Review

Einmal mehr unterstreichen zwei Regieneulinge, dass Arthouse und Horror selten zueinander finden können, denn die Mehrheit des Zielpublikums dürfte einen gradlinig erzählten Streifen bevorzugen, der ohne große Schnörkel für lockere und spannende Unterhaltung sorgt.
Eher wie eine Experiment wirkt hingegen der Erstling der Autoren und Regie führenden Reed/Jackson, denn bereits nach wenigen Minuten bluten einem beinahe die Augen und Ohren.

Handlungstechnisch lässt sich die Sache nicht so leicht auf den Punkt bringen, denn Carl irrt durch den Wald, weil er seine Verlobte und seinen besten Freund sucht, während Jade nach dem Mörder ihrer Tochter Ausschau hält. Beide finden sich gefesselt an Bäumen wieder, da eine Hinterwäldler-Sekte ihre Seelen opfern will...

Obgleich das Werk klassisch mit einer durch den Wald rennenden Frau einsteigt, gibt es nur Fragmente ohne Kontext, viele Standbilder und Freeze Frames, welche zunächst keinen Sinn ergeben. Durch die nichtlineare Herangehensweise ergibt sich erst gar keine Figureneinführung: Für den Bruchteil einer Sekunde wird ein glückliches Paar eingeblendet, dann gibt es ein wenig Gekröse durch den Rotfilter gedrückt, bis ein paar verzerrte Stimmen hinzukommen, welche ebenfalls unverständliches Zeug von sich geben.

Der erste Dialog findet überdies erst nach zwanzig Minuten statt, während ein weiterer nach rund dreißig Minuten sogar fast einen Sinn ergibt, als Carl und Jade aufeinander treffen und von ihren Unternehmungen berichten. Es kristallisiert sich heraus, dass beide mit ihren eigenen Dämonen konfrontiert werden, es geht um Rache und Vergeltung, was durch einige Visionen visualisiert wird. Doch da bei alledem kaum ein Zugang möglich ist, dürften selbst geduldige Zuschauer nach spätestens 40 Minuten Laufzeit abwinken.

Da nützt auch eine Egoperspektive während einer Flucht wenig, die verzerrten Stimmen nerven auf Dauer ebenfalls und auch die Sounduntermalung, primär bestehend aus Industrial-Sounds rettet das experimentell anmutende Unterfangen nur geringfügig. Maske und Make-up sind indes okay und auch darstellerisch ist wenig anzukreiden (allerdings gibt es auch nicht viel zu performen), doch das Gesamtbild bleibt mies bis unterirdisch.

Denn trotz aller visueller Spielereien und wild aneinander gereihten Visionen bleibt der Look billig, der Wald wirkt komplett austauschbar und so können am Ende selbst kurze 76 Minuten verdammt lang erscheinen, wenn denn inhaltlich rein gar nichts geboten wird außer einer Collage, welche lediglich in Ansätzen einen Sinn ergibt, jedoch überhaupt nicht unterhält oder anderweitig anspricht.
Ergo nicht vom Cover oder der Inhaltsangabe täuschen lassen, denn wer einen spannenden Streifen nach üblichem Muster sucht, dürfte hier ganz schnell auf Granit stoßen.
2 von 10

Details
Ähnliche Filme