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Familienvater Kent will für seinen Sohn zum Geburtstag den Clown geben, weil der gebuchte Clown nicht auftaucht. Er bedient sich dazu eines gefundenen Kostüms, doch das wird er hinterher nicht mehr los. Und er beginnt sich zu verändern.


Unter Coulrophobie, der Angst vor Clowns, leiden eine ganze Menge Menschen. Und wenn es thematisch dazu noch um Kinder geht, kann es ganz schnell problematisch werden. Zumindest letzteres umschifft Clown allerdings ganz gut. Und zum Thema Phobie sei gesagt, dass der Clown nichts klassisches hat.
Noch eine Warnung: Es stirbt ein Hund.


Clown zeigt mal eine etwas andere Geschichte, nicht nur im Film, denn er entstand aufgrund eines Faketrailers, in dem Eli Roth als Produzent angegeben war. Und der hatte dann nichts besseres zu tun, als die Macher zu kontaktiern und den Film zu produzieren. Und schwupps entstand ein von Cronenbergs Die Fliege inspirierter Bodyhorror, der vieles richtig macht.

Auf der einen Seite haben wir die wirklich fiesen Taten des Clowns, die uns aber dankenswerter Weise nur in Form von an die Wand fliegenden blutigen Dingen und im Ergebnis gezeigt werden, der Rest geschieht im Off. Auf der anderen Seite haben wir Kent, der Erlösung sucht und seine Familie, die ihn zurückhaben will und darum auch kämpft. Die Hoffnung auf eine Rettung ist fast allgegenwärtig, was spätestens in der zweiten Hälfte auch für leichte Spannung sorgt.

In Sachen Härte hält sich der Film für mein Empfinden sogar zurück, von ein paar Gewaltspitzen wie einem abgerissenen Kiefer oder einem abgetrennten Kopf abgesehen. Die Effekte sind handgemacht und sehen nicht nur gut aus, sondern sind bisweilen auch kreativ, denn wann hat man schon mal regenbogenfarbenes Blut gesehen.

Musikalisch ist das durchwachsen. Der Score während des Films taugt, aber die Clown-Songs während des Abspanns sind wirklich gruselig. Wenn ich das richtig gesehen habe, ist einer davon sogar von Nirvana.


Aber so richtig warm geworden bin ich mit der Story nicht. Auf Figurenzeichnung wird weitgehend verzichtet, dafür legt man flott los. Und dass Kent und guter Daddy ist, wird auch schnell klar, da er versucht, pünktlich zu sein und dennoch den Clown für Sohnemann zu ersetzen. Sympathisch genug, dass ich mit ihm mitleiden könnte, war er mir aber dennoch nicht. Auch hat es mir deutlich an einem inneren Kampf zwischen ihm und der Besessenheit gefehlt, obwohl da schon was gezeigt wurde, aber vieles eben auch vor verschlossenen Türen. Ein weiterer Mangel ist die immer weiter fortschreitende Verwandlung, von der wir einmal kurz an Fingern und Füßen etwas sehen und sonst, vermutlich budgetbedingt, nichts mehr.

Anstatt sich etwas mehr auf das Drama und den inneren Konflikt zu konzentrieren, wird Clown im Verlauf von atmosphärischem Bodyhorror zu reinem Monsterhorror, der auch im Finale keine Kreativität oder Mut zum bösartigen Schockende zeigt.


Gut gemachter Bodyhorror, der in halbwegs vorhersehbaren Bahnen verläuft und der mehr Drama gebraucht hätte, um wirklich Stimmung aufzubauen. Ansätze sind da. Die handgemachten Effekte sind gut und blutig, aber nie überzogen. Taugt für einen guten Halloween-Abend, kann aber dem großen Vorbild nicht das Wasser reichen.

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