Review

kurz angerissen*

Ein Film wie eine verdammt gute Akte-X-Doppelepisode. So zumindest beginnt „Coherence“ und wird dann sogar noch etwas mehr. Das mäandernde Ensemblestück mit Indie-Flair benötigt keine visuellen Effekte, die es durchaus einfach hätte einstreuen können, sondern wählt den umgekehrten Ansatz.

Digitalkameras entziehen den Sets sämtliche Details, sattes Filmkorn dividiert ebene Flächen in fahle Mosaiksteine und Wohnzimmerlampen, später Kerzen, sind die einzigen Lichtquellen in einer endlos erscheinenden Nacht. Das Effektverständnis liegt in purer Schwärze: Die Zone, in der sich die Dimensionen überschneiden, ist der besonders dunkle Teil einer ohnehin in Dunkelheit getauchten Straße.

Das, was „Coherence“ nicht zeigt, spielt sich bildhaft im Kopf des Betrachters wieder. Einmal noch ein harmloses Dinner unter Freunden, öffnen sich mit Entdeckung des unausgesprochenen Dimensionstores Interpretationsebenen, die sich ins Unendliche potenzieren lassen.

Sicherlich ist des Ichs größter Gegner bereits seit Anbeginn der Science Fiction das Ich selbst, auch Paralleluniversen gehören zum festen Repertoire des Genres. Somit haftet James Ward Byrkits Regiedebüt nichts Revolutionäres an, doch er gestaltet die Reflektionsflächen in seinem Ansatz so offen, dass er sein Publikum niemals dazu ermutigt, in Klischees zu denken. Ein packendes Gedankenexperiment, das sich besonders gut in geselliger Runde mit geistreicher Stimmung goutieren lassen dürfte, denn hier schlägt der Identifikationsfaktor mit allen Finessen zu.

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