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Auf wahren geschichtlichen Ereignissen basierender Italo-Western von Sergio Sollima aus dem Jahre 1968, der vorzüglich unterhält, allerdings nicht ganz die Klasse von „Der Gehetzte der Sierra Madre“ erreicht, in dem Tomás Milián erstmals den sympathischen mexikanischen Habenichts Cuchillo mimte, der auch hier die tragende Figur darstellt. Es scheint, als wollte Sollima mit diesem im Prinzip hochpolitischen Film etwas zuviel auf einmal, indem er eine ganze Reihe klassischer Italo-Western-Motive unter einen Hut zu bringen versuchte. Da die Ereignisse vor dem Hintergrund der mexikanischen Revolution stattfinden, spielt der Großteil des Films natürlich in Mexiko. Gleich der Beginn des Films strahlt eindrucksvoll mexikanisches Temperament und Lebensfreude aus und bereitet den Zuschauer darauf vor, was ihn in den kommenden knapp zwei Stunden erwartet: Ein ziemliches Wechselbad der Gefühle zwischen Komödie und hartem, bitteren Ernst, in deren Verlauf politische mit persönlichen Beweggründen in Konflikt geraten, zahlreiche miteinander konkurrierende und sich gegenseitig dezimierende Interessengruppen auf der Suche nach einem Goldschatz sind, einige aus heutiger Sicht etwas befremdliche, frauenfeindliche Darstellungen des weiblichen Geschlechts stattfinden, ein schweigsamer, desillusionierter, zynischer Ex-Sheriff und -Revolutionär eine Entwicklung zum sogar mit Toten redenden „Schwätzer“ durchlebt und Cuchillo, genannt „Stechmücke“, immer wieder als lachender Sieger aus allen Konflikten hervorgeht. In dieser Rolle brilliert Milián ein weiteres Mal und es ist eine wahre Freude, ihm dabei zuzusehen, wie er den lebenslustigen, ungezähmten, geschickten Mexikaner verkörpert. Aber auch Donald O’Brien weiß in seiner Rolle als schwarzgekleideter Eastwood-Verschnitt zu gefallen. Handwerklich ohne Makel inszeniert, allerdings ohne die epische Ausrichtung z.B. eines Leones, funktioniert die Mischung aus Humor, Politik und Ernst nicht immer einwandfrei und aufgrund der Vielzahl der eingeführten Charaktere bleibt die Tiefe und Glaubwürdigkeit bisweilen etwas auf der Strecke. Nichtsdestotrotz ist „Lauf um dein Leben“ ein wirklich guter Beitrag zum Genre, der einen gewissen Anspruch verfolgt, und weitaus interessanter als der x-te Rache-Western von der Stange.

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