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Dass coulrophobische Horrorfilme fast immer scheitern, liegt weniger am Stoff als an der meist wenig ambitionierten Herangehensweise in den entsprechenden Produktionen, birgt der Clown als Gruselgeschöpf doch im Grunde nicht weniger Potenzial als etwa der bis zur Erschöpfung verfilmte Vampir: Er treibt eine bis ins Karikaturistische verzerrte Eigenschaft des Menschen auf die Spitze und präsentiert sie als Deformation, die man ebenso gut witzig wie unheimlich finden kann. Daraus lässt sich womöglich mehr formen, als sich Filmstudios und Publikum vorstellen können.

„Clown“ unterscheidet sich von seinen meist trashigen und exploitativen Artgenossen in erster Linie durch den Ernst, mit dem er sein Sujet angeht – und hat relativ leichtes Spiel dabei, einen neuen Weg zu gehen. Leichtes Spiel deswegen, weil die Roth-Produktion vom Aufbau her immer noch bequemer Baukasten-B-Horror mit konventionellem Plotaufbau ist, der wenigstens diesbezüglich relativ enttäuschend ausfällt. Was in diesem Fach mit etwas mehr Mut noch möglich wäre, zeigt beispielsweise „Balada Triste de Trompeta“ aus Spanien, der seine tragische Figur in ein Wirrnetz verfrachtete, dessen Ausgang man als Zuschauer unmöglich vorhersehen konnte.

So aber teilt man sich nun ein Universum mit Hochglanz-Monster-Movies der zweiten Reihe, denen von einem Spezialpublikum durchaus Anerkennung zuteil wurde, etwa dem letzten „Chucky“. Das macht auch die Anwesenheit eines B-Urgesteins wie Peter Stormare (der jüngst im innovativen Videospiel-Slasher-Movie „Until Dawn“ bereits mit sublimen Clownsmotiven in Berührung kam) nachvollziehbar.

Aber man schleppt sich gerade so durch das mit Pflichtszenen gespickte Drehbuch und legt jede Hoffnung in die Transformation des Clowns. Mit einem mächtigen Zufriedenheitsgefühl immerhin in den letzten Szenen, denn die letzte Verwandlungsstufe befriedigt die Erwartungen an grelldüstere Bizzarerie mit einem an die „Hellraiser“-Filme erinnernden Creature Design.

Obwohl Jon Watts ansonsten leider nur wenig mit der Unbehaglichkeit beim Anblick der übertriebenen Mimik eines Clowns spielt – dazu hat Hauptdarsteller Andy Powers auch schlichtweg ein zu freundlich-rundes Gesicht – arbeitet er seinen Film gleich in zweierlei Richtung aus. B-Horror-typisch wird einmal eine Clowns-Mythologie entwickelt. Untermauert mit verschwommenen Kameraaufnahmen und Grobstrichzeichnungen eines Ur-Clowns in einem alten Buch wird die Kreatur zum Kinderfresser stilisiert, was der Handlungsablauf folgerichtig aufgreift und immer wieder Kinder in akute Gefahr bringt (womit auch die 18er-Freigabe erklärt wäre). Zweitens entwickelt sich daraus in zweiter Lesart die Geschichte eines Familienvaters mit pädophilen Tendenzen im Kampf mit seinen inneren Dämonen. Sexuelles Verlangen wird einfach gegen ein vampirisches Hungergefühl auf junges Menschenfleisch ersetzt und schon verfügt „Clown“ über eine unerwartete zweite Ebene, die man ihm anerkennend zugestehen muss.

Es geht also sicherlich noch mutiger, aber diesem Film müssen unbedingt weitere Ableger folgen; nicht einmal zwangsläufig als direktes Sequel, sondern gerne mit weiteren eigenständigen Projekten, die dem Clown weitere Facetten abzwacken.

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