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In einer Mixtur aus "I Spit on Your Grave" und "The Crow" liest sich das Regiedebüt eines gewissen Michael S. Ojeda zunächst recht interessant, doch für den großen Wurf mangelt es letztlich an einigen wesentlichen Aspekten, wie das augenscheinlich oberflächlich erdachte Drehbuch zusehends offenbart.

Die gehörlose Zoe (Amanda Adrienne) befand sich auf dem Highway in New Mexico, als sie an eine Horde von rassistischen Rednecks gerät, welche sie quälen, vergewaltigen und schließlich erstechen. Doch dann fährt der Geist eines Apachenhäuptlings in ihren Körper und treibt sie zur blutrünstigen Rache an, während sich ihr Freund beunruhigt auf die Suche begibt...

Zum späteren Mitfiebern ist es natürlich hilfreich, die Hauptfigur möglichst sympathisch einzubringen, so dass diese auch ohne Mitleidsbonus Interesse erwecken kann. Zoe punktet innerhalb der Exposition durch ihre Lebenslust, welche sie ihrem Freund per Smartphone und Zwischenstationen ihrer Reise sendet. Die ausgeblichenen Farben und einige Farbfilter tauchen die Landschaften in ein leicht unwirklich erscheinendes Licht und als die junge Frau auf einen verletzten Indianer stößt, wird man auch gleich mit den Hinterwäldlern vertraut gemacht, welche von sämtlichen Klischees umgeben sind, die das Hinterland in New Mexico eben hergeben.

Bis zum vermeintlichen Ableben von Zoe und einigen fiesen Szenen gestaltet sich die Chose durchaus spannend, auch wenn die dummen Dialoge der Rednecks nah an der Grenze des Erträglichen liegen. Doch nach dem Ritual eines alten Indianers und dem einsetzenden Rachefeldzug macht sich auch leichte Ernüchterung breit, da sich sämtliche Abläufe erahnbar gestalten und spannende Konfrontationen zusehends weniger werden, zumal die Reihenfolge der Kills genauso absehbar ist wie das letztendliche Schicksal von Zoe.

Immerhin wird Splatterfans einiges geboten, denn von einer herausgezogenen Darmschlinge über Stacheldraht in der Haut, einem Stock im Auge, diversen Pfeilschüssen, Hammerschlägen am Hals und einem abgetrennten Arm ist durchaus einiges Gemetzel auszumachen, was größtenteils ohne CGI, jedoch mit grundsolidem Make-up daherkommt.
Auch die verwandelte Zoe mit ihrem wilden Blick macht einiges her, nur die bösen Jungs bleiben deutlich zu blass, um ihnen noch mehr als ein qualvolles Ende zu wünschen.

Neben diversen Klischees und Oberflächlichkeiten ist es primär die Spannung, welche ab Mitte der Erzählung oftmals auf der Strecke bleibt. Bei den Schnitten fehlt das Gespür fürs Timing, die Kamera ist zeitweise suboptimal positioniert und auch die eigentlich treffend besetzten Mimen performen bis auf Hauptdarstellerin Amanda Adrienne ein wenig hölzern.
Die Gewalteinlagen kaschieren natürlich einige Mankos, doch darauf verlässt sich Autor, Kameramann und Regisseur Ojeda ein wenig zu sehr.

Von daher ist "Savaged" ein Streifen, der im Vorfeld mehr verspricht als im Endeffekt zu halten, denn er nimmt sich obgleich zahlreicher Klischees viel zu ernst und versteht es nicht, innerhalb des Genres kleine kreative Spitzen zu setzen, da er im Gesamtbild zu mutlos bleibt und trotz einiger provokanter Szenen lediglich Verlaufsmuster abgrast.
Für ein Debüt in Ordnung, doch vom schwitzigen Mitfiebern relativ weit entfernt.
5,5 von 10

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