?) die scheinbare Katastrophe und dann das Happy End. Aber verübeln möchte man es der besten deutschen Komödie des Kinojahres nicht.
Ansonsten lässt sich wenig Schlechtes zu “Fack ju Göhte“ sagen. Das Tempo ist hoch, die Gags sind derbe, zünden aber und sind zudem reichlich vorhanden. Wer den Film gesehen hat, wird sich wundern, dass die Dauer mit 118 Minuten angegeben ist, gefühlt geht es erheblich schneller, was vermutlich so ziemlich das größte Kompliment ist, das man einer Komödie machen kann. Darstellerisch lässt sich ebenfalls wenig bemängeln, Elyas M`Barek, dem die Rolle auf den Leib geschneidert ist, füllt sie gut aus, Katja Riemann und Karoline Herfurth machen sich ebenfalls gut. Hinzu kommen witzige Gastauftritte von Uschi Glas und dem Gangster-Rapper Farid Bang. Musikalisch versiert unterlegt, erweist sich lediglich die stellenweise übertrieben bunte Optik als etwas störend.
Fazit:
“Fack ju Göhte“ überzeugt mit derbem Humor, stellt seine Figuren aber nicht bloß, wenngleich nach den Trailern die Filmversion von “Mitten im Leben“ zu erwarten war. Die Story mag stereotyp und vorhersehbar sein, aber die Gags zünden und sind reichlich vorhanden, der Film schnell und gradlinig, somit überaus unterhaltsam und kurzweilig. Damit ist “Fack ju Göhte“ letztlich ein Beweis dafür, dass auch in deutschen Landen gelegentlich starkes Unterhaltungskino gemacht wird.
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