Review
von Leimbacher-Mario
There's a new Clown in Town
Wenn dabei solche tollen, recht kleinen Horrorperlen & sehr gute Regieentdeckungen herauskommen, sollte Kultregisseur, Meister des schlechten Geschmacks & Love/Hate-Wunderkind Eli Roth ruhig öfters investieren & Filme produzieren. Denn "Clown" ist ein wirklich gelungener, gerader & recht blutiger Clowns-Horrorspass, der seinen Regisseur Jon Watts über "Cop Car"-Umwege bis zum neuen Marvel Spider-Man geführt hat. Und ganz nebenbei besser als die meisten von Roths eigenen Filmen. In bester Tradition aber überraschend straight & ernst, wird hier die Geschichte eines Familienvaters erzählt, der seinem Sohn zum Geburtstag eine Freude machen will & als Clown auftritt. Blöd nur, das die gefundene, altmodische Verkleidung samt Schminke & roter Nase, einfach nicht mehr abgehen will & langsam mit ihm verschmilzt. Und zu allem Überfluss, bekommt er auch noch jedes Mal so ein hungriges Magenknurren, wenn ihm kleine, süße Kinder über den Weg laufen...
Hört sich witzig & nach unvermeidbarem schwarzen Humor an - aber bis auf ein paar blöd-coole Ideen & Szenen, ist dieser Partygast zu mindestens 70% Horror, der Rest irgendwo zwischen Comedy & Familiendrama. Erfreulich, denn lebsche Clownswerke hat man schon genug gesehen & das Thema an sich ist so durchgeknallt, dass eine strikte, düstere Art die verrückte Grundidee gekonnt konterkariert. Richtige Albträume wird der hungrige Clown wohl nur Menschen mit entsprechender Phobie bescheren, trotzdem gehört er zu den besseren Midnight Movies der letzten Zeit, fast schon ein kleines Horrorhighlight des Jahres, etwas unter dem Radar. Sehr seltsam warum er fast 3 Jahre auf sich warten ließ mit einer weltweiten Veröffentlichung.
Das Make-up & die gesamte Verwandlung bis in die extrem gelungene & gruselige Endstufe, ist extrem beeindruckend & wirkt nie billig. Absolutes Highlight des Films - Stephen King trifft auf David Cronenberg. Die Darsteller machen ihre Sache solide, gehen aber, bis auf den immer toll anzusehenden Peter Stormare, jedoch neben der Idee & den Effekten etwas unter. Manches ist vorhersehbar & Wenig ganz neu, trotzdem heutzutage so trocken & trotzdem über sich selbst bewusst, eher selten produziert. Mein Highlight ist eine sehr atmosphärische & wirklich spannende Szene im Bälle- & Rutschenparadies - zum Glück bin ich kein Kind mehr & pass da eh nicht mehr rein ;) Manchmal hätte ich mir noch etwas mehr Style gewünscht, Ideen & Mut, der Film ist 15 Minuten zu lang & man hätte in Sachen Gore & Zeigefreudigkeit ruhig noch etwas Clownschminke drauflegen können - aber das ist Kritik während eines leichten Freudentaumels.
Fazit: kein "ES" oder "Killer Klowns From Outta Space", aber trotzdem einer der besseren Filme über die dämonischen Dauergrinser - Body Horror trifft Dänonen-Horror, der seine blutige Prämisse rigoros & erfreulich ernst runterspielt. Toller Companion-Piece zum witzigeren "Stitches".