Review

Staffel 1

"Das Mächtige ist immer gefährlich."

Das Marvel Cinematic Universe expandiert. Rentable Helden-Franchisen, wie Thor, Captain America und Iron Man haben bereits ihre Zusammenkunft in "Marvel's The Avengers" erfahren. Die Weiterführung der Filmreihe ist gewiss. Parallel zum Kino-Universum entwickelt sich eine Serie, die sich um die immer wieder auftauchende Organisation S.H.I.E.L.D. dreht. In diesem Agententhriller /-parodie / Comic-Mix geht es nicht ganz so rund, wie bei den episch angehauchten Filmen.

"Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D." setzt direkt nach den Ereignissen von "Marvel's The Avengers" an. Nach dem Angriff von Außerirdischen auf New York breitet sich die Organisation S.H.I.E.L.D. aus. Agent Phil Coulson (Clark Gregg) überlebte das Attentat auf ihn und erhält ein neues Team, bestehend aus dem vielversprechenden Grand Ward (Brett Dalton), den Technikern Leo Fitz (Iain De Caestecker) und Jemma Simmons (Elizabeth Henstridge) sowie Melinda May (Ming-Na). Während ihrer Suche nach Personen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten sowie mächtigen Artefakten gesellt sich die Hackerin Skye (Chloe Bennet) dazu.

Die 22 Episoden der ersten Staffel enthalten einen roten Faden, sind aber überwiegend auch einzeln verständlich. Anspruch und Marvel gehören ohnehin nicht zusammen, somit ist auch die Handlung der Serie einfach gehalten und wiederholt sich genau genommen. Häufig geht es um das Bergen eines Artefaktes oder die Ermittlung nach einem Superhelden.
Sehr schnell nutzt sich die Erzählweise ab, mitunter steht die Handlung still. Die hohe Geschwätzigkeit ist dabei ein gewichtiger Faktor. Häufig wird diskutiert und analysiert. Das Repertoire an technischen Fachbegriffen ist dabei nicht zu unterschätzen und führt zu ungewollter Komik.

Man könnte meinen, dies käme den Figuren zugute. Die typischen Stereotypen bekommen allerdings kaum Farbe und entwickeln sich nur geringfügig weiter. Somit ist es schwer mit ihnen zu sympathisieren oder gar eine Spannung während dramatischer Situationen zu empfinden. Tragisch, denn der grundlegene Aufbau von gescheiterten und ambivalenten Helden ist vorhanden. Ausgespielt wird dieser allerdings nicht.

Die leichte Atmosphäre und Verspieltheit ist typisch für das Marvel Cinematic Universe und findet sich auch in "Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D." wieder. Mittels One-Linern und kurioser Situationskomik lockert sich die Atmosphäre schnell auf, steht allerdings im Schatten ihrer "großen Brüder".

Hin und wieder eingeschobene Actionszenen machen einen ambitionierten Eindruck. Die digitalen Effekte sind eindrucksvoll, erreichen jedoch nicht das Niveau hoch budgetierter Produktionen. Die wacklige Kameraführung und die schnellen Schnitte hinterlassen dagegen einen zwiespältigen Eindruck. Außerdem fehlt es der Serie an eingängigen Melodien.

Clark Gregg ("11:14") erweist sich als das sympathischste Gesicht der Serie. Seine Auftritte in diversen Marvel-Comicverfilmungen haben ihn bereits positiv geprägt. Die nur zweckmäßige Runde, bestehend aus Ming-Na Wen ("Street Fighter - Die entscheidende Schlacht", "Stargate Universe"), Brett Dalton, Chloe Bennet, Iain De Caestecker sowie Elizabeth Henstridge spielt ihre Rollen sehr eindimensional. Bill Paxton ("Aliens - Die Rückkehr", "Apollo 13") sowie sehr kurze Auftritte von Samuel L. Jackson ("The Spirit", "Django Unchained") werten den Cast leicht auf.

Die erste Staffel von "Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D." bezieht sich zwar auf die parallel verlaufenden Ereignisse des Marvel Cinematic Universe, kann aber unabhängig gesehen werden. Die Größe der Kinofilme wird bei weitem nicht erreicht, was selbstverständlich ein Faktor des Budget ist. Die Serie verfolgt ein eigenes Ziel: Der Erzählung vernachlässigter Stränge der Comicverfilmungen. Für das Gelingen mangelt es jedoch an eingängigen Figuren, die untereinander eine Dynamik entwickeln. Durch technisch aufgeplusterten Dialoge zieht sich jede Folge in die Länge. Die Versuche Dramatik einzubinden unterbinden vorhersehbare Ereignisse. "Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D." fehlt es an denkwürdigen Momenten und Interaktion. Da helfen auch die brachialen Actionsequenzen nur vorübergehend weiter.

4 / 10

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